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KonzeptentwicklungBusiness-Manager haben keine Zeit für konzeptionelle Gedanken

Der Hauptgrund dafür, dass Manager keine neuen Ideen entwickeln können, ist die Belastung durch das Tagesgeschäft. Mit negativen Folgen für das Unternehmen.
erschienen: 11.10.2010

Der Befragung zufolge bestehen nur in jedem fünften Fall in zeitlicher und sonstiger Hinsicht günstige Voraussetzungen für die konzeptionellen Aufgaben. Weitere 17 Prozent der Business-Manager sind mit gewissen Abstrichen ebenfalls zufrieden. Bei der großen Mehrheit herrschen kaum ausreichende Bedingungen für kreative Gedanken. Entweder sind sie nach Meinung der Befragten gar nicht (41 Prozent) oder nur sehr eingeschränkt (20 Prozent) möglich.

Als Ursache führen mehr als zwei Drittel der Business-Manager die Belastungen durch das Tagesgeschäft an. Fast ebenso viele beklagen aber auch, dass sie eine zu hohe Informationsflut verarbeiten müssen.

„Wer von einem Meeting zum anderen hetzt und sich dann noch nebenbei mit abstrakten Reports und einer Fülle an Kennzahlen auseinandersetzen muss und dabei nicht einmal präzise zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen selektieren kann, dem fehlt es zwangsläufig an Denkräumen“,

urteilt coretelligence-Geschäftsführerin Marianne Wilmsmeier. Die Business-Verantwortlichen würden in ein festes Verhaltensschema gepresst, sodass sie ihr intellektuelles Potenzial nicht ausreichend einsetzen könnten.

So ist möglicherweise auch zu verstehen, dass in der Erhebung 53 Prozent kritisieren, dass im Jobumfeld keine adäquate Denkatmosphäre besteht. Noch mehr sogar sehen auch keine Anreize, sich kreativ ins Zeug zu legen: Ihrer Ansicht nach werden eigene Denkansätze im Unternehmen sowieso nicht ausreichend honoriert. Wilmsmeier problematisiert:

„Die Kombination von Informationsflut einerseits und andererseits geringer intellektueller Herausforderung im Umfeld widerspricht vollkommen dem immer wieder proklamierten Selbstverständnis der Unternehmen. Es wird Mitgestaltung gepredigt, aber Anpassung gefordert.“

Die Folgen sind erheblich. Denn würden ausreichende Denkfreiräume bestehen, könnten die Manager einen höheren Wertbeitrag für das Unternehmen leisten, käme es zu innovativeren Planungskonzepten und würden intelligentere Problemlösungen entwickelt. Außerdem gäbe es eine stärkere Qualitätsorientierung und hätten die Entscheidungen eine gesichertere Grundlage. Diese Auffassung vertritt eine deutliche Mehrheit der Befragten. Allerdings verweist die Business-Beraterin Wilmsmeier auf die zweite Seite der Medaille:

„Eine Situation zu beklagen reicht nicht aus, man muss sich auch bemühen, die garantiert immer bestehenden Gestaltungsfreiräume aktiv zu nutzen“,

will sie die Fachbereichsverantwortlichen nicht aus ihrer Pflicht lassen.

„Individuelle aber auch kollektive Denkräume müssten heute kein Problem darstellen, trotz stetig steigender Komplexität und Dynamik. Voraussetzung ist ein Umdenken sowie ein bewusstes Auseinandersetzen mit individuellen Informations- und Inhaltskonzepten“,

betont die Geschäftsführerin. Hier liege noch erheblich viel ungenutztes Potenzial – oder wer ist heute zum Beispiel in der Lage zu erkennen, dass Kennzahlen erstaunliche Kreativitätsimpulse liefern können, so Wilmsmeier.

Zur Umfrage

Die Befragung fand unter mehr als 300 Managern der zweiten und dritten Hierarchieebene statt.

Quelle: coretelligence