KniggeUmgangsformen beim Geschäftsessen mit dem Chef

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Empfehlungen, um beim Essen mit dem Chef einen positiven Eindruck zu hinterlassen.
erschienen: 09.03.2017
Schlagwörter: Karriere
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Sie haben ein Projekt erfolgreich beendet oder sind befördert worden? Nun möchte Sie Ihr Chef zu einem geschäftlichen Essen ins Restaurant einladen. Um dabei einen guten Eindruck zu hinterlassen, sollten Sie die folgenden Verhaltensregeln beachten.

Zuerst den Gastgeber begrüßen

Dass Sie als Gast pünktlich am verabredeten Ort sind, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Grüßen Sie Ihren Gastgeber und warten Sie, bis er Ihnen seine Hand zur Begrüßung reicht. Bedanken Sie sich bei der Begrüßung schon einmal für die Einladung. Danach begrüßen Sie die anderen Gäste. Im Geschäftsleben geht das Grüßen und Begrüßen immer nach der Hierarchie und nicht, wie im Privaten, nach Geschlecht und Alter.

Auf Platzzuweisung warten

Warten Sie einen kurzen Moment ab, ob Ihr Gastgeber Ihnen einen bestimmten Platz anbietet. Ist das nicht der Fall, wählen Sie nach Möglichkeit den Platz ihm gegenüber. So haben Sie beide mit Blickkontakt ideale Bedingungen, um sich zu unterhalten.

Auf Signale zur Essenswahl achten

Möglicherweise gibt Ihnen Ihr (zukünftiger) Chef Empfehlungen zu bestimmten Gerichten. Dabei handelt es sich um verdeckte Hinweise, in welcher Preiskategorie Sie sich entscheiden sollten.

Eine Vorspeise bestellen Sie am besten nur, wenn Ihr Gastgeber Sie nach Ihrer Wahl hierzu fragt. Bestellen Sie auf jeden Fall nur Speisen, die Sie „unfallfrei“ essen können. Experimente mit „schwierig“ zu essenden Speisen verlegen Sie besser auf private Gelegenheiten.

Das Signal „Guten Appetit“ gehört mehr in den familiären Bereich und sollte während eines Geschäftsessens nicht betont werden. Wünscht Ihnen Ihr Chef allerdings einen „Guten Appetit“, wäre es unhöflich dies nicht zu erwidern.

Bei alkoholischen Getränken mit dem Anstoßen warten

Haben alle Gäste Wasser bekommen, dürfen Sie ohne Aufforderung trinken. Anders verhält es sich bei alkoholischen Getränken, wie zum Beispiel beim Wein. Hier warten Sie, bis der Gastgeber sein Glas erhebt, in die Runde schaut und durch ein Nicken das Signal zum Trinken gibt.

In kleinen Gruppen, bis zu zirka sechs Personen, können Sie durchaus anstoßen. So ist gewährleistet, dass man ohne Probleme mit jedem Gast am Tisch anstoßen kann, ohne sich zu erheben oder ein großes Durcheinander am Tisch zu verursachen. Ob man anstößt oder sich zunickt, entscheidet auch hier der Gastgeber durch sein Verhalten.

Achten Sie darauf, dass Sie ein Glas mit Stiel auch am Stiel anfassen. Sonst würde das Getränk schnell durch die Handwärme erwärmt. Außerdem hinterlässt man unschöne Fingerabrücke auf dem Glas.

Innenseite der Serviette benutzen

Die Serviette gehört vom ersten bis zum letzten Gang auf den Schoß. Diese meistens kunstvoll gefalteten Gebilde ziehen Sie auseinander und falten Sie zur Hälfte. Mit der geschlossenen Kante wird sie in Richtung Knie auf die Oberschenkel gelegt, sodass die offene Seite zu Ihnen zeigt. Benutzen Sie die Innenseite der Serviette, denn so sind die Flecken von oben nicht zu sehen und die Oberfläche bleibt sauber.

Serviette nicht auf dem Teller ablegen

Möchten Sie Ihren Platz zwischendurch verlassen, legen Sie die Serviette locker zusammen und platzieren Sie sie auf dem Tisch links des Tellers. Dort liegt sie auch nach dem letzten Gang, damit der Service sie leicht entfernen kann. Auf gar keinen Fall werden Servietten auf dem Teller abgelegt.

Bei jedem Gang ein neues Besteck benutzen

Das maximale Besteck auf dem Tisch besteht aus drei Gabeln links des Tellers und drei Messern. Eventuell noch einem Löffel rechts des Tellers. Essen Sie darüber hinaus mehr Gänge, wird das entsprechende Besteck vom Service nachgelegt. Oberhalb des Tellers befindet sich das Dessertbesteck, das vor dem Servieren des Desserts vom Service „heruntergezogen“ wird.

Die Handhabung des Bestecks ist im Grunde einfach, denn Sie benutzen bei jedem Gang ein neues Besteck in der Reihenfolge von außen nach innen. Bei einem Amuse geule (Gruß des Hauses) oder einem Zwischengericht liegt entsprechendes Besteck auf dem Teller, auf dem die Speise serviert wird.

Während des Essens Besteck gekreuzt auf dem Teller ablegen

Möchten Sie das Besteck während des Essens ablegen, dann bitte immer gekreuzt auf dem Teller. Würden Sie das Besteck schräg am Teller ablegen, besteht die Gefahr, dass es abrutscht und die Tischdecke zum Beispiel mit Soßenresten beschmutzt.

Platzieren Sie das Besteck in dieser „20-nach-7-Position“, weiß der Service, dass Sie gleich weiter essen möchten. Liegen Messer und Gabel parallel auf der „20-nach-4-Position“, so bedeutet dies, dass Sie das Essen beendet haben.

Nur bei speziellen Speisen mit den Fingern essen

Ob Sie am Tisch eine Speise mit Fingern essen dürfen, erkennen Sie daran, ob Reinigungsmöglichkeiten wie eine Fingerbowl oder feuchte Tücher und Zitrone bereitgestellt sind. Entsprechend werden Scampi und ähnliche Speisen nur mit den Fingern gegessen, wenn eben diese Reinigungsmöglichkeiten auf dem Tisch stehen. Sonst werden alle Speisen mit Messer und Gabel oder einem Spezialbesteck, zum Beispiel einem Schnecken- oder Hummerbesteck, gegessen. Mit den Fingern isst man Artischocken, Muscheln, Austern, Spareribs, Canapés oder kleine Speisen (Fingerfood), die auf einem Tablett serviert werden.

Löffel beim Suppeessen nicht ganz voll machen

Die Suppentasse besteht aus Ober- und Untertasse und wird meistens für klare Suppen gereicht. Die Obertasse bleibt während des Essen auf der Untertasse stehen.

Machen Sie den Löffel nicht ganz voll, dann tropft es nicht und die Kleckergefahr ist gering. Nach dem Auslöffeln der Suppe legen Sie den Löffel schräg hinter der Tasse auf der Untertasse ab.

Suppenteller für den Rest Suppe leicht kippen

Ein Suppenteller, der meistens für gebundene Suppen benutzt wird, darf für den letzten Rest leicht gekippt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob er nach vorne oder Richtung Tischmitte gekippt wird. Ist die Suppe noch zu heiß, pusten Sie bitte nicht, sondern warten einen Moment mit dem Essen.

Brot wird selbstverständlich nicht in die Suppe getunkt. Das gilt im Übrigen für alle Speisen.

Bei Missgeschicken den Service um Hilfe bitten

Sollte einmal etwas überlaufen oder ein Glas umfallen, entschuldigen Sie sich bitte kurz. Seien Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten behilflich, das Missgeschick zu beseitigen. Machen Sie jedoch kein großes Aufheben, sondern bitten Sie den Service um Hilfe. Auf keinen Fall legen Sie mit Ihrer Serviette Hand an, wenn etwas auf dem Schoß Ihres Sitznachbarn gelandet ist. Bieten Sie stattdessen an, die Reinigungskosten zu übernehmen.

Wenn Sie Stil und gutes Benehmen beweisen wollen, können Sie am nächsten Tag zum Beispiel einen kleinen Blumenstrauß oder eine andere Aufmerksamkeit als Widergutmachung an den „Geschädigten“ schicken.

Geschäftliche Themen nach dem letzten Gang anschneiden

Geben Sie sich bei Geschäftsessen offen und interessiert. Führen Sie einen Smalltalk mit positiven und neutralen Themen, wie zum Beispiel Urlaub, Hobbys, Familie oder Kultur. Polarisierende Themen, wie Politik, Religion, Tod, Krankheiten oder das Lästern über Dritte sind tabu, da Sie schnell zu Streitgesprächen führen können. Geschäftliche Themen werden erst nach dem letzten Gang besprochen.

Bezahlvorgang des Gastgebers nicht beobachten

Es ist stilvoll die Rechnung am Tresen oder zumindest aus dem Blickfeld seiner Gäste zu bezahlen. Sollte der Gastgeber die Rechnung am Tisch begleichen, wenden Sie sich diskret ab und beobachten nicht den Bezahlvorgang. Bei der Verabschiedung bedanken Sie sich noch einmal für die Einladung und den schönen Abend oder für das angenehme Gespräch.

Über die Autorin
Susanne Beckmann

Susanne Beckmann ist Business-Knigge-Trainerin und gibt in Unternehmen über alle Hierarchieebenen hinweg Seminare über moderne Umgangsformen im Geschäftsleben.

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