KonfliktBesser streiten mit Kollegen

Auseinandersetzungen mit Kollegen können zur Entwicklung der eigenen Streitkultur genutzt werden. Entdecken Sie, wie Sie Konflikte konstruktiv angehen.
erschienen: 01.04.2015
Schlagwörter: Gesprächsführung

Statt unangenehme Kollegen zu bekämpfen, sollten Sie Konflikte für eine positive Streitkultur nutzen. Kollegen, mit denen Sie aneinander geraten, zeigen Ihnen, ob Sie mutig genug sind, Ihre Bedürfnisse zu äußern und klare Grenzen zu formulieren. Sie helfen Ihnen zu überprüfen, ob und was Ihnen ein Streit wert ist. So trainieren Sie Ihre Fähigkeit, in Auseinandersetzungen als glaubwürdig erkannt und anerkannt zu werden.

Auf die Ebenbürtigkeit des Widersachers achten

Ebenbürtige Widersacher zeigen Ihnen, ob Sie fähig sind, Ihre eigenen Wünsche zu respektieren. Sie sagen manchmal auch Wahrheiten, die Sie nicht gerne hören. Durch den Streit mit einem ebenbürtigen Widersacher trainieren Sie deutlich zu sagen, was Ihnen wichtig ist. Sie werden manchmal auch gezwungen, innerlich auf Distanz zur Situation zu gehen beziehungsweise Abstand zu bekommen. Ob ein Widersacher ebenbürtig ist, können Sie anhand folgender Kriterien feststellen:

  • Kann er die Sache, um die es geht, von Ihrer Person trennen oder formuliert er Schuldzuweisungen und nimmt Kritik persönlich?
  • Verzichtet er bei einem Streit auf alte Vorwürfe und Unterstellungen?
  • Akzeptiert er, dass Sie aus dem Streit aussteigen wollen oder macht er weiter, selbst wenn Sie das Ende des Gesprächs signalisieren?
  • Kämpft er mit offenem Visier, also redet er klar, direkt und ehrlich mit Ihnen, oder verfolgt er eine Strategie, die auf Manipulation, Tricks oder Behauptungen fußt?

Selbstachtung wahren und Bedürfnisse äußern

Nicht jeden Widersacher müssen Sie akzeptieren. Kann Ihr Gegenüber das Niveau einer positiven Streitkultur nicht halten, bewahren Sie sich Ihre Selbstachtung. Achten Sie auf sich selbst und auf Ihre Bedürfnisse statt den unangenehmen Zeitgenossen zufriedenzustellen. Manche Widersacher bekommen erst dann Respekt vor Ihnen, wenn Sie sich selbst mit Ihren eigenen Grenzen und Wünschen respektieren.

Wenn der Konflikt mit offenem Visier ausgetragen wird, bringen Sie deutlich zum Ausdruck, wie Sie sich fühlen. Teilen Sie mit, was Ihr Bedürfnis oder Ihr Interesse in dieser Situation ist. Im Streitgespräch kann das etwa folgendermaßen aussehen: „Mir ist wichtig, dass ich mich auf Vereinbarungen mit Ihnen verlassen kann.“ Kontraproduktiv wäre folgende Formulierung: „Wenn ich nicht selbst an alles denke, klappt hier gar nichts.“ Ihre Bedürfnisse kann Ihr Widersacher verstehen, Ihre Unterstellungen und Verallgemeinerungen hingegen nicht.

Respekt vor dem Anderssein des Widersachers haben

Für die Austragung eines Konflikts mit Ihrem Kollegen gilt: Sie sollten Respekt davor haben, dass er anders ist. Er hat andere Überzeugungen und Wertvorstellungen. Achten und würdigen Sie diese. Wenn Sie Respekt erwarten, müssen Sie Respekt auch selbst entgegenbringen. Kämpfen Sie zwar hart in der Sache, aber seien Sie wertschätzend zur Person. Verletzen Sie Ihren Kollegen nicht als Mensch. Überlegen Sie stattdessen, was Ihnen wertvoll ist am Streit mit Ihrem Gegenüber.

Als Kollege mit niveauvoller Streitkultur beharren Sie nicht darauf, im Besitz der (einen) Wahrheit zu sein. Wer dies tut, erklärt seinen Widersacher entweder zum Lügner oder zum Unwissenden, dem man erst noch sagen muss, was wahr, richtig und demnach auch falsch ist. Diese Haltung funktioniert nur von oben nach unten und hat mit gleicher Augenhöhe und Ebenbürtigkeit nichts zu tun.

Eigene Interessen authentisch artikulieren

Das wichtigste Mittel im Streit mit Kollegen ist Ihr kommunikatives Vermögen. Sie sollten Ihre Interessen und Bedürfnisse authentisch artikulieren und gerade dann nicht von ihnen abweichen, wenn es brenzlig wird und Ihr Mut gefragt ist. Dabei gilt das bereits oben Gesagte, nämlich zwischen Person und Problem zu unterscheiden. Seien Sie also wertschätzend und respektvoll, jedoch hart und klar in der Sache.

Doch Vorsicht: Wenn Sie wollen, dass Ihr Widersacher Ihre Wünsche nicht nur respektiert, sondern auch erfüllt, dürfen Sie ihn mit eskalierendem Verhalten nicht zum Gegenteil einladen, denn Druck erzeugt Gegendruck.

Umdeuten und Gefühlsausbrüche ernst nehmen

Ein wichtiges Konfliktinstrument ist es, Dinge umzudeuten (Reframing). Dabei betrachten Sie eine Situation aus einer anderen Perspektive, die so einen anderen Sinn bekommt. Sie können Dinge beispielsweise mit Humor betrachten, was überraschende Wendungen und Umdeutungen ermöglicht und die Konfliktsituation entschärft.

Bleiben Sie auch gelassen, wenn Ihr Widersacher in Rage gerät und es zu Gefühlsausbrüchen kommt. Gefühlsausbrüche sind Selbstentblößungen, die angreifbar und verletzlich machen. Sie können sich in einem ersten Schritt zunächst zurückziehen, bis er sich wieder beruhigt hat. Danach bringen Sie ruhig und sachlich Ihre Kritikpunkte an.

Fragen stellen und Sticheleien überhören

Hören Sie Ihrem verärgerten Kollegen immer genau zu. So signalisieren Sie, dass Sie ihn ernst nehmen. Viele Streite eskalieren, weil sich die Widersacher Behauptungen an den Kopf schmeißen. Beispiel: „Sie lassen immer so lange das Fenster auf!“ In einem solchen Fall ist eine Frage besser geeignet: „Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie das Fenster oft sehr lange geöffnet lassen?“ Durch Fragen lenken Sie das Gespräch und vermeiden Provokationen.

Zu einer niveauvollen Streitkultur gehört auch, dass Sie selbst auf Vorwürfe und Unterstellungen eingehen, selbst wenn diese ungerechtfertigt sind. Wird der Kollege jedoch beleidigend oder stichelt, sollten Sie das überhören. So beweisen Sie Größe und behalten die Zügel in der Hand.

Über den Autor
Helmut Kraft

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