Archiv

Konzepte entwickelnTypische Probleme und Lösungen

© SG-design - Fotolia.com
Zu wenig Zeit, zu viele Informationen, perfektionistisches Denken. Bei der Konzeptentwicklung stellen sich immer wieder die gleichen Problem ein. Doch es gibt Lösungen.
erschienen: 25.09.2014
(3 Bewertungen)

Wenn Sie ein Konzept entwickeln, sollten Sie sich zunächst einmal über Ihre Aufgabenstellung klar werden:

  • Mit welcher Zielsetzung erarbeiten Sie Ihr Konzept?
  • Welche Bedingungen oder Voraussetzungen sind zu beachten?

Ein Beispiel: Sie sollen eine Werbekampagne für ein neues Softwareprodukt erarbeiten. Das Ziel lautet: Das Konzept soll alle Elemente des Distributionsmix beleuchten und die erfolgversprechendsten ausfindig machen. Eine Bedingung lautet: Der Werbeetat darf zwei Millionen Euro nicht überschreiten.

Ziele schriftlich ausformulieren

Formulieren Sie das Ziel Ihres Konzeptes sowie alle damit verbundenen Bedingungen präzise und vollständig schriftlich aus. Auf diese Weise haben Sie das Wesentliche Ihrer Aufgabe jederzeit vor Augen. Dies ist dann besonders wichtig, wenn Sie die Vielfalt der Informationen und die Komplexität der einzelnen Arbeitsschritte zu überfordern drohen.

Ein Konzept verfolgt ein übergeordnetes Ziel. Es dient zum Beispiel als Informationsgrundlage für weitere Arbeitsschritte. Formulieren Sie nun auch das höhere Ziel schriftlich aus.

Beispiel: Formulierung des Konzeptziels

Das Konzept dient als Entscheidungsgrundlage für das Meeting mit der Werbeagentur am 20. Februar.

Persönliche Ziele formulieren

Überlegen Sie nun, ob Sie noch weitere Ziele mit Ihrem Konzept verfolgen. Es kann sich hier beispielsweise um persönliche Ziele handeln, die nicht unmittelbar mit der Arbeitsaufgabe in Verbindung stehen, aber dennoch wichtig sind.

Beispiel: Formulierung des persönlichen Konzeptziels

Ich möchte mit meinem Konzept die Werbeagentur überzeugen und für die von mir gefundene Lösung gewinnen. Mit dem Konzept möchte ich mich als Leiter der Werbekampagne empfehlen.

Halten Sie sich nicht mit Scheinproblemen auf, mit denen Sie letztlich nur unnötig Ihre Fähigkeiten infrage stellen. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche Ihres Konzepts:

  • Unmittelbares Ziel: Welches Ziel verfolgt Ihr Konzept? Welche Bedingungen und Voraussetzungen müssen Sie dabei beachten?
  • Übergeordnetes Ziel: Welchem unternehmerischen Zweck dient Ihr Konzept?
  • Persönliches Ziel: Was wollen Sie mit dem Konzept für sich beruflich oder persönlich erreichen?

Realistischen Zeitplan festlegen

Keine Zeit zu haben gehört heute zu den üblichen Problemen im Geschäftsleben. Ein Mehr an Zeit ist aber dann keine Lösung, wenn Sie nicht genau eingrenzen, wie viel mehr Zeit notwendig ist, damit Sie Ihr Konzept erarbeiten können.

Jede Arbeit beansprucht (fast) genau so viel Zeit, wie Sie dafür im Voraus einplanen. Befreien Sie sich innerlich von unnötigem Druck, indem Sie einen realistischen Zeithorizont für die Entwicklung Ihres Konzepts festlegen und einplanen. Den Zeithorizont sollten sie optimistisch formulieren. Also: „Wenn mein Konzept fertig ist, haben wir den 31. März.“ Anstatt: „Bis zum 31. März ist mein Konzept fertig.“

Das klingt nicht nur optimistischer, sondern ist auch dann noch glaubhaft, wenn der eine oder andere Arbeitsschritt länger als geplant dauern sollte.

Perfektionismus vermeiden

Die beiden größten Zeitfallen beim Ausarbeiten eines Konzepts bestehen darin, entweder zu viel oder zu wenig Zeit auf die einzelnen Arbeitsschritte zu verwenden. Wenn Sie der Konzeptionierung zu viel Zeit einräumen, geraten Sie in die Perfektionismus-Falle, wer zu wenig Zeit aufwendet, arbeitet schlampig. Beides ist gleichermaßen kontraproduktiv.

Die Gefahren des Perfektionismus liegen darin, sich in Nebensächlichkeiten zu verzetteln, Wesentliches zu übersehen oder es im Unwesentlichen untergehen zu lassen. Nicht zuletzt droht Zeitmangel: Das Konzept wird nicht rechtzeitig fertig und wenn doch, dann ist es nicht optimal ausgearbeitet.

Pareto-Prinzip anwenden

Beachten Sie das Pareto-Prinzip beziehungsweise die 80:20-Regel: 20 Prozent des Arbeitsaufwands erbringen bereits 80 Prozent des Erfolgs. Umgekehrt tragen 80 Prozent der aufgewendeten Zeit – eben der Teil, der auf die Perfektionierung verwendet wird – nur zu 20 Prozent des Erfolgs bei. Konzentrieren Sie sich daher auf diejenigen 20 Prozent, mit denen Sie den größten Teil der Arbeit erledigen können, und minimieren Sie denjenigen Anteil, der Ihre Arbeit zwar perfektioniert, aber das Endresultat nicht mehr wesentlich verbessert.

Lösen Sie sich vom Perfektionismus, indem Sie sich von überhöhten Ansprüchen an die Qualität Ihrer eigenen Arbeit verabschieden. Es genügt vollkommen, dass Sie eine Aufgabe gut bis sehr gut erledigen. Wenn Sie mit angemessenem Arbeitsaufwand ein gutes Konzept erarbeiten, sparen Sie viel Zeit, die Sie sinnvoller in andere Aufgaben investieren können. Zeit bei der Konzepterarbeitung können Sie unter anderem dadurch sparen, dass Sie die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und Teilaufgaben an andere Kollegen delegieren.

Die Kehrseite des Perfektionismus ist Schlamperei. Diese kann durch das Aufschieben von Aufgaben, echten Zeitmangel oder schlicht aus Kapitulation vor dem großen Arbeitsaufwand entstehen. Durch Schlamperei werden Konzepte unvollständig, schlimmstenfalls unbrauchbar, weil sie diffus oder widersprüchlich sind. Das Konzept führt zu Fehlentscheidungen, erfordert zeitaufwendige Nachbesserungen oder findet bei der Zielgruppe nicht die gewünschte Akzeptanz.

Äußere Einflüsse abstellen

Gutes Selbstmanagement bewahrt vor Perfektionismus und Schlamperei. Planen Sie die Arbeit an Ihrem Konzept im Tages- und Wochenablauf ein und reservieren Sie sich feste Zeiten, zu denen Sie telefonisch nicht erreichbar sind und Ihr E-Mail-Programm schließen. Lassen Sie sich nicht von äußeren Einflüssen stören. Kalkulieren Sie deutlich mehr Zeit für die Vorbereitung ein – also für die kreative Ideenfindung, die Informationssammlung, -strukturierung und -interpretation – als für das Ausformulieren Ihres Konzepts.

Die gründliche Vorbereitung Ihrer Konzeptinhalte sollte etwa 60 bis 80 Prozent Ihrer Zeit in Anspruch nehmen, die Ausführung beziehungsweise Ausformulierung hingegen nur etwa 20 bis 40 Prozent. Der Grund: Meist wird der Aufwand der Informationsbeschaffung und -ordnung erheblich unterschätzt, der Aufwand für das Formulieren des Konzepts aber überschätzt. Man glaubt, bereits alles Wesentliche zu wissen und beginnt, das Konzept zu schreiben.

Unsystematischen Arbeitsstil vermeiden

Dann stellt man plötzlich fest, dass noch wichtige Fakten fehlen, ohne die das Gesamtbild unvollständig wäre oder es zu unerklärlichen Widersprüchen käme. Nun beginnen die Nachrecherchen und Informationen werden erneut zusammengetragen. Der Gesamteindruck, der sich aus den neuen Fakten ergibt, lässt alles bereits Ausformulierte inhaltlich hinfällig erscheinen. Die Folge: Auch der Text muss jetzt noch einmal neu geschrieben werden.

Mehrfache Schleifen zwischen Recherchieren, Strukturieren und Formulieren beziehungsweise Vorbereitung und Ausführung zeugen von einem unsystematischen Arbeitsstil und erhöhen den Zeitaufwand. Die Wiederholung von Arbeitsvorgängen lässt sich auch unter Zeitdruck durch gekonnte Recherche, Strukturierung und Gewichtung der benötigten Informationen vor Beginn der Schreibphase vermeiden.

Mit Komplexität von Informationen umgehen

Ein weiteres Problem liegt darin, dass oft unterschiedliche Fakten zueinander in Beziehung gesetzt und dann interpretiert werden müssen. Oft sind die Unterlagen inhaltlich derart heterogen, dass man schlicht keinen Durchblick hat. Insbesondere wenn eine Sachlage widersprüchlich und unklar zu sein scheint, ist es nicht einfach, daraus ein stimmiges Bild und ein schlüssiges Konzept zu entwickeln.

Ein anderes Problem besteht in der Komplexität vieler Sachverhalte. Komplexität ist nicht zu verwechseln mit Kompliziertheit. „Kompliziert“ heißt schwierig, „komplex“ jedoch vielschichtig, miteinander vernetzt oder ein System bildend.

Viele Sachverhalte sind heute nicht nur kompliziert, sondern auch komplex – aber trotzdem handhabbar. Auch für das Abwägen und Interpretieren unterschiedlicher Informationen gibt es qualitativ bewertende wie quantitativ messende Methoden wie zum Beispiel die Morphologische Matrix oder den Papiercomputer. Lassen Sie sich also nicht schon vor Beginn der Konzepterstellung von Scheinproblemen demotivieren.

(3 Bewertungen)  Artikel bewerten
Über die Autorin
Dr. Sonja Ulrike Klug

Sonja Ulrike Klug hat im Auftrag von Dienstleistern und Industrieunternehmen in 25 Jahren mehr als 200 Corporate Books betreut, von denen etliche zu Bestsellern und Longsellern wurden. Sie ist Autorin von 19 Büchern zu den Themen „Corporate Books“, „Unternehmenskommunikation“, „Wirtschafts- und Kulturgeschichte“.

AnschriftThe Expert in Publishing Books®
Menzenbergerstr. 22
53604 Bad Honnef
Telefon+49 2224 902802
E-Mailinfo@buchbetreuung-klug.com
Internetwww.buchbetreuung-klug.com
Xingwww.xing.com/profile/SonjaUlrike_Klug

Weitere Artikel der Autorin