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IT-Architekturen planen und ausgestalten

IT-Verantwortliche müssen Entscheidungen treffen, die weit in die Zukunft reichen. Was sind die passenden IT-Architekturen? Welche IT-Projekte sollen gestartet werden? Doch nicht jeder fühlt sich bei seinen strategischen Überlegungen wohl in seiner Haut.
erschienen: 23.11.2009

IT-Architekturen können in der Regel nicht „auf der grünen Wiese“ geplant werden. Die Realität beherrschen gewachsene Systeme mit unterschiedlichen Lebenszyklen die IT-Landschaft von Organisationen. So ist ein komplexes Geflecht von Beziehungen und Abhängigkeiten entstanden. Dieses Geflecht muss handhabbar, skalierbar, steuerbar und stringent gestaltet sein und entsprechende Mechanismen zur Verfügung stellen, um die Anforderungen aus der Unternehmensstrategie erfüllen zu können.

Im Rahmen des IT-Architekturmanagement sind Entscheidungen darüber zu treffen, wie eine standardisierte Entwicklung, Integration, Installation und Wartung (Modifikation) von IT-Systemen (IT-Architekturen) aufgrund von IT-Strategien erfolgen kann.

Wichtig ist es festzuhalten, in welchen Prozessen IT-Architekten mit welcher Unterstützung an die Arbeit gehen können. Dazu gehören folgende Aufgabenbereiche:

  • Methodische Planung der Unternehmensarchitektur, eingebettet in den strategischen IT-Planungsprozess;
  • Konzeption und Entwicklung der Facharchitektur;
  • Entwurf eines Bebauungsplans der Anwendungslandschaft;
  • Effiziente und bedarfsgerechte Entwicklung der IT-Infrastruktur;
  • Risikomanagement für Technologie-intensive Projekte, präventive Planung und Review von Softwarearchitekturen.

Hinweis

Die Umsetzung der Konzepte des Architekturmanagements verändert in vielen Organisationen die Art und Weise, wie die Planung, Entwicklung und Einführung von Informationssystemen in der IT eines Unternehmens durchgeführt wird. So müssen Rollen und Abläufe verändert werden, um die Architekturen erfolgreich planen und einführen zu können.

Den Zusammenhang der Aktivitäten bei der IT-Bebauungsplanung verdeutlicht die folgende Abbildung:

Organisation des IT-Architekturmanagements

Ohne strukturelle und personelle Voraussetzungen ist Architekturmanagement nicht erfolgreich zu verankern. Selbstverständlich betrifft Architekturarbeit jeden Mitarbeiter der IT, insbesondere wenn sie als Kernkompetenz verankert ist. Vielfach sind aber auch eigenständige Teams zu installieren und Mitarbeiter zu entwickeln, die als qualifizierte „Prozess-Owner“ das Architekturmanagement ausüben. Die einzelnen, durchaus detaillierten Versatzstücke bedürfen der Zusammenführung in einer Gesamtarchitektur, was eben nur über einen querschnittlichen Steuerungsprozess zu leisten ist.

Darüber hinaus sind Teambildungen sinnvoll. Typische IT-Architekturteams bestehen aus verschiedenen IT-Mitarbeitern (etwa Produktverantwortlichen) und werden von ein oder zwei Chefarchitekten geleitet:

  • Originäre Aufgaben des Architekturteams sind die Erarbeitung und Abstimmung der „Strategischen Anforderungen“ sowie der „Konzeptuellen Architektur“.
  • Das Architekturteam ist die treibende Kraft des gesamten Prozesses und soll die Wahrnehmung übergeordneter Interessen bei allen technologischen Entscheidungen sicherstellen.

Nutzen eines professionellen IT-Architekturmanagements

Welche Erwartungen werden an ein professionelles IT-Architekturmanagement gestellt? Der Nutzen, den ein gezieltes und umfassendes IT-Architekturmanagement für die Praxis bietet, ist vielfältig. Im Wesentlichen seien folgende Vorteile herausgestellt:

Kosteneinsparung durch Vereinheitlichung der technischen IT-Infrastruktur: Die Vereinheitlichung bewirkt Effizienzsteigerungen und Kostenreduktionen; beispielsweise durch die Verringerung von Entwicklungs- und Betriebskosten, Lizenzkosteneinsparungen oder Verringerung des vorzuhaltenden Know-hows.

Ressourcen- und Kostensenkungen durch Standardisierung und Integration von Softwarelösungen: Aus der üblicherweise vorhandenen Unmenge verschiedener nicht aufeinander abgestimmter Softwareprodukte und Plattformen müssen die qualitativ und aus Kostengesichtspunkten geeignetsten Lösungen identifiziert und als Standard positioniert werden. Dabei werden neben der reinen Infrastrukturkonsolidierung auch Softwareplattformen und eigenentwickelte Architekturlösungen in die Beurteilung mit einbezogen.

Wertvolle Entscheidungshilfen im Rahmen von IT-Projekten: Kosten und Nutzen von geplanten Vorhaben unter Berücksichtigung aller Auswirkungen auf die bestehende IT-Landschaft sind eines der wichtigsten Kriterien für Projektentscheidungen. Klare und direkt nutzbare Vorgaben helfen den Projekten, die aus Gesamt-IT-Sicht richtigen Architekturentscheidungen zu treffen, und verbessern die Wiederverwendung von im Unternehmen vorhandenen Lösungen und Know-how. Kosteneinsparungen von 5 bis 15 Prozent im Bereich Anwendungswartung und –betrieb sind durch geeignete Optimierungsmaßnahmen erzielbar.

Kosteninformationen als Entscheidungsgrundlage für das IT-Management: Aufschlüsselung der IT-Kosten auf die verschiedenen Anwendungen und Infrastrukturbereiche ist ein wichtiger Bestandteil des Architekturmanagements. Kosten müssen verursachungsgerecht zugerechnet werden, Budgetplanung und auch Controlling sind an den IT-Strukturen auszurichten. Durch die Transparenz der Anwendungsarchitektur und der verursachten Kosten lässt sich die Auswirkung von Veränderungen bereits in der Planungsphase analysieren und die Auswirkungen besser und vollständiger beurteilen. Die nachvollziehbare Zusammensetzung der IT-Kosten sowie die Illustration der Auswirkungen von Vorhaben erleichtern signifikant die Kommunikation mit den Fachbereichen.

Hinweis

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[Bild: Niceshot - Fotolia.com]

Über den Autor
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

Ernst Tiemeyer ist bekannt durch zahlreiche Buchveröffentlichungen und seit mehr als 20 Jahren in leitenden Projektfunktionen sowie als IT-Consultant und im Managementtraining tätig. Seine Schwerpunkte sind IT-Strategieentwicklung, IT-Architekturmanagement, IT-Projektmanagement, IT-Controlling, IT-Servicemanagement sowie prozessorientierten IT-Anwendungen (GPO, GPM, E-Business-Lösungen).

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