KreativitätMit Innovation Labs die Zukunft planen

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Innovation Labs sind offene und interdisziplinäre Werkstätten – ein Modell für Unternehmen der Zukunft. Doch dazu braucht es Eigenverantwortung, Kreativität und Initiative. Ein Essay von Alexandra Hildebrandt.
erschienen: 02.04.2015
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In seinem Buch „The Business Romantic“ plädiert Tim Leberecht, ehemals Marketing-Chef der Innovationsberatung Frog Design, für „Wertearchitekten“ statt für Manager. Vor allem Kommunikationsexperten seien für den Job prädestiniert, weil sie alle Abteilungen gut kennen und neue Impulse von außen ins Unternehmen hineintragen würden. Aber auch Kreativräume, in denen die Grenzen zwischen interner und externer Öffentlichkeit verschwimmen, und wo die Freiheit des Denkens nicht als Bedrohung empfunden wird, erzeugen „Entwicklungsenergie“, die wir für die Gestaltung der Zukunft brauchen.

Dabei spielt die Unternehmensführung eine wichtige Rolle, weil sie Rahmenbedingungen für das Verhalten der Organisationsmitglieder schafft, um das kongruente Verhalten mit der Markenidentität sowie eine lebendige Unternehmenskultur zu ermöglichen, die zwischen den Menschen ein Gefühl von Gemeinschaft stiftet. Damit verbunden ist die Notwendigkeit, Veränderungsprozesse nachhaltig zu gestalten.

Unternehmen können kein geschlossener Kosmos mehr sein

Kulturwandel ist allerdings nur durch das Finden innovativer Lösungen und das Entwickeln von Ideen möglich. Dazu braucht es ein Umfeld verschieden denkender und talentierter Menschen, in dem sich Grenzgänger, deren Treibstoff die Ideen sind, optimal einbringen. Lange sind Unternehmensbereiche wie ein geschlossener Kosmos gewesen. In vergangenen Zeiten hat das auch funktioniert. Heute allerdings reicht das in einer Welt, „die fortwährend sammelt, vernetzt, verlinkt und somit das Wissen, das es gibt, zusammenhält“ (Hubert Burda), immer weniger.

Kluge und weitsichtige Menschen möchten ein humanes Arbeitsumfeld, das ihre Ideen anerkennt und wo sie sich als Teil einer sinnstiftenden Gemeinschaft fühlen. Das erklärt auch den derzeitigen Boom von Innovation Labs, die ein wichtiger Radar für Chancenfelder von Unternehmen sind und dazu anregen, nicht nur Produkte zu überdenken, sondern auch das Wesen von Beziehungen.

Innovation Labs sind offene und interdisziplinäre Werkstätten

Ein Lab ist eine kleine und flexible Innovationseinheit, die aus einem interdisziplinären Team besteht und durch seine offene und hierarchielose Struktur Neues abseits linearer Unternehmensprozesse entstehen lässt. Das Ziel ist, dem Unternehmen und gleichgesinnten Mitstreitern innovative Kunden- und Mitarbeiterlösungen zu bieten. Es hilft, Themen praxisnah kennenzulernen und Impulse von außen hineinzubringen.

Diese offene und interdisziplinäre Werkstatt und Fortbildungsfläche eröffnet zugleich neue Dimensionen des Lernens. Sehen, fühlen und fassen sind dabei gleichermaßen von Bedeutung. Denn: „Wenn Menschen Dinge sehen, fühlen, mit ihnen interagieren können, dann beginnt ihr Geist sich zu verändern“, sagt Howard Schultz, CEO von Starbucks. In seinem Unternehmen hat er als zurückgekehrter Transformationsmanager einen nachhaltigen Kulturwandel eingeleitet.

Produktivität und Spaß bei der Arbeit

Das Lab versetzt alle – Mitarbeiter, Führungskräfte und Partner – in die Lage, im eigenen Bereich besser zu werden. Es liefert durch die begleitende Forschung und Entwicklung aber auch wichtige Daten für entsprechende Fachbereiche. Zu den Kernbegriffen gehören Eigenverantwortung, Nachhaltigkeit, Open Source, Kreativität und Initiative.

Als Jack Welch noch General Electric vorstand, war Initiative in diesem Konzern etwas, das alle gleichermaßen erfasste. Dazu bedurfte es absoluter Konzentration, immerwährender Offenheit für neue Ideen und Leidenschaft für das, was man tat. Menschen, die das verinnerlichten, nannte er A-Player. Sie waren nicht nur in der Lage, sich selbst, sondern auch alle anderen zu motivieren, die mit ihnen in Kontakt kamen. Produktivität und Spaß an der Arbeit bildeten für sie eine Einheit.

Doch diese Art von Sinnstiftung ist nur dann zu haben, wenn das kleinteilige Denken überwunden und eine weitwinklige Perspektive eingenommen wird – im Bewusstsein, dass es letztlich immer auf die innere geistige Freiheit und aufs Tun ankommt: machen, machen, machen. Daraus entsteht auch der Schwung unternehmerisch denkender Menschen, die stets offen für die nächste Idee sind.

Über die Autorin
Dr. Alexandra Hildebrandt

Alexandra Hildebrandt ist Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin. Sie hat sich auf die Positionierung nachhaltiger Unternehmen und Organisationen, ihrer Leistungen, Produkte und ihrer Kommunikation spezialisiert. Hildebrandt ist Sachbuchautorin, Hochschuldozentin sowie Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative "Gesichter der Nachhaltigkeit".

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