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KapitalbeschaffungAnhaltende Schwierigkeiten bei der Unternehmensfinanzierung

Unternehmen hatten auch 2009 Probleme bei der Finanzierung. Eine flächendeckende Kreditklemme besteht bislang jedoch nicht.
erschienen: 04.06.2010

Nach dem massiven Einbruch der Investitionen im Jahr 2009 planen viele Unternehmen jetzt wieder eine Ausweitung ihrer Investitionen. Der damit verbundene Kapitalbedarf lässt die Nachfrage nach Krediten steigen. Viele Kreditinstitute könnten sich jedoch vor dem Hintergrund ihrer schwachen Eigenkapitalausstattung aufgrund der deutlichen Ratingverschlechterungen sowie der gestiegenen Ausfallrisiken auf der Unternehmensseite bei der Kreditvergabe verstärkt zurückhalten. Die ohnehin schwierige Finanzierungssituation der Unternehmen würde sich dadurch weiter verschärfen. Dies könnte die Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung belasten.

Die Unternehmensbefragung 2010 zeigt, dass sich die Finanzierungssituation der Unternehmen im vergangenen Jahr nochmals erheblich verschlechtert hat. So berichten 42 Prozent der Unternehmen von Erschwernissen bei der Kreditaufnahme; im Jahr zuvor waren es noch 35 Prozent. Während große, exportorientierte Unternehmen bereits seit Beginn der Krise über Probleme klagen, berichten in der aktuellen Befragung auch Unternehmen aller anderen Größenklassen, aber insbesondere sehr kleine Unternehmen von deutlich erschwerten Bedingungen bei der Kreditaufnahme. Sie sowie die großen Unternehmen mussten im vergangenen Jahr besonders häufig eine Verschlechterung ihrer Ratingnote hinnehmen.

Höhere Anforderungen der Kreditinstitute an die Dokumentation von Vorhaben, die Offenlegung von Informationen sowie die Stellung von Sicherheiten sind laut Unternehmensbefragung 2010 mehr noch als im Jahr zuvor die wesentlichen Erschwernisse bei der Kreditaufnahme. Besonders stark trifft es die sehr kleinen Unternehmen: Sie klagen häufiger als andere über Schwierigkeiten, überhaupt einen Kredit zu erhalten. KfW-Chefvolkswirt Norbert Irschsagt:

"Über alle Unternehmenssegmente, jedoch besonders stark bei sehr kleinen Unternehmen sowie Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes beobachten wir, dass der Anteil derjenigen, die eine Verschlechterung der Eigenkapitalquote konstatieren, zugenommen hat. Dies weist darauf hin, dass sich die Eigenkapitalprobleme von Firmen verschärft haben. Gerade diesen, durch die Krise geschwächten Unternehmen, drohen in der Nachrezessionsphase erhebliche Finanzierungsengpässe. Daher ist es wichtig, die Kreditversorgung der Wirtschaft auch in einer Erholungsphase zu sichern. Die Stärkung der Eigenkapitalbasis von Unternehmen sowie eine ausreichende Kapitalisierung des Bankensektors sind hierbei wichtige Voraussetzungen."

Priorität hätten die stärkere Förderung des Eigenkapitalaufbaus und die Verschiebung verschärfter Anforderungen an die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung der Banken.

"Die Umfrageergebnisse beschreiben eine höchst fragile Unternehmensfinanzierung, die droht, selbst bei kleineren neuen externen Schocks zusammenzubrechen",

sagt Handelsverbandschef Stefan Genth. Im Vergleich zum Vorjahr hinterlasse die Krise nun auch deutliche Spuren in der Binnenwirtschaft, bei Einzelhändlern und Dienstleistern. Die Kreditklemme sei nur temporär abgewendet. Genth sagt:

"Die Umfrage zeigt deutlich, dass große Teile der Wirtschaft in den Startlöchern stehen, um zu investieren. Doch angesichts der deutlich schlechteren Eigenkapitalsituation bei den Unternehmen und den erheblichen Belastungen für die Kreditinstitute in den kommenden Monaten droht weiter eine Angebotslücke bei der Unternehmensfinanzierung. Die Reserven bei den Unternehmen sind aber ausgereizt. Die konjunkturelle Erholung käme zum Erliegen."

Zur Studie

Die Unternehmensbefragung 2010 hat die KfW zum neunten Mal zusammen mit 26 führenden Wirtschaftsverbänden durchgeführt. Rund 4.600 Unternehmen haben an der im 1. Quartal 2010 durchgeführten Befragung teilgenommen.

[Quelle: KfW; Bild: Fotolia.com]

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