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Humorvolle FührungHumor als Erfolgsfaktor für Unternehmen

Vorgesetzte, die brenzlige Situationen humorvoll entschärfen und Humor im Arbeitsalltag als Kommunikationsmittel einsetzen, genießen große Akzeptanz. Humor ist eine Erfolgsstrategie. Denn Studien zeigen: Wo gelacht wird, fühlen sich die Mitarbeiter wohl und es wird in der Regel mehr und besser gearbeitet.
erschienen: 19.05.2009

In unserer Arbeitswelt begegnen wir als Führungskraft tagtäglich Kollegen und Mitarbeitern. Wir treffen uns in Meetings, diskutieren und sind in verschiedene Arbeitsabläufe integriert. Der Alltag in Unternehmen und Verwaltungen ist in der Regel geprägt von Zahlen, Aufträgen, administrativen Gesprächen und nur selten von menschlichen Begegnungen. Dabei könnte diese direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch einer der wesentlichsten Bausteine für den Erfolg eines Unternehmens sein.

In zahlreichen Studien haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass die Identifikation mit einem Unternehmen weniger über deren Produkte und Dienstleistung erfolgt, als über das menschliche Miteinander. Viel Potenzial und Know-how gehen verloren, wenn sich fast 60 Prozent aller Mitarbeiter in eine innere Verweigerung geflüchtet haben, da das innerbetriebliche Klima von Angst und Unsicherheit geprägt ist – so die Studie von Pew Research Center for People in einer weltweiten Befragung. Hier sind Führungskräfte und Personalvorstände gefordert, zu integrieren und das Potential der Mitarbeiter zu fördern.

Die alte Volksweisheit „Mit Humor geht alles leichter“ lässt in Anbetracht der neuesten Studien über die Auswirkungen des Humors auf die Unternehmenswelt nachdenklich werden. Eine humorvolle Einstellung inspiriert Mitarbeiter und öffnet damit neue Kommunikationswege. Humor wird immer mehr als Führungskompetenz betrachtet, um in Unternehmen und Verwaltung eine neue Kultur der Menschlichkeit und Kreativität zu etablieren. Führungspersönlichkeiten, die brenzlige Situationen humorvoll entschärfen oder Humor im Arbeitsalltag als Kommunikationsmittel anwenden, genießen eine große Akzeptanz. Humor ist eine Erfolgsstrategie: Denn, wo gelacht wird, so zeigen die Studien, fühlen sich die Mitarbeiter wohl und es wird in der Regel mehr und besser gearbeitet.

In den USA und Japan wird Humor längst als emotionale Intelligenzkomponente betrachtet und als eines der wichtigsten Soft Skills gewertet. Amerikanische Global Player testen in Rekrutierungsgesprächen ihre Top-Kräfte bewusst auf ihre Humorfähigkeit. Das Wissen um ein humorvolles Miteinander erreicht nun auch Deutschland.

Humor als Führungskompetenz

In Deutschland leiden fast 40 Prozent der Führungskräfte in Wirtschaft und Politik an den Phänomenen Depression, Burnout und Krebs. Die Dunkelziffern sollen noch höher liegen, so die Studie der Freien Universität Berlin. Wissenschaftler der amerikanischen Stanford Universität haben festgestellt, dass Menschen, die täglich viel lachen und eine humorvolle Einstellung im Alltag pflegen, nicht an diesen Krankheiten leiden.

Es ist eine erwiese Tatsache, dass Kinder noch 400 Mal am Tag lachen, ein Erwachsener reduziert sein Lachen auf 15 bis 20 Mal am Tag. Am wenigsten lachen wir am Arbeitsplatz: Hier reduziert sich der Wert auf 5 Mal am Tag und in manchen Positionen und Abteilungen auf Werte, die weit darunter liegen. Diese werden von den Wissenschaftlern als gesundheitsgefährdend eingestuft.

Lachen und Freude ist eine urmenschliche Eigenschaft und nur dem Menschen möglich, um bestimmte körperliche und psychische Prozesse in Gang zu halten. Zehnminütiges herzhaftes Lachen hat deshalb die gleiche Wirkung wie ein einstündiger Jogginglauf. In vielen europäischen Ländern – wie England, Frankreich, Italien und den Niederlanden – werden Humortrainings und Lachübungen inzwischen auf Krankenschein verordnet, um bei Top-Managern und Politikern dem drohenden psychischen und physischen Kollaps vorzubeugen.

Lachen, Freude und Glück sind Begriffe, die ein positives und zufriedenes Weltbild vermitteln. Menschen, die sich mit einer humorvollen Aura umgeben, werden von anderen immer als positiv eingestellt wahrgenommen. Es ist daher wichtig herauszufinden, was eine humorvolle, dem Leben mit Freude zugewandte Haltung, in einer Welt von Zahlen und strukturierten Abläufen zu suchen hat.

Der boomende Markt von Humortrainings und Personal-Coaching in Unternehmen und Verwaltung, insbesondere für führende Mitarbeiter spricht eine deutliche Sprache: hin zu mehr Menschlichkeit, zum Fördern und Beachten der Mitarbeiterpotentiale. Wollen wir nicht noch mehr Spitzenkräfte ins Ausland verlieren, brauchen wir ein neues Konzept von Führung, wie es in den USA und den nordeuropäischen Ländern - wie Schweden, Niederlande und Finnland - längst entwickelt worden ist.

„Führung ist eine dienende Beziehung zu anderen Menschen, die ihr Wachstum inspiriert und die Welt zu einem besseren Ort macht“,

so Lance Secretan vom weltweit führenden Beratungsinstitut The Secretan Center Inc. Oder noch konsequenter Jeff Broz, der Gründer des Buchonlinedienstes Amazon:

„Unsere Arbeitswelt muss unserer Seele Raum geben. Das Wohlergehen und der Erfolg unseres Unternehmens hängen von der Qualität des Umfeldes ab, in dem wir arbeiten.“

Wenn es Managern gelingt, sich selbst und ihren Mitarbeitern humorvoll zu begegnen, schaffen sie die Möglichkeit, Freude in die Arbeitswelt zurückzuholen. Es wird ein Raum kreiert, in dem sich alle – Führungskräfte und Mitarbeiter – wieder mit Leidenschaft ihren Tätigkeiten zuwenden können, denn Humor und Lachen verbinden uns: mit uns selbst und mit den anderen. Humorvolle Einstellungen machen es möglich, die Spannungen abzubauen, nicht nur auf die Erfolgsbilanzen zu schielen und Raum für kreative und unkonventionelle Lösungen abseits der eingetretenen Pfade anzubieten. Missgeschicke werden toleriert, sogar als Chance begriffen, um zu neuen Ideen oder Ansätzen zu gelangen. Dr. Michael Titze, führender Humor-Therapeut, sagt:

„Wer Humor hat, der ist in seinem Denken und Handeln flexibler. Humorvolle Menschen sind in ihrer Wahrnehmung nicht so eingeengt, wie der rein rationale Typ. Sie paaren das Althergebrachte (Konventionelle, Normative, Vorgeschriebene) mit dem Neuartigen (Ungewöhnlichen, Verblüffenden).“

Humor wirkt befreiend

Humor bewirkt eine Versöhnung mit widrigen Umständen. Ein humorvoller Kommunikationsstil wirkt entkrampfend. Er gibt meinem Gegenüber die Erlaubnis, in Kontakt mit sich selbst und den eigenen Ressourcen zu bleiben, statt in innerer Hab-Acht-Stellung vor den Machtstrukturen zu resignieren. Humor öffnet das Tor zur Weisheit, da es den nötigen Abstand zum Alltagsgeschehen ermöglicht und damit den Blick für die Meta-Ebene öffnet.

Von daher ist es auch verständlich, dass in den Humortests der amerikanischen Industrie nicht getestet wird, ob eine Führungskraft gut Witze erzählen kann oder als Entertainer clowneske Züge zeigt. Denn diese Fähigkeiten berühren nur die kognitive Seite des Humors. Es wird vielmehr überprüft, ob Führungskräfte die Freude aus dem inneren Seelenraum als positiven Weg betrachten können. Und noch viel wichtiger in diesen Gesprächen: Können die neuen Topkräfte den Fehlern mit einer gewissen humorvollen Leichtigkeit begegnen und wie Narren unkonventionelle Lösungen erarbeiten?

Heyoka-Humor-Strategie oder von den Clowns lernen

Ist Humor erlernbar? Diese Frage wird angesichts der Bedeutung von Humor und Lachen immer wichtiger. Inzwischen sind viele Theoretiker und Praktiker der Humorbewegung und Humortherapie der Ansicht, dass die Regeln der Komik und das Körperwissen der Clowns die besten Möglichkeiten bieten, den eigenen Humorstil zu entwickeln.

Die Auseinandersetzung mit der jahrtausende alten Figur des Clowns ermöglicht zunächst ein Eintauchen in die kindlichen Ressourcen, wie es der Psychotherapeut Dr. Michael Titze nennt. In zahlreichen Trainings wird die Figur des Clowns weltweit genutzt, um Menschen von Depressionen zu befreien, wie auch einseitig orientierten Führungskräften, die nur dem Logos zugeneigt sind, wieder mehr Kreativität und Spontaneität zu ermöglichen.

Der Clown ermöglicht ein freudiges Herangehen und fördert den viel gerühmten Perspektivwechsel: Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und danach zu handeln. Zu einer modernen Firmenkultur, die ständig an neuen Entwicklungen und Verbesserungen arbeitet, gehört die Fähigkeit des Wahrnehmungswechsels zum wichtigen Know-how.

In den USA sind zu diesem Zweck sogenannte Veränderungsmanager angestellt, die immer wieder anregen, neue Prozesse bei der Produktentwicklung oder innerhalb der innerbetrieblichen Abläufe anzustoßen. In der Regel haben sie Trainings in humorvoller Strategie durchlaufen.

Die Regeln der Clowns, beispielsweise Übertreibung, Unerwartetes tun (die Erwartungshaltung nicht erfüllen) oder Veränderungen von Alltagssituationen, sind Stilmittel, die in abgeschwächter Form im beruflichen Alltag dazu eingesetzt werden können.

Mit den Augen eines Narren

In Anlehnung an den indianischen Heyoka-Clown, der als Gegenteiler in der indianischen Kultur den zweithöchsten Rang neben dem Häuptling innehatte, ist am Tamala Zentrum – dem internationalem Zentrum für Clown, Humor und Kommunikation in Konstanz die Heyoka-Humor-Strategie entwickelt worden.

Bei dieser Arbeit geht es darum, die eigenen Humorressourcen zu befreien und ein Humor-Bewusstsein zu entwickeln. Spielfreude und kreative Aktionen werden wiederentdeckt und mit den Regeln der Clowns ein humorvoller (Körper-) Ausdruck erlernt. Die komischen Momente des Alltages werden gewürdigt und als Gelegenheit menschlichen Ausdruckes geschätzt. Alltagssituationen können – mit den Augen eines Narren gesehen – als Geschenk des Augenblicks genutzt werden. Manch ein Wahrnehmungswechsel lässt kreative Lösungen entstehen. "Die Welt anders wahrnehmen" ist deshalb eine wichtige Übung im Heyoka-Humor-Training. So kann ich sagen: „Ich habe wenig Zeit!“ oder „Ich habe viel Zeit, die ich nicht nutze!“ Heyoka-Bewusstsein verhilft zu einer humorvollen Haltung, die durch Unerwartetes verblüfft und zum Lachen verhilft.

Dabei ist es nicht angesagt, im beruflichen Alltag den Clown zu spielen, jederzeit Witze zu erzählen oder lächelnd im Büro zu sitzen. Es geht darum, als Führungskraft Humorstrategien zu kennen, um neue Wege in der Kommunikation zu entwickeln.

Die Heyoka-Humor-Strategie bietet eine innere Landkarte, die in einzelnen Etappen den Weg zur humorvollen Intervention beschreibt und erlernbar ist. Die Zeit ist reif zu begreifen, dass Humor ein Teil der Unternehmenskultur ist und zur Ausstrahlung einer charismatischen Persönlichkeit gehört.

Auch wenn wir im europäischen Raum noch nicht so weit sind, den Forderungen von Fritz Maywald (Autor, systemischer Coach und Trainer) nach Einstellung eines „Narren als Berater und Veränderungsmanager“ zu folgen, ist dennoch ein Satz von Charlie Chaplin zu bedenken:

"Er (Humor) regt unseren Sinn für Proportionen an und lehrt uns, dass in der Überbetonung des Ernstes das Absurde lauert."

[Bild: Route66Photography - Fotolia.com]

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Über die Autoren
Jenny Karpawitz

Jenny Karpawitz ist Gründerin und Leiterin des Tamala-Center. Seit 1980 ist sie als Trainerin und Ausbilderin für Clowns, Schauspieler, Therapeuten und Führungskräfte im Bereich Clown- und Persönlichkeitsentwicklung tätig. Sie hat in Deutschland den Beruf Clown wieder salonfähig gemacht und das europäische Patent zur Ausbildung zum Gesundheit!Clown entwickelt.

AnschriftTamala-Center
Jenny Karpawitz
Fritz-Arnold-Str. 23
78467 Konstanz
Telefon07533-3616
E-MailKarpawitz@tamala-center.de
Webwww.tamala-center.de
Udo Berenbrinker

Udo Berenbrinker ist Gründer und Leiter des Tamala-Center. Seit 1980 ist er als Trainer und Ausbilder für Clowns, Schauspieler, Therapeuten und Führungskräfte im Bereich Clown- und Persönlichkeitsentwicklung tätig. Er hat in Deutschland den Beruf Clown wieder salonfähig gemacht und das europäische Patent zur Ausbildung zum Gesundheit!Clown entwickelt.

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