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Kreative Mitarbeiter fördern und integrieren

Unternehmen brauchen Ideen. Kreative, unangepasste Mitarbeiter können sie liefern. Doch sie müssen auch gefördert und in bestehende Teams integriert werden.
erschienen: 13.04.2011
Schlagwörter: Kreativität, Führung

Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird im Film „The Sozial Network“ als typischer "Nerd" mit eigensinnigen Ansichten und sozialen Defiziten dargestellt. Als überdurchschnittlicher Sonderling, der in seiner eigenen Welt lebt. Harvard-Studienabbrecher Zuckerberg tut sich schwer im Umgang mit anderen Menschen, hat jedoch ein feines Näschen für's Geschäft. Facebook besitzt heute über 600 Millionen Mitglieder und soll geschätzte 60 Milliarden US-Dollar Wert sein. Intelligent, begabt und teamunfähig – so könnte man einen Querdenker beschreiben.

Intelligente Andersdenkende mit guten, kreativen Ideen schwimmen in Unternehmen gegen den Strom. Sie erzeugen Widerstände unter Kollegen und die Argumente der Veränderungsverweigerer sind zahlreich. Der Querdenker steht mit seinen Argumenten alleine da, wird vom Team ausgegrenzt. Grund: Menschen vertrauen gerne auf Bewährtes. Psychologen nennen dieses Verhalten Beharrungstendenz – Widerstand gegen Veränderung. Die Furcht vor Unbekanntem und die Scheu, Risiken einzugehen, lässt Menschen an Vertrautes klammern. Mit Hilfe von gelerntem Wissen werden bekannte Lösungen favorisiert. Unbekanntes und Ungewöhnliches aber bedroht den über Jahre erworbenen Erfahrungsschatz. Die durch konvergentes Denken geprägte Gehirnstruktur ist nicht auf abweichende Verhaltens- und Denkweisen vorbereitet. Das Resultat: Querdenker werden als störend und anstrengend wahrgenommen.

1. Kultur des Widerspruchs fördern

Kreative Menschen geben sich nicht mit dem Status Quo zufrieden. Sie hören nicht auf die Dinge zu hinterfragen. Innovative Unternehmen jedoch ermutigen Mitarbeiter zu widersprechen, denn Querdenker fühlen sich durch eine Kultur des Widerspruchs angeregt, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Das so aufgebaute Bewusstsein für die Notwendigkeit des Widerspruchs baut im Team Verständnis gegenüber Andersdenkenden auf.

2. Individualität zulassen

Wenn Unternehmen freies Denken fördern wollen, müssen sie zuerst den Schalter im Kopf umlegen. Andersartigkeit sollte nicht nur toleriert, sondern zelebriert werden. Vielfalt statt Einfalt. Kreativität entsteht, wenn Individualität zugelassen wird. Wenn jeder gleich denkt, entstehen homogene Ergebnisse. Der erste Schritt zu mehr Querdenkern im Unternehmen führt direkt zur Personalabteilung: Um Andersdenkende ins Unternehmen zu holen, sollten Bewerber mit schwarzen Löchern im Lebenslauf nicht als schwarze Schafe aussortiert werden. Es empfiehlt sich eher, die ungewöhnlichen Erfahrungen des Bewerbers zu prüfen.

3. Verständnis für exzentrisches Verhalten aufbringen

Wenn Führungskräfte ungewöhnliches Denken fordern, dann müssen sie auch mit ungewöhnlichen Verhaltensweisen rechnen. Visionäre Menschen agieren oft kindlich, divenhaft oder übertrieben emotional. Sie verfügen über eine Mischung aus spontaner Gefühlswahrnehmung und vernünftiger Analyse. Oft jedoch ist die Balance zwischen Emotionen und Verstand nicht gegeben. Durch ihre emotional bestimmte Verhaltensweise laufen Visionäre Gefahr, dass Kollegen oder Kunden ihre revolutionären Eingebungen nicht ernst nehmen. Das Potenzial einer Idee wird durch ein nicht adäquates Auftreten schnell verkannt. In Werbeagenturen werden die Ideen dem Kunden daher meistens nicht vom Kreativen selbst, sondern vom Kundenberater präsentiert. Für eine Führungsperson ist es wichtig zu wissen, dass Kreativität eng mit Emotionalität zusammen hängt, und dass es Fingerspitzengefühl bedarf, einen Querdenker zu führen. Querdenker sind Künstler und Künstler sind empfindlich.

4. Das Ventil für kreatives Denken öffnen

Viele kreative Ideen entstehen in Nachtschichten außerhalb des Tagesgeschäfts. Doch nächtliches Arbeiten zehrt auf Dauer an der Gesundheit. Hier können Führungskräfte schnell getaktete Abläufe am Laufen halten, wenn sie ab und zu das Ventil für kreatives Tüfteln öffnen. Eine inzwischen vielfach praktizierte Methode wird von Google vorgelebt: Mitarbeiter erhalten Zeit für eigene Projekte. Google gibt seinen Entwicklern einen Tag pro Woche zur freien Verfügung, um eigene Einfälle zu realisieren.

5. Über die Notwendigkeit zum innovativen Handeln aufklären

Innovationen sind nur möglich, wenn der Status Quo immer wieder hinterfragt wird. So führt ein Einspruch gegen die konforme Meinung der Gruppe zu qualitativ hochwertigen Problemlösungen. Die US-Forscherin Charlan Nehmet von der University of California hat festgestellt, dass eine Minderheitenmeinung die Qualität der Entscheidung im Team selbst dann verbessert, wenn der Vertreter der Meinung nicht richtig liegt. Manager werden dazu gebracht, ihre Entscheidung zu reflektieren und sie eignen sich mehr Wissen und Perspektiven über das Problem beziehungsweise über die favorisierte Lösung an. Damit Einwände von Querdenkern von der Gruppe nicht als störend, sondern als qualtitätssichernd bewertet werden, sollten Führungskräfte die Meinungsvielfalt im Team unterstützen. Diese Informationspolitik führt zur Wertschätzung der Andersartigkeit im Allgemeinen.

6. Vertrauen entgegenbringen

Kreative Ergebnisse sind unvorhersehbar. Das Unvorhersehbare, nicht Kalkulierbare verursacht oft Angst. Das Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu einem Team, minimiert diese Angst. Herrscht im Unternehmen Unsicherheit oder gar Angst, dann werden Meinungen mit Bedacht und mit einer bestimmten Vorhersehbarkeit geäußert. Kreative Gedanken werden unter diesen Umständen eher unterdrückt. Kreativität entsteht, wenn Querdenker aus der Sicherheit des Teams heraus authentisch sein dürfen. Wenn sie von ihren Teammitgliedern akzeptiert und verstanden werden, dann können sie offen sagen, was sie denken. Manchmal reicht schon eine Vertrauensperson im Unternehmen, dem der Querdenker seine Ideen offen erzählen kann. Ein visionärer Denker, der keine Unterstützung im Unternehmen findet, fängt irgendwann an zu zweifeln. Die Vertrauensperson nimmt die Zweifel und gibt Rückendeckung, falls der Grenzgänger sich verlaufen hat oder zu weit gegangen ist. Denn auch Querdenker können sich irren.

Link-Tipp:

Querdenker-Club

 

Über den Autor
Robert Gerlach

Robert Gerlach ist internationaler Kreativtrainer und Inhaber von IQudo. Gegründet 2006 in Stuttgart ist IQudo ein Sport für Weiterdenker. Gemeinsam mit einem vielseitig ausgebildeten Trainerstab trainiert IQudo den Ideenmuskel von Wissensarbeitern. Auf der Kundenliste stehen Blue Chips wie Samsung oder Microsoft sowie Mittelständler wie Herma oder WMF. Robert Gerlach sammelte über 15 Jahre Erfahrungen und Preise als Art Director und Designer in New York, Paris, Hamburg und Barcelona. Er spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Brasil, Portugiesisch und etwas Hochdeutsch.

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