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Kollektiver BurnoutIndividuelle Burnouts greifen auf Organisation über

Der Großteil der Führungskräfte schätzen den Umgang mit steigenden Anforderungen als problematisch ein. Neue Personalstrategien im Wettbewerb um Marktanteile und Talente sind daher gefragt.
erschienen: 19.11.2010

Die unterschätzte Gefahr: Der Stress Einzelner greift auf Teams und Bereiche über und lähmt die Leistungs- und Innovationskraft des Unternehmens. Thomas Weegen, Geschäftsführer von Coverdale Deutschland erklärt die Ursachen von kollektiven Burnouts:

„Nur die wenigsten Unternehmen bereiten ihr Management auf externe Krisen oder interne Stressoren vor. So entsteht eine Negativspirale, die nicht selten im Systemkollaps endet.“

Führungskräfte sehen wenig Gestaltungsmöglichkeiten

Nur eine Minderheit gibt in der Studie an, Führungskräfte seien den Herausforderungen gewachsen. 47 Prozent der Befragten geben an, dass Führungskräfte auf den steigenden Leistungsdruck mit Rückzug reagieren. Dazu zählen Demotivation und Depression bis hin zur Kündigung. 18 Prozent der Befragten geben an, dass der zunehmende Druck aggressiv macht: Kritik, Hektik und übermäßige Kontrolle bestimmen den Arbeitsstil. 11 Prozent sehen, dass Manager die Unternehmensrealität ausblenden und den Unternehmenserfolg durch Ignoranz mindern. Der kleinste Anteil der Befragten (8 Prozent) sagt, dass Führungskräfte sich an ihr jeweiliges Umfeld anpassen und mit Gleichgültigkeit auf die täglichen Aufgaben reagieren. Thomas Weegen, Geschäftsführer von Coverdale Deutschland, erklärt:

„Die Ergebnisse alarmieren uns. Viele Führungskräfte sind ausgebrannt und sehen kaum eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Die Umfrage stützt die Erfahrungen aus unserer Beratungstätigkeit. Individuelle und institutionelle Burnout-Prozesse nehmen exponentiell zu.“

Kollektiven Burnout behandeln und vermeiden

Die Coverdale-Experten unterscheiden zwischen internen und externen Ursachen von Organisationsstress: Treten veränderte Marktbedingungen wie die Finanzmarktkrise auf, lässt sich der entstehende Unternehmensstress lediglich ab-federn. Oft liegt die Ursache von Stress aber im Unternehmen selbst. Ständige Restrukturierungsprozesse, rasante Produktzyklen oder Krisenfälle. Weegen sagt:

„Erkennt man Anzeichen eines hohen Stresslevels im Unternehmen, muss schnell gehandelt werden. Zunächst wird der Stressstatus der Organisation analysiert, dann werden die Hauptfaktoren isoliert und schließlich wird das Management für die entsprechende Situation trainiert.“

Burnout lässt sich zwar behandeln. Dennoch sollten Unternehmen auf wirksame Prävention setzen. Dazu müssen Personalentscheider und CEOs sensibilisiert werden. Erst dann können Frühindikatoren wie hohe Kündigungs- und Krankheitsquoten richtig eingeordnet werden.

„Stress ist nicht vermeidbar – managt man ihn aber richtig, führt er nicht zur existenziellen Bedrohung“,

meint Weegen. Um auch in schwierigen Zeiten motiviert zu arbeiten, brauchen Multiplikatoren alternative Verhaltensweisen und Reflexionsangebote. Auf systemischer Ebene hilft radikales Umdenken: In Krisenzeiten lassen sich mit neuen Strukturen oder Geschäftsmodellen oft wieder Erfolge erzielen. So hat der Drogeriemarkt dm mit innovativem Personalmanagement und guter Produktqualität die in die Kritik geratenen Wettbewerber abgehängt.

Mit innovativen Personalstrategien die Talente der Zukunft begeistern

Globalisierte Märkte bestimmen längst nicht nur die Agenda internationaler Konzerne, sondern auch die mittelständischer Unternehmen. Immer mehr Menschen stoßen daher an ihre körperlichen und geistigen Grenzen. Allein die bezahlten Überstunden haben im letzten Jahr mit 1,91 Milliarden einen Höchststand seit 1995 erreicht. Unternehmen, die in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren, profitieren von höherer Motivation und Produktivität – und sparen Kosten.

Das gelingt jedoch nur mit geeigneten Personalentwicklungsstrategien. Flexible Arbeitszeitmodelle, Sabbaticals und andere nicht-monetäre Anreize spielen nach Einschätzung von Coverdale eine entscheidende Rolle. Die „Generation Y“ entscheidet sich für Unternehmen, die mehr als nur ein gutes Gehalt bieten. Weegen ist sicher:

„Viele unterschätzen die Wirtschaftsfaktoren Stressmanagement und Gesundheit. Doch Umdenken lohnt sich. Im Kampf um Marktpositionen und gute Köpfe schneiden Unternehmen mit niedrigem Stresslevel deutlich besser ab – und zwar bei Nachwuchskräften und Stakeholdern.“

Zur Studie

Coverdale befragte knapp 100 Manager mit fünf bis zehn Jahren Führungserfahrung in qualitativen Interviews zu Arbeitsumfeld, Führungsstil und Entwicklungspotenzial.

Quelle: Coverdale Deutschland