KommunikationWoran Sie Lügner erkennen

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Lügner können Sie an bestimmen Formulierungen, an der Veränderung ihrer Stimme sowie an einer speziellen Mimik erkennen. Wichtig für Verhandlungen und Gespräche mit Kollegen oder Vorgesetzten.
erschienen: 18.12.2014
Schlagwörter: Gesprächsführung
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Manche Menschen können andere genau analysieren, solange diese sachlich und ruhig bleiben. Sobald jedoch Emotionen ins Spiel kommen, ist es schwierig zu erkennen, ob der Gesprächspartner lügt oder die Wahrheit sagt. Dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zum Beispiel wurde vorgeworfen, Sex mit einer Praktikantin gehabt zu haben. Darauf angesprochen, antwortete er: „Ich hatte niemals Sex mit dieser Frau.“ Und: „Ich hatte niemals Sex mit Frau Lewinsky.“ Welcher Aussage glauben Sie eher?

Im Folgenden sind wichtige Merkmale und Verhaltensweisen aufgeführt, anhand derer sich Lügner zu erkennen geben.

Schwammige Formulierungen

Lügner vermeiden es instinktiv, konkret zu antworten. Sie befürchten, sich durch verräterische Signale zu entlarven und flüchten deshalb in schwammige Formulierungen. So auch Bill Clinton, der zunächst behauptete, keinen Sex mit seiner Praktikantin gehabt zu haben. Später versuchte er zu erklären, dass bestimmte Praktiken, die beide anwandten, kein richtiger Sex gewesen seien. Lügner können Sie durch die Bitte, eine Aussage zu präzisieren, entlarven. Dadurch geraten sie unter emotionalen Stress und machen Fehler. Die richtige Bitte im Fall von Clinton lautet demnach: Bitte definieren Sie Sex!

Bestätigungsfloskeln

Auch Bestätigungsfloskeln wie „Sie können mir vertrauen“, „das ist so“, „das ist keine Frage“ oder „ehrlich gesagt“ sind ein Zeichen für emotionalen Stress. Bei einem Redner zum Beispiel kann dieser Stress daraus resultieren, dass er von den Zuhörern gemocht werden will und er sich nicht sicher ist, ob seine Ausführungen überzeugt haben. Oder weil er weiß, dass er nicht die ganze Wahrheit gesagt hat.

Bestätigungsfloskeln sollten immer Ihre Aufmerksamkeit erregen. Wenn Sie die Inhalte, zu denen Bestätigungsfloskeln hinzugefügt wurden, im Verlauf des Gesprächs in einem anderen Zusammenhang mit einer Frage erneut ansprechen, werden Sie in den meisten Fällen weitere, erstaunliche Details erfahren.

Mikro-Ausdrücke

Es gibt auch körpersprachliche Merkmale, die auf eine Lüge hinweisen. Dabei signalisiert das Unterbewusstsein für den Bruchteil einer Sekunde eine wahre Empfindung. Beispiel: Ihr Gesprächspartner begrüßt Sie mit den Worten: „Ich freue mich, Sie zu sehen.“ Dabei rümpft er unmerklich die Nase. Naserümpfen jedoch ist ein Zeichen für Ablehnung oder sogar Ekel. Ein anderes Beispiel: Jemand gratuliert Ihnen zu einem Preis und runzelt dabei die Stirn. Stirnrunzeln ist ein Zeichen von Sorge, Zweifel, Zorn oder Wut und passt so gar nicht zur angeblichen Freude.

Die meisten Menschen nehmen diese Mikro-Ausdrücke nicht wahr, da diese zum einen nur sehr kurz sichtbar sind, zum anderen nicht zum Gesagten passen. Hintergrund: Menschen suchen nach Übereinstimmung zwischen Gesagtem und dazugehörigem Verhalten. Derjenige, der sich genauso verhält wie wir, ist ein Freund und stellt keine Bedrohung dar. Widersprüchliches Verhalten hingegen verwirrt uns, weshalb wir entsprechende versteckte Hinweise gerne übersehen. Aus diesem Grund werden viele Lügen trotz vorhandener eindeutiger Mikro-Ausdrücke nicht erkannt.

Gekappter Gesichtsausdruck

Verräterische mimische Signale werden gekappt, sobald einem selbst bewusst wird, dass die eigene Emotion nicht echt ist. Echte Freude drückt sich immer durch ein Lächeln aus. Dieses Lächeln aktiviert den Augen-Ring-Muskel, weshalb die sogenannten „Krähenfüße“ zum Vorschein kommen.

Lächeln jedoch lediglich die Mundwinkel, handelt es sich um gespielte Freude. Wenn jemand bemerkt, dass seine Mimik ihn noch nicht einmal selbst überzeugt, beendet er schlagartig sein Lächeln, sprich die bewusst angehobenen Mundwinkel, und wechselt zu einem neutralen Gesichtsausdruck.

Asymmetrischer Gesichtsausdruck

Wenn die Mimik nicht zur tatsächlich vorhandenen Emotion passt, spricht man vom asymmetrischen Gesichtsausdruck. Dieser zeigt sich zum Beispiel durch ein schiefes, eher gequältes Lächeln. Dies rührt daher, dass einer der beiden Gesichtsmuskeln, die es braucht, um einen symmetrischen Gesichtsausdruck zu erzielen, stärker angespannt wird. Diese Asymmetrie kann sich auch in Form von Sorgen- oder Zornesfalten auf der Stirn äußern, wenn das Gefühl nicht echt ist.

Ein Beispiel: Ein Vorgesetzter führt mit einem Mitarbeiter ein ernstes Gespräch über Alkoholkonsum und damit verbundene Gefahren. Der Vorgesetzte selbst hält Trinken für männlich, weshalb es ihm nicht gelingen wird, seine Besorgnis glaubwürdig zum Ausdruck zu bringen. Wäre seine Besorgnis echt, würden sich Sorgenfalten auf der Stirn zeigen, seine Augenbrauen sich über der Nase senken. Bei einer lediglich gespielten Besorgnis senken sich die Augenbrauen entweder gar nicht, oder es senkt sich nur eine Braue.

Wenn Sie bei Ihrem Gegenüber eine Mimik wahrnehmen, die nicht zum Gesagten passt und bei Ihnen ein ungutes Gefühl auslöst, liegt das meistens nicht am Ausdruck selbst. Es liegt daran, dass etwas fehlt. Da die meisten Menschen aber in der Wahrnehmung der Körpersprache nicht geschult sind, können sie dieses fehlende Detail nicht benennen. Vertrauen Sie also auf Ihr Bauchgefühl, wenn Sie der Ansicht sind, etwas beim Gegenüber stimmt nicht.

Verräterischer Blickkontakt

Ihre Sekretärin erklärt Ihnen auf Nachfrage, sie habe den wichtigen Brief noch gestern Abend zur Post gebracht. Dabei sieht sie Ihnen deutlich länger in die Augen als gewöhnlich. „Gewöhnlich“ bedeutet: Ein Blickkontakt innerhalb eines Gesprächs dauert zwischen drei und fünf Sekunden. Wenn eine Frau einen Mann belügt oder ein Mann eine Frau, wird der Blickkontakt viel länger als diese Zeitspanne gehalten; ganz so, als ob der Gesprächspartner hypnotisiert werden soll.

Wenn aber ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau belügt, wird der Blickkontakt vorzeitig abgebrochen. Es scheint so, als ob dem gleichen Geschlecht das Erkennen der bösen Absicht eher zugetraut wird.

Veränderte Stimme

Über 80 Prozent der Menschen verändern ihre Stimme, wenn sie die Unwahrheit sagen. Ihre Stimme wird lauter oder leiser; sie sprechen fast immer langsamer und eindringlicher als sonst. Manchmal verändert sich sogar ihre Stimmlage, sie sprechen also höher oder tiefer als unmittelbar vor der Lüge. Es kann sogar vorkommen, dass die Stimme im Fall einer Lüge komplett versagt. In diesem Fall will das Unterbewusstsein den Lügner schützen. Wenn gar nichts mehr hilft, um die Lüge zu kaschieren, kann es sogar passieren, dass der Mensch in Ohnmacht fällt. Auch dies ist ein Schutzmechanismus des Unterbewusstseins, allerdings als „ultima ratio“.

Wie für jedes andere Anzeichen einer Lüge gilt auch für eine veränderte Stimme, dass gerade sie ein Indiz für die Wahrheit sein kann. Beispiel: Wenn ihr Gesprächspartner sehr aufgeregt ist, weil er fürchtet, Sie glauben seinen wahren Aussagen nicht, kann der auftretende emotionale Stress die gleichen verräterischen Signale auslösen, die sonst charakteristisch für eine Lüge sind. Hinterfragen Sie also Ihre Wahrnehmungen und Vermutungen und bemühen Sie sich um ein Gesamtbild Ihres Gesprächspartners. So vermeiden Sie Vorurteile, die sich am Ende als falsch herausstellen.

Über den Autor
Günter Seipp

Günter Seipp ist Geschäftsführer von gswSeminare und Experte für die Themen Konflikt- und Krisenmanagement.

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