KonfliktProbleme mit dem Chef vermeiden und lösen

Je nach Chef-Typ gibt es verschiedene Methoden, Konflikte zu vermeiden. Gelingt dies nicht, hilft eine Konfliktlösungsstrategie.
erschienen: 10.03.2014
Schlagwörter: Karriere, Teamarbeit

Nicht jede Meinungsverschiedenheit mit dem Chef ist ein Konflikt, und nicht jeder Ärger führt zum Streit. Während Sie von einem bestimmten Verhalten Ihres Vorgesetzten genervt sind, weiß er vielleicht gar nichts über Ihre Unzufriedenheit. Um Ihren Unmut und Frust abzubauen, ist es nicht immer notwendig, sich auf den Konflikt einzulassen. Bevor Sie mit Ihrem Vorgesetzten persönlich darüber sprechen oder sogar den Betriebsrat oder einen Mediator einschalten, können Sie selbst versuchen, die Situation zu entschärfen.

Viele Mitarbeiter haben an ihrem Vorgesetzten etwas auszusetzen; kaum einer ist zu einhundert Prozent zufrieden. Doch seine Persönlichkeit können die Mitarbeiter nicht ändern. Kennen Sie die negativen Eigenschaften Ihres Chefs, können Sie hingegen Ihr eigenes Verhalten anpassen und dadurch Konflikte vermeiden oder entschärfen. Dazu müssen Sie wissen, welcher Typ Ihr Chef ist.

Die im Folgenden beschriebenen Charaktere sind zugespitzt dargestellt. Meistens handelt es sich in der Praxis um "Mischtypen".

Der Kontrolletti

Der Kontrolletti ist ein ordnungsliebender, unsicherer Chef. Er neigt dazu, die Arbeit seiner Mitarbeiter zu kontrollieren und hat wenig Vertrauen in ihre Leistung. Seine Kontrollsucht ist für den Mitarbeiter frustrierend. Chefs dieses Typs erschweren die Zusammenarbeit, indem sie Informationen zurückhalten oder spät weitergeben. Manch einer mag sogar glauben, die Handlungen und Gedanken seiner Mitarbeiter zu kennen und vorhersagen zu können.

Konfliktvermeidungsstrategien:

  • Lassen Sie exakt formulieren, welche Aufgaben Sie selbstständig übernehmen sollen.
  • Schlagen Sie ein Projekt vor, das Sie selbstständig übernehmen.
  • Geben Sie regelmäßig Rückmeldung über Ihre Arbeit.
  • Arbeitern Sie zuverlässig und überprüfen Sie Ihre Arbeitsergebnisse sehr sorgfältig.

Der Kumpel

Der Kumpel fühlt sich als Teil des Teams. Er ist ein Berufsjugendlicher, der seinen Mitarbeitern viel Vertrauen schenkt. Er fühlt sich als Teil des Teams und will nicht gesiezt werden. Auch nach Feierabend ist er gerne mit seinen Kollegen unterwegs. Allerdings übernimmt er auch nicht gerne die Führung und auch nicht die Verantwortung für sein Team. Seine Vorgaben sind unklar, bei Spannungen mit anderen Abteilungen setzt er sich nicht durch.

Konfliktvermeidungsstrategien:

  • Halten Sie Vorgaben und Ziele schriftlich fest.
  • Formulieren Sie Verantwortlichkeiten exakt.
  • Sagen Sie klar Ihre Meinung.
  • Wahren Sie Distanz. 

Der Visionär

Der Visionär ist ein kreativer Kopf, der an das Übermorgen der Firma denkt, aber das Heute nicht im Blick hat. Weil er zukunftbezogen denkt, kann er kurzfristige Ziele nicht gut benennen. Sachbezogene Anfragen beantwortet er nicht genau, hält Zusagen möglicherweise nicht ein. Weil er nicht den Überblick über die gegenwärtige Arbeitsbelastung seiner Mitarbeiter hat, überhäuft er sie möglicherweise mit Arbeit.

Konfliktvermeidungsstrategien:

  • Halten Sie Vereinbarungen schriftlich fest.
  • Legen Sie eine Liste mit eigenen laufenden Projekten an, um Ihren Chef über die Auslastung auf dem Laufenden zu halten.
  • Achten Sie auf sich selbst und zeigen Sie dem Chef Grenzen auf.

Der Autoritäre

Der Autoritäre ist der Chef alter Schule. Er erteilt die Befehle und die Mitarbeiter führen sie aus. Die Leistung der Mitarbeiter würdigt er nicht, da er sie für selbstverständlich hält. Er lässt sich nichts sagen und ist gegen Ratschläge zum zeitgemäßen Führungsverhalten resistent. Seine Mitarbeiter lässt er häufig nicht aussprechen und hat kein Interesse daran, sie durch Weiterbildungsmaßnahmen zu fördern.

Konfliktvermeidungsstrategien:

  • Bitten Sie um regelmäßiges Feedback zu Ihrer Arbeit.
  • Hinterfragen Sie seine Entscheidungen nicht vor Anderen.
  • Vermeiden Sie direkte Kritik.
  • Bitten Sie um Weiterbildungsmaßnahmen, indem Sie einen Karriereplan vorstellen.

Verhaltenstipps bei cholerischen Chefs

Gewinnen Sie als erstes psychische Distanz. Sie können sich beispielsweise vor Augen halten, wie lächerlich Ihr Chef gerade aussieht, wenn er sich wie ein Kleinkind benimmt. Lassen Sie ihn schreien. Wenn es Ihnen zu viel wird, verlassen Sie den Raum. Hat sich Ihr Chef schließlich beruhigt, sagen Sie ihm sachlich: „Sie können mir alles sagen, aber bitte nicht in diesem Ton.“

Konflikte im Beruf müssen von privaten Konflikten klar getrennt werden. Private Konflikte haben im beruflichen Umfeld nichts verloren. Bei beruflichen Konflikten geht es um Ihre Ziele, beispielsweise um ein höheres Gehalt, das Knüpfen wichtiger Kontakte oder Übernahme bedeutender Aufgaben. Passen die Ziele Ihres Vorgesetzten nicht zu Ihren Zielen, behindert er Sie bei Ihrer Arbeit, lässt er sie um Unklaren oder geht er nicht auf Ihre Bedürfnisse ein, dann kann es zu einem Konflikt kommen.

Die Strategien zur Beseitigung des Konflikts sind allerdings dieselben wie in anderen Konfliktsituationen: Sie können versuchen, dem Konflikt auszuweichen, oder Sie lassen sich auf eine Auseinandersetzung mit Ihrem Chef ein.

Dem Konflikt ausweichen

Nicht jeder Konflikt muss ausgetragen werden. Entscheiden Sie sich gegen die Eskalation, gibt es zwei Wege: Sich mit dem Problem abfinden oder die Situation verlassen.

Mit dem Problem abfinden

Wenn Sie nicht Zeit und Energie investieren möchten, dem Konflikt auf den Grund zu gehen und Sie das Problem nicht stark belastet, lassen Sie das Thema einfach fallen und finden sich mit der Situation ab. Dann müssen Sie allerdings mit dem Thema endgültig abschließen. Diese Strategie können Sie anwenden, wenn Sie mit Ihrem Vorgesetzten nicht unmittelbar arbeiten und die Spannung nur einen geringen Einfluss auf Ihren Berufsalltag hat.

Die Situation verlassen

Ist die Situation für Sie zu belastend, können Sie auch die „Exit-Option“ wählen: Sie kündigen oder wechseln die Abteilung. Diesen Weg können Sie wählen, wenn Sie sich psychisch nicht stark genug fühlen, sich dem Konflikt zu stellen. Auch für Personen, die gute Chancen haben, eine neue Stelle zu finden, für einen Berufsanfänger in der Probezeit oder für einen Auszubildenden kann dies ein akzeptabler Weg sein.

Den Konflikt austragen

Bei dieser Strategie stellen Sie sich folgende Fragen: Wie viel Zeit steht mir zur Verfügung und wie wichtig ist das Erreichen des Ziels? Aus den Faktoren „Zeit“ und „Bedeutung des Ziels“ ergibt sich, welche Konfliktlösung Sie anstreben sollten.

Zeit-/Ziel-Matrix zur Bestimmung der Konfliktlösungsstrategie
Zeit-/Ziel-Matrix zur Bestimmung der Konfliktlösungsstrategie

Win-Win-Lösung
Unter der Win-Win ist eine Konfliktlösung zu verstehen, die weder Sie noch der Chef anfangs im Sinn hatten. In den meisten Fällen ist dies die beste Lösung, weil beide Seiten eine Verbesserung erreichen. Verfolgen Sie ein wichtiges Ziel und verfügen dabei über viel Zeit, können Sie sich mit Ihrem Chef auf die Suche nach einer Win-Win-Lösung machen. Die Entscheidungsfindung ist zeitintensiv, doch beide Konfliktparteien erreichen durch die neue Idee ihre Ziele.

Nachgeben
Sie lassen Ihren Vorgesetzten gewähren. Ist Ihr Ziel nicht sehr wichtig und verfügen Sie gleichzeitig über viel Zeit, können Sie es sich leisten, nachzugeben. Im Laufe der Zeit wird das Konfliktthema möglicherweise wieder neu aufkommen, so dass Sie Ihr Ziel leichter erreichen. Möchten Sie beispielsweise eine bestimmte Geschäftsreise unternehmen, aber Ihr Chef schickt einen Kollegen, qualifizieren Sie sich in der Zwischenzeit besser.

Sich durchsetzen
Sie setzen Ihren Willen durch und setzen sich über die Wünsche Ihres Chefs hinweg. Ist Ihr Ziel für Ihr berufliches Weiterkommen wichtig und drängt die Zeit, gehen Sie das Risiko ein. Sie können beispielsweise darauf bestehen, bei einem Meeting dabei zu sein, um wichtige Kontakte zu knüpfen, auch wenn Ihre Anwesenheit vom Chef unerwünscht ist. Dabei hinterlassen Sie zwar verbrannte Erde, können Ihr Ziel aber dennoch erreichen.

Kompromiss
Bei einem Kompromiss geht es um eine Lösung, die sowohl für Sie als auch für Ihren Chef akzeptabel ist, wobei beide Seiten Zugeständnisse machen müssen. Ist Ihr Ziel für Ihr berufliches Vorankommen nicht entscheidend, während Sie über wenig Zeit zur Klärung verfügen, wählen Sie diese Strategie. Zum Beispiel, wenn bei einem Projekt kurzfristig entschieden werden soll.

Über die Autorin
Alexandra Neidhardt
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