Kick-off-MeetingSo motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

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Mit einer bildhaften Sprache und durch regelmäßige Wiederholungen wichtiger Botschaften motivieren Führungskräfte ihre Mitarbeiter. Ein Schlüssel für erfolgreiche Kick-off-Meetings.
erschienen: 05.01.2015
Schlagwörter: Motivieren, Meeting, Moderieren
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Auf Kick-off-Meetings wollen Führungskräfte ihre Mitarbeiter auf neue Aufgaben einstimmen und sie motivieren. Doch oftmals flüchten sie dabei in wohlklingende, aber wenig aussagefähige Äußerungen. Einer der Gründe dafür: Das Gesagte muss juristisch wasserfest sein. Viele Führungskräfte sind deshalb unsicher, wenn sie ihre Mitarbeiter ansprechen. Sie verwenden dann wolkige Aussagen, die einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Das motivierende Potenzial einer Rede oder Präsentation geht so verloren.

Vertrauen schaffen durch Glaubwürdigkeit

Viele Ansprachen auf Kick-off-Meetings kommen etwa so daher: „In diesem Jahr werden wir unsere Effizienztreiber ganzheitlich steigern“. Wer sich hinter solchen Aussagen versteckt, muss wohl etwas zu verbergen haben, denken die Mitarbeiter dann. Verstärkend wirken können außerdem öffentlich gewordenen Skandale von Verantwortlichen in der Wirtschaft oder schlechte Erfahrungen, die Mitarbeiter im Unternehmen persönlich gesammelt haben. Führungskräfte sollten deshalb mit einer kritisch-distanzierten, verunsicherten oder vielleicht sogar verärgerten Haltung ihrer Mitarbeiter rechnen.

Vertrauen indes entsteht da, wo Führungskräfte ihren Standpunkt zu erkennen geben und sich auch dazu bekennen; wo sie Fragen beantworten und zu möglichen Fehlern stehen. Vertrauen braucht Glaubwürdigkeit.

Bildhaftes Gedächtnis der Mitarbeiter ansprechen

Stützen sich Führungskräfte auf Zahlen, Daten und Fakten, lösen sie keinen Motivationsschub bei ihren Mitarbeitern aus. Für eine Verhaltensänderung muss – so sagt die Gehirnforschung – das bildhafte oder episodische Gedächtnis der Mitarbeiter angesprochen werden. Das Faktengedächtnis hingegen leistet in Sachen Motivation nichts.

Ein Beispiel: Fußball lässt sich als Ballspiel beschreiben, bei dem zwei Mannschaften mit je elf Spielern zwei Mal 45 Minuten gegeneinander antreten und versuchen, möglichst viele Treffer ins gegnerische Tor zu schießen und Treffer ins eigene Tor zu vermeiden. Das ist sachlich richtig, aber kaum jemand würde aufgrund einer solchen Erklärung beim nächsten Spiel in ein Fußballstadion gehen. Ein Fußballfan würde die Sportart anders präsentieren: Er würde von den Erinnerungen, Bildern und von der Atmosphäre im Stadion berichten. Er würde vom Nervenkitzel schwärmen und von der Spannung im Spiel, von der Begeisterung, wenn die eigene Mannschaft gewinnt, und der Trauer, wenn sie verliert.

Mit Worten positiv bewertete Bilder erzeugen

Führungskräfte, die bei Kick-off-Meetings positive Erfahrungen und Erlebnisse ihrer Mitarbeiter ansprechen und emotional bewertete Bilder in deren Köpfen aktivieren, können die Mitarbeiter auch zu einem gewünschten Verhalten bewegen. Im Umkehrschluss ist die Wirkung einer rein faktenorientierten Sprache also deshalb so gering, weil das Gesagte nichts oder fast nichts mit dem Zuhörer zu tun hat.

Mit einer bildhaften Sprachbotschaft hingegen werden positive innere Bilder reaktiviert oder neu geschaffen. Will eine Führungskraft mit ihrer Sprache etwas bewirken, muss sie mit ihren Worten Bilder erzeugen, die im Gehirn der Mitarbeiter gespeichert und positiv bewertet sind.

Botschaften ständig wiederholen

Doch das bildhafte Gedächtnis im Gehirn ist nicht besonders groß und der Zerfall der Bilder schreitet schnell voran. Dies belegt auch ein Experiment von Ernst Pöppel, Vorstandsmitglied des Humanwissenschaftlichen Zentrums (HWZ) an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Darin wurden die Probanden aufgefordert, die Erinnerungsbilder ihres Lebens aufzuschreiben. Sie konnten jeweils nur wenige Hundert Bilder benennen. Zusätzlich erwies sich der Zerfall der Bilder als sehr groß. Befragt nach Bildern vom Vortag, war die Summe in etwa so groß wie die der gesamten Vorwoche. Die Summe der Bilder aus der Vorwoche war so groß wie die Summe der Bilder des Vormonats. Die Konsequenz für Führungskräfte: Wollen sie eine dauerhafte Veränderung erzielen, müssen sie ihre Botschaft ständig wiederholen.

Redewendungen und Metaphern verwenden

Die Verarbeitung der Sprache im Gehirn ist ein interaktiver Prozess, wobei verschiedene Gehirnareale aktiv sind. In der sprachdominanten linken Gehirnhälfte liegt ein Schwerpunkt. Will eine Führungskraft die Wirkung ihrer Sprache erhöhen, sollte sie auch die rechte Gehirnhälfte ansprechen. Damit wird das Gehirn mehr gefordert und das aktivierte neuronale Netzwerk ist größer. Dies hat zur Folge, dass das Gehörte besser gespeichert wird und länger im Gedächtnis bleibt.

Führungskräfte sollten deshalb mit Metaphern und Redewendungen arbeiten. Studien haben den Effekt auf die rechte Gehirnhälfte belegt. Beispielhaft sei eine Arbeit von Sprachpsychologen um die Forscherin Constanza Papagno von der Università degli Studi di Milano-Bicocca angeführt. Die Studie konnte belegen, dass sowohl sprachgestörte Personen – also Personen mit einer Schädigung in der linken Gehirnhälfte – als auch Personen mit Schäden in der rechten Gehirnhälfte, die an der Verarbeitung von visuell-räumlichen Informationen beteiligt ist, große Schwierigkeiten mit dem Verstehen von bildhaften Redewendungen hatten.

Solche Befunde weisen darauf hin, dass es für das Gehirn eine besondere Herausforderung darstellt, zwischen wörtlich gemeinten und im übertragenen Sinne gebrauchten Formulierungen zu unterscheiden. Genau diese Herausforderung jedoch fördert die Gehirnaktivität und erhöht den Wirkungsgrad der Sprache.

Fazit

Wollen Führungskräfte über ein Kick-off-Meeting eine dauerhafte Veränderung bei ihren Mitarbeitern erzielen, müssen sie mit ihrer Sprache innere Bilder erzeugen. Diese sollten sie zudem mit positiven Emotionen verknüpfen, damit sie im bildhaften Gedächtnis abgelegt werden können.

Um den Zerfall der Bilder zu verhindern, sollten Führungskräfte außerdem ihre Bilder und Themen immer wieder und in regelmäßigen Abständen kommunizieren, damit sie reaktiviert werden und nicht in Vergessenheit geraten. Inhalte sollten möglichst einfach und klar nachvollziehbar sein, damit das Gehirn sie gut und schnell verarbeiten kann. Bilder und Metaphern helfen dabei, das Gesagte stärker im Gehirn zu verankern.

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Über den Autor
Torsten Seelbach

Torsten Seelbach ist Leiter der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement.

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