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Kunden-WorkshopsInnovationen gemeinsam entwickeln

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Unternehmen können gemeinsam mit Kunden Innovationen entwickeln. Das Mittel: Kunden-Workshops, die Trends aufspüren. Wer sie abhält, sollte fünf Regeln beherzigen.
erschienen: 13.07.2011
Schlagwörter: Kreativität, Vertrieb

Unternehmen, die über ein funktionierendes Innovationsmanagement verfügen, sind profitabler als ihre weniger innovativen Konkurrenten. Aus diesem Grund werden unternehmenseigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen oft mit hohen Budgets ausgestattet. Doch es zeigt sich, dass hohe Budgetierungen nicht unbedingt zu hoher Innovationskraft führen. Vielmehr brauchen Innovationen einen kreativen Nährboden, um gedeihen zu können. Eine Möglichkeit, einen solch kreativen Nährboden zu schaffen, bieten Kunden-Workshops. Wer sie abhält, sollte sich an folgende fünf Regeln halten, um damit erfolgreich zu sein:

1. Teilnehmer richtig auswählen

Die Auswahl der Gäste ist entscheidend für das Gelingen des Workshops. Wichtig hierbei sind Ergänzungspaare wie beispielsweise Tüftler und Visionäre. Tüftler befassen sich gerne mit Details. Sie wissen, auf welche Kleinigkeiten es bei neuen Ideen ankommt, noch bevor die konkrete Idee ausgereift ist. Visionäre dagegen betrachten die Ideenfindung als das große Ganze. Sie kümmern sich wenig um Details und um Dinge wie die technische Machbarkeit. Weitere sinnvolle Paarungen können sein:

  • Inländische/ausländische Kunden
  • Großunternehmen/Kleinbetriebe
  • Marktkunden/Marktfremde

Das Ziel ist es, Teilnehmer aller Gruppierungen so geschickt zu kombinieren, dass kreative Abwege beschritten werden können.

2. Workshop methodisch planen

Bis Innovationen wirklich marktreif sind, braucht es weit mehr als nur ein kreatives “Get Together”. Von den entwickelten Rohideen bis zu fertigen Innovationen ist eine detaillierte Planung notwendig, deren Bedeutung für den gesamten Verlauf viele Unternehmen unterschätzen. Neben dem Event-Management ist gerade die methodische Planung des Workshops der entscheidende Erfolgsfaktor, denn Kreativität braucht immer einen festen und gelenkten Rahmen mit erprobten Methoden.

Praxistipp
Wer zu offen plant nach dem Motto: “Lassen Sie uns einmal Ideen sammeln”, programmiert den Misserfolg bereits vor. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Beschränkungen Kreativität verhindern – ganz im Gegenteil: sie schärfen den Problemfokus und spornen an!

3. Wirkliche Ideen schaffen

Man stelle sich eine Maschine vor, die innovative Ideen produzieren soll. Die Herausforderung ist, sowohl die Maschine zu konstruieren, als auch zu bestimmen, welcher Inputs es bedarf, damit diese das gewünschte Ergebnis produziert. Leider liefern klassische Kreativmethoden und Innovationstechniken nur bedingt brauchbare Bauteile für eine Innovationsmaschine. Stattdessen braucht es Sonderanfertigungen.

Praxistipp
Kreativtechniken eigenen sich gut, um Lösungen für bestehende Probleme zu finden. Probleme werden vorgegeben und Lösungen gefunden. Ziel des Kunden-Workshops sind aber keine Problemlösungen, sondern Innovationen. Also braucht es Methoden, die Kreativität anstoßen ohne auszuufern (Innovationstechniken), oder aber nur vorhandene Probleme lösen (Kreativtechniken).

Hier drei Beispiele für modifizierte und erprobte Module:

Problemolympiade
Hierfür wird das klassische Brainstorming abgewandelt. Die ursprüngliche Methode wurde konzipiert, um Problemlösungen zu liefern. Ziel dieser Übung ist es aber, „richtig gute Probleme“ zu finden. Richtig gut ist ein Problem dann, wenn es auf dem Markt besteht, den das Unternehmen bedienen kann und es dafür bislang noch keine Lösung gibt. So entstehen echte Innovationen, mit denen sich neue Märkte erschließen lassen. Als Auflockerung treten die Gruppen in einem Wettbewerb gegeneinander an.

Expertencafé
Als Grundlage dient das klassische „Knowledge Café“. Die Funktion des Caféinhabers wird jedoch modifiziert, das heißt er fungiert nicht als neutraler Moderator, sondern als Fachexperte. Er steht Rede und Antwort für Fragen aus dem Unternehmensalltag der Kunden. Daraus entstehen Rohthemen, die auf Tischdecken aus Papier festgehalten werden. Die Gruppen rotieren von Tisch zu Tisch, werden über die Arbeit der Vorgruppe informiert und ergänzen das aktuelle Tischthema mit eigenen Fragen und Impulsen.

Marktplatz der Inspirationen
Der Seminarraum wird zum großen Marktplatz umgebaut. Angelehnt an die Open-Space-Methode demonstrieren die Kunden an Ständen, wie sie die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens nutzen. Die Experten fungieren als Besucher des Marktplatzes, informierten sich an den Ständen und sammeln Inspirationen. Der umgekehrte Austausch feuert damit die Innovationsarbeit weiter an.

4. Ideen nicht mit Innovationen verwechseln

Nach dem Workshop gibt es viele Rohideen, die zu vermarktbaren Innovationen weiterentwickelt werden müssen. Der Kundenworkshop selbst ist dabei ein Schritt eines fünfstufigen Prozessmodells, bestehend aus:

  • Vorbereitungsphase
  • Generierungsphase
  • Beurteilungsphase
  • Umsetzungsphase
  • Stabilisierungsphase

In der Vorbereitungsphase werden die Workshopziele definiert. Sie dienen als Grundlage für die eingesetzten Methoden. Im anschließenden Workshop begegnen sich Kunde und Unternehmen und erarbeiten Ideen und diskutieren Trends (Generierungsphase). Diese hier festgehaltenen Rohideen werden am Folgetag in der Beurteilungsphase sortiert, gefiltert und nach Themen wie Marktrelevanz, Trends oder technischer Umsetzbarkeit priorisiert. Nachdem die Geschäftsführung den aussichtsreichsten Ideen Projektbudgets zugewiesen hat und konkrete Innovationsprojekte auf den Weg gebracht wurden, entstehen nun greifbare Innovationen (Umsetzungsphase). In der abschließend stattfindenden Stabilisierungsphase sorgen Anwendungstests für die Beseitigung letzter Schwierigkeiten, um die Innovationen entweder als Prozess in den Regelbetrieb oder als Produkt in den Verkaufsprozess zu überführen.

5. Die Kunden mitnehmen

Hier gilt es, einen Spagat zu meistern. Einerseits möchte man die Kunden auf dem Laufen halten und weiter in die Prozesse einbinden, denn schließlich wurde Zeit, Energie und Know-how in die Innovationskraft eines anderen Unternehmens gesteckt. Andererseits ist Zurückhaltung geboten, um mögliche Wettbewerbsvorteile, die durch Innovationen entstehen, nicht fahrlässig zu verspielen. Ein offener Newsletter oder Informationen auf Online-Plattformen laden die Konkurrenz geradezu ein. Dennoch ist es wichtig, dass sich die Kunden nach dem Workshop weiterhin als Teil des Projekts fühlen und auch in den Folgejahren als Sparrings-Partner wieder zur Verfügung stehen. Informationen über den Prozessstand, die anstehenden Phasen und Einladungen zu Test-, Review-Veranstaltungen oder Pilot-Implementierungen können eine elegante Lösung sein, die obendrein neugierig macht.

Bei professioneller Umsetzung stößt ein einmaliger Kunden-Workshop die unternehmenseigene Innovationsentwicklung spürbar an. Als fest installiertes Werkzeug des Innovationsmanagements schafft er darüber hinaus Nähe zum Kunden und seinen Bedürfnissen und schärft das Gespür für Trends und Marktentwicklungen, die zeitnah bedient werden können. Ganz nebenbei wächst die Kundenbindung von Mal zu Mal und Kunden schöpfen zusehends Vertrauen, weil sie auf die Entwicklung der Produkte Einfluss haben.

Kunden-Workshops können weit mehr sein als eben nur Workshops. Vielmehr lässt sich damit eine wertschätzende Haltung dem Kunden gegenüber transportieren, die parallel und direkt mit der Umsetzung von Unternehmensbedürfnissen gekoppelt ist. So entsteht eine dauerhafte Win-Win-Situation für Unternehmen und Kunden!

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Über den Autor
Mario Neumann

Mario Neumann ist freiberuflicher Trainer und begleitet als Seminarleiter junge Führungskräfte und Projektleiter in Unternehmen in ihrer persönlichen Entwicklung. Er stellt sein Know-how zu den Themen Projektmanagement, Führungsverhalten, Kooperation und Konfliktbewältigung zur Verfügung, um Orientierung zu geben, Handlungsoptionen aufzuzeigen und zu Entscheidungsalternativen zu gelangen.

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