KarriereWarum sich die Generation Y am Arbeitsmarkt schwer tut

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Sie wollen den besten Job der Welt und haben hohe Ansprüche. Doch das Kreisen um sich selbst ist für viele Absolventen ein Problem bei der Suche nach Arbeit. Ein Essay von Alexandra Hildebrandt.
erschienen: 23.12.2014
Schlagwörter: Karriere
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Immer mehr junge Menschen fragen im Bewerbungsgespräch, wie es um die Nachhaltigkeit im Unternehmen bestellt ist. Doch genau hier zeigt sich das Dilemma: Die Nachfrage in den Bereichen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) ist höher als das Angebot. Außerdem werden Jobanwärter für CSR-Stellen in der unternehmerischen Realität oft enttäuscht. Kürzlich schrieb mir ein Bachelor-Absolvent, der seine berufliche Zukunft im Bereich CSR sieht, ernüchternd:

„Schnell werden inhaltlich schwache Argumente wie keine Zeit, kein Interesse, zu wenig Ressourcen oder die Einstellung, dass man selbst ohnehin nicht viel ändern könne, gefunden. Zudem wird oft recht respektloses Verhalten an den Tag gelegt, das uns junge, unbefangene Menschen abweist und in die Frustration und Resignation treibt. Ich wünschte mir, dass in unserer Gesellschaft authentische, ambitionierte, ehrliche und integre Menschen viel stärker beachtet und gefördert werden.“

Gib mir den besten Job der Welt!

Er ist frustriert, weil das Wünschbare nicht greifbar ist. Aus seiner Sicht ist das verständlich. Doch Personalberater warnen: Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern auch ein Dazwischen. Dies passt oft nicht mit der Einstellung der Generation Y zusammen, die sich ungefähr so zusammenfassen lässt: Ich will den besten Job der Welt, so wie er mir gefällt. Der SVI-Stiftungslehrstuhl für Marketing der HHL Leipzig Graduate School of Management, der in Kooperation mit der Non-Profit-Organisation Enactus die Studie „Das Arbeitgeberverhalten der Generation Y“ erstellte, spricht in diesem Zusammenhang von der „Sinnsucher-Generation Y“. Diese Generation setzt ein gutes Gehalt und Arbeitsplatzsicherheit als selbstverständlich voraus, wünscht sich eine selbstbestimmte Arbeitsweise und zieht anlassbezogenes, spontanes Feedback dem institutionalisierten Mitarbeitergespräch vor.

Dieser eingeforderte Arbeitsstil dürfte Führungskräften in Unternehmen einiges abverlangen. Ihren Anspruch, den perfekten Job einfordern zu können, leiten diese jungen Menschen häufig aus der Fähigkeit und dem Selbstverständnis ab, ein besonders reflektiertes Lebens- und Gesellschaftsverständnis zu haben. Zwar werden Werte und Bescheidenheit als neue Maxime hochgehalten, doch, so scheint es, ist der Grund dafür nur noch die eigene Selbstverwirklichung. Dieses Kreisen um sich selbst ist eine vermeintliche Schwachstelle der Generation Y. Es gibt selten einen Link auf die Gemeinschaft. Der noch fehlende Resonanzboden gelebter Lebenszyklen taugt nur schwer als Humus für Lebensweisheiten.

Viele Mitzwanziger scheitern an der persönlichen Eignung

Den von mehreren Generationen hart und entbehrungsvoll erarbeitete gesellschaftliche Basiswohlstand integriert die Generation Y nicht in die eigene Reflexion, er wird einfach vorausgesetzt. Auch ihr Anspruchsdenken basiert in den wenigsten Fällen auf eigener Lebenserfahrung und Lebenserkenntnis. Zwar analysiert und reproduziert sie dank neuer Medien Millionen Fakten, aber zu häufig scheitert sie an relevanten Zusammenhängen.

Wie auch Personalberater berichten, fehlt es häufig an der fachlichen und vor allem persönlichen Basis. Lehrjahre kommen in vielen Lebensentwürfen nicht vor. Die daraus mangelnde Lebenserfahrung ist der Grund, warum immer mehr Mitzwanziger in Personal- und Einstellungsgesprächen an der persönlichen Eignung scheitern. Eine „Grundhärte“, auch mal Konflikte durchzustehen oder Dinge zu verrücken, lässt sich durch und von anderen erfahren und erlernen. Bei YouTube hochladen lassen sich diese Tugenden indes nicht!

Es braucht Lehrjahre inneren Wachstums

Wir müssen die Frage beantworten, welche Qualitäten in einer Gesellschaft heute und in Zukunft gefördert und gefordert werden. Wenn die Ausbildung – um im internationalen Vergleich mithalten zu können – „quick and dirty“ mit 22 Jahren abgeschlossen werden muss, um dann sofort als berufliches Rädchen im Konzern funktionieren zu können, stellt sich die Frage, wo die Lebenserfahrung herkommen soll.

Es braucht vor allem Lehrjahre des inneren Wachstums, Zeit und Ruhe für eine persönliche Entwicklung. Wenn man sich Lebenserfahrung, Selbsterkenntnis, und Selbstbewusstsein aneignet und auch Selbstzweifel erfährt, kann man sich auch selbst verwirklichen. Ansonsten handelt man lediglich auf Basis von Selbstbezogenheit, die weder einem selbst, noch der Gesellschaft dient. Ganz gleich, ob die Generation dann X, Y oder Z heißt.

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Über die Autorin
Dr. Alexandra Hildebrandt

Alexandra Hildebrandt ist Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin. Sie hat sich auf die Positionierung nachhaltiger Unternehmen und Organisationen, ihrer Leistungen, Produkte und ihrer Kommunikation spezialisiert. Hildebrandt ist Sachbuchautorin, Hochschuldozentin sowie Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative "Gesichter der Nachhaltigkeit".

AnschriftDr. Alexandra Hildebrandt
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