Interim ManagerDas Risiko der persönlichen Haftung minimieren

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Interim Manager können – je nach rechtlicher Stellung im Unternehmen – für Fehler oder Umsatzverluste haftbar gemacht werden. Sie sollten deshalb Risiken entsprechend absichern.
erschienen: 16.03.2015
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Seit Ende der 1980er Jahre ist der befristete Einsatz externer Führungskräfte hierzulande für viele Unternehmen ein probates Mittel geworden, um unternehmerische Probleme zu lösen. Unternehmen schätzen an den sogenannten Interim Managern vor allem deren kurzfristige Verfügbarkeit und damit die effiziente und schnelle Besetzung einer meist vakanten Führungsposition, um anstehende Projekte zeitnah umsetzen zu können.

Mit der Übernahme eines Mandats als Manager auf Zeit übernimmt der Interim Manager – im Gegensatz zum Unternehmensberater – nicht nur eine wesentlich größere Verantwortung, sondern sieht sich auch einem erheblich höheren Risiko ausgesetzt. Der entscheidende Unterschied betrifft den haftungsrelevanten Aspekt seiner Arbeit. Unter haftungsrelevanten Gesichtspunkten unterscheidet man zwischen dem Interim Manager ohne Organhaftung und dem Interim Manager mit Organhaftung.

StichwortInterim Management

Interim Management bezeichnet die zeitlich befristete Übernahme von Führungsaufgaben in der Linienorganisation eines Unternehmens durch Interim Manager. Anlass ist in der Regel ein konkretes Problem, das gelöst werden soll. 

Interim Manager kommen oft bei Umstrukturierungen oder auch bei der Schließungen und Abwicklung eines Unternehmens zum Einsatz (Krisenmanagement). Sie werden aber auch für Projekte beauftragt, wenn das dafür vorhandene Personal nicht ausreicht. 

Interim Manager ohne Organhaftung

Als Abteilungs- oder Projektleiter beispielsweise übernimmt der Interim Manager für das beauftragende Unternehmen zwar zeitlich befristet Führungsaufgaben, trifft aber keine Entscheidungen als Organ des Unternehmens wie zum Beispiel ein Geschäftsführer oder Vorstand. In diesem Fall ergibt sich die Haftung des Interim Managers allgemein aus dem Schuldrecht und aus den vereinbarten Leistungen im Beratervertrag auf der Basis eines Dienst- oder Werkvertrags.

Aufgrund des geschlossenen Beratervertrages haftet er dann beispielsweise nach § 280 Abs. 1 BGB für Schadensersatzansprüche sowie nach den §§ 823 ff. BGB für deliktische Ansprüche wie Personenschäden oder verursachte Sachschäden am Eigentum des Unternehmens. Durch eine Berufshaftpflichtversicherung mit integrierter Vermögensschadenhaftpflicht- und einer Betriebshaftpflichtversicherung lassen sich diese Risiken abdecken.

Interim Manager mit Organhaftung

Übernimmt der Interim Manager die Führungsverantwortung als Geschäftsführer oder Vorstand, gehört er damit auch den Organen des Unternehmens – zumindest übergangsweise – an, wodurch zusätzliche Haftungspotenziale entstehen. Für Schadensersatzansprüche, die zum Beispiel aus Pflichtverletzungen seiner Tätigkeit als Mitglied des Managements resultieren, haftet der Interim Manager in diesem Fall zusätzlich etwa nach den Vorschriften des Aktiengesetzes (§ 93 Abs. 2 AktG) und des GmbH-Gesetzes (§ 43 Abs. 2 GmbHG) auch gesellschaftsrechtlich (Organhaftung).

Da das Management „gesamtschuldnerisch“ haftet, spielen nicht nur „eigene“ Pflichtverletzungen eine Rolle, sofern sich der einzelne Interim Manager nicht entschulden, also das angenommene Verschulden widerlegen kann. Für den Interim Manager mit Organfunktion greifen somit auch die Regelungen des AktG und des GmbHG.

Versicherungsschutz für organschaftliche Tätigkeit

Das aus der Organhaftung resultierende Haftungsrisiko ist nicht durch eine „normale“ Berufs- beziehungsweise Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abgedeckt. Übernimmt der Manager auf Zeit auch Führungsverantwortung als Organ, sollte die Berufshaftpflichtversicherung um eine Directors & Officers (D&O) Versicherung, auch Manager-Haftpflichtversicherung oder Organ-Haftpflichtversicherung genannt, erweitert werden.

Bei einer D&O-Versicherung haftet der Versicherer für den Fall, dass der organschaftlich tätige Interim Manager wegen einer bei Ausübung seiner Tätigkeit begangenen Pflichtverletzung aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen wegen eines Vermögensschadens auf Schadensersatz in Anspruch genommen wird.

Haftungsfreistellung oder Haftungsbegrenzung vereinbaren

Generell lässt sich festhalten: Als selbständiger Unternehmer haftet der Interim Manager für im Zuge der Leistungserfüllung entstehende Schäden. Daher ist es selbstverständlich, dass sich jeder Manager auf Zeit entsprechend selbst versichern muss. Die Rate für die Versicherung kann er gegebenenfalls auf das Honorar umlegen. Zwar kann die Haftung nicht komplett ausgeschlossen werden, aber das Haftungsrisiko lässt sich minimieren.

Dazu gehört in erster Linie, dass vertraglich eine Haftungsfreistellung oder -begrenzung vereinbart wird. Darüber hinaus sollte im Vertrag eine eindeutige Beschreibung der Aufgabenfunktion, die auch eine Handlungsvollmacht beinhaltet, aufgenommen werden. Zusammen mit der Vorlage entsprechender Versicherungen bei Vertragsabschluss sichern sich der Interim Manager, aber auch das Unternehmen ab. So können beide Parteien eventuellen Rechtsstreitigkeiten von vornherein aus dem Wege gehen.

Compliance beachten und einführen

Darüber hinaus sollten Interim Manager bei Übernahme eines Vorstands- beziehungsweise Geschäftsführerpostens das Thema Compliance erörtern – und für den Fall, dass das Unternehmen über keine Compliance-Organisation verfügt, für Abhilfe sorgen. Bei Rechtsverstößen im Unternehmen besteht sonst die Gefahr einer Haftung auf Schadensersatz unter dem Gesichtspunkt des Organisationsverschuldens. Dann entfällt die Möglichkeit darzulegen und im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung auch zu beweisen, dass das eigene Verhalten pflichtgemäß war und kein Verschulden vorliegt.

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Über den Autor
Marcus Reinhard

Marcus Reinhard hat sich neben den klassischen Tätigkeiten eines Headhunters als Berater auf Interim Management und (Out-)Placement spezialisiert. Darüber hinaus verfügt er über langjährige Erfahrung als HR-Manager in den Bereichen Online-Recruiting, Executive Research und Organisationsentwicklung. Seine Branchenschwerpunkte sind die Automobil- und IT-Branche.

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