Konflikte5 nervige Situationen am Arbeitsplatz und wie man sie löst

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Ablenkung durch Telefonanrufe, Streit um die Raumtemperatur oder notorische Arbeitsverweigerer. Wie man typische Konflikte am Arbeitsplatz anspricht und auflöst.
erschienen: 14.03.2016
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Bei Konflikten am Arbeitsplatz gibt es drei mögliche Lösungen: „Love it, change it, or leave it“. Man muss sich überlegen, ob man diesen Konflikt eingeht und gewillt ist, ihn sachlich und konstruktiv zu lösen. „Love it“ heißt dabei: Ich bin resilient genug, um das Problem auszuhalten. So schlimm ist es ja auch wieder nicht. „Change it“ bedeutet: Ich suche nach einer sachlichen und konstruktiven Lösung mit anderen zusammen, spreche das Problem an und vereinbare Regeln. „Leave it“ meint: Ich mache nicht (mehr) mit. Wenn mich Problem so sehr belastet, dass ich darunter leide und es nicht ändern kann, dann muss ich die Konsequenz ziehen und das Team oder den Arbeitgeber wechseln.

Folgende nervige Situationen mit Konfliktpotenzial tauchen immer wieder auf:

Schlecht reden hinter dem Rücken von Mitarbeitenden

Es kommt darauf an, ob über andere oder über mich selbst als Kollegin oder Kollege schlecht geredet wird. Wenn andere betroffen sind, dann sage ich bei nächster Gelegenheit: „Ich finde das nicht gut, dass hier über andere, die nicht anwesend sind, schlecht geredet wird.“ Ich entziehe mich dann konsequent diesem Gespräch, mache also einfach nicht mit. Eventuell muss ich dieses Fehlverhalten immer wieder ansprechen.

Wenn ich erfahre, dass jemand schlecht über mich redet, spreche ich die Person direkt an – aber immer unter vier Augen! Ist gar meine Chefin oder mein Chef der Übeltäter? Dann bitte um ein Gespräch. Ich sage, was ich gehört habe, möglichst genau und anhand eines Beispiels. Ich sage, dass mich so ein Verhalten verletzt. Sie oder er könne gerne mit mir über meine Leistung oder meinem Verhalten sprechen, wenn das nicht zufriedenstellend sein sollte: „Ich würde mich freuen, wenn Sie mir persönlich sagen, was an meiner Arbeit nicht in Ordnung ist, und nicht mit anderen in meiner Abwesenheit darüber sprechen.“

Bei Uneinsichtigkeit eskaliert der Konflikt. Die Konsequenz: „Change it“. Das heißt: Ich spreche das Verhalten bei den Vorgesetzten meiner Chefin oder meines Chefs an und baue darauf, dass meine Erwartungen entsprechend kommuniziert beziehungsweise weitgegeben werden. Wenn das auf Dauer nicht hilft, dann überlege ich, das Team oder den Arbeitgeber zu wechseln.

Sprechen die Kollegen schlecht über mich? Dann werde ich sie oder ihn bei nächster Gelegenheit, wieder unter vier Augen, darauf ansprechen. Ich sage: „Ich habe erfahren, dass du … gesagt haben sollst. Es verletzt mich, wenn hinter meinem Rücken schlecht über mich geredet wird. Wenn mein Verhalten nicht in Ordnung ist, kann man mir das sagen.“

Je nachdem, wie das Verhältnis zum Kollegen ist, kann ergänze ich: „Ich erwarte, dass das in Zukunft unterbleibt.“ (förmlicher Umgang). Oder: „Ich bitte dich als guten Kollegen, hinter meinem Rücken nicht schlecht über mich zu reden, sondern mich anzusprechen, wenn dir etwas nicht passt.“ (persönliches Verhältnis. Hilft das nicht, muss der Konflikt eskalieren und von seiten der Vorgesetzten gelöst werden.

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Diebstahl von Vorräten aus dem Kühlschrank

Die erste Frage dabei: Ist klar, wem was im Kühlschrank gehört? Im Zweifel muss ich meine Sachen kennzeichnen und das den anderen mitteilen. Ich berichte bei der nächsten Teambesprechung von diesen Vorfällen und bitte darum, persönliches Eigentum zu respektieren. Zweite Frage: Passiert der „Diebstahl“ aus Nachlässigkeit? Dann spreche ich das im Team an und bitte darum, dass persönliche Vorräte im Kühlschrank nicht von anderen verzehrt werden.

Wenn die Aktion absichtlich erfolgt, dann muss ich dem nachgehen – und im Zweifel Beweise vorlegen. Wenn es tatsächlich Kollegen gibt, die fremde Sachen aus dem Kühlschrank absichtlich klauen, dann melde ich das meiner Chefin oder meinem Chef. Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt, auch nicht, wenn es nur um kleine Beträge geht. Arbeitsrechtlich ist bei Bagatell-Diebstahl im Einzelfall sogar eine Abmahnung oder Kündigung möglich, denn dadurch wird das gegenseitige Vertrauen im Unternehmen zerrüttet.

Ablenkung durch Telefonanrufe

Wenn für eine gewisse Zeit Ruhe gebraucht wird, dann schalte ich das Telefon so lange um und bitte einen Kollegen, eingehende Anrufe anzunehmen und eine Notiz zu machen. Wenn das Umschalten nicht möglich ist: Ich nehme den Anruf entgegen, denn das gehört zu meinem Job. Ich halte das Gespräch möglichst kurz: Worum geht es? Was soll ich tun? Ich habe es notiert und kümmere mich darum. Dann bearbeite ich diesen Vorgang bei nächster Gelegenheit. Ansonsten kehre ich sofort zur vorigen Arbeit zurück.

Wenn mich das Telefonieren der Kollegen im Raum stört, kann ich zunächst nichts dagegen tun. Denn die anderen machen auch nur ihren Job. Ich muss trainieren wegzuhören. Vielleicht helfen auch Ohrschützer oder Schallschutzeinrichtungen im Büro. Das spreche ich beim Vorgesetzten an. Eine Ausnahme ist: Es wird häufig privat telefoniert. Dann spreche ich das Problem beim betreffenden Kollegen an und bitte freundlich, aber bestimmt darum, dass er seine Privatgespräche draußen führt. Damit ich meine Arbeit ordentlich erledigen kann.

Streit um die Raumtemperatur

Dies ist ein schwieriger Fall, denn Menschen haben ein unterschiedliches Temperaturempfinden. Die beste Lösung ist: Es arbeiten diejenigen Mitarbeitenden in einem Raum zusammen, die Temperaturen ähnlich empfinden. Ich frage also meine Chefin oder meinen Chef, ob das möglich ist. Fragen lohnt sich immer und kostet nichts.

Wenn diese Lösung nicht möglich ist, bespreche ich das Thema im Team: Welche Regeln können gefunden werden, die für alle Betroffenen akzeptabel sind? Das hängt von den jeweiligen Rahmenbedingungen und von der Situation ab. Flexibilität ist gefragt. Also: Zum Beispiel stoßlüften in kurzen Pausen oder einfach seine eigene Kleidung entsprechend den anpassen.

Arbeitsverweigerer im Team

Hier stellt sich die Frage: Bin ich betroffene Kollegin oder betroffener Kollege oder gar einer der Vorgesetzten? Wenn ich Kollegin oder Kollege bin, hilft nur eins: Nein sagen: „Ich kann dir bei deiner Aufgabe leider nicht helfen, weil ich selbst noch etwas Anderes erledigen muss.“ Die Pause, die dann eintritt, muss ich aushalten. Meistens verziehen sich die Arbeitsverweigerer wieder und versuchen es woanders. Wenn es aber heißt: „Kannst du mir vielleicht nicht doch helfen?“, dann muss ich konsequent bleiben und bestimmter werden: „Nein, kann ich leider nicht!“

Ich mache mir immer wieder bewusst: Die Aufgabe der oder des anderen ist nicht meine Aufgabe. Unter Kolleginnen oder Kollegen kann man sich auch mal aushelfen. Aber das muss sich ausgleichen und darf nicht zu Lasten Einzelner gehen. Bei notorischen Arbeitsverweigerern hilft nur ein klares Nein.

Wenn ich zu den Vorgesetzten gehöre, muss ich ein Gespräch mit dem Mitarbeitenden führen und klar sagen: „Das ist Ihre Aufgabe. Ich erwarte, dass Sie diese erfüllen.“ Ich sage, welches Ergebnis ich erwarte, worauf es dabei ankommt, warum das wichtig ist und bis wann alles fertig sein soll. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Mitarbeitende nicht will. Wenn er hingegen nicht kann, muss ich ihm helfen oder Unterstützung bieten.

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Über den Autor
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