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Liquidität steigernSo finanzieren Sie Ihr Wachstum

Meldet Ihr Vertrieb, dass viele Chancen auf große Abschlüsse bestehen und der Umsatz in diesem Jahr deutlich steigen wird? Aber wie das Wachstum finanzieren?
erschienen: 14.06.2010
Schlagwörter: Finanzplanung, Finanzierung

Lösen Sie Reserven auf

Haben Sie in der Vergangenheit Reserven für schwierige Zeiten gebildet? Diese sollten Sie jetzt auflösen, denn angesichts der Marktlage ist ja ein baldiger Rückfluss an Geldmitteln zu erwarten, mit denen Sie ihre Rücklagen wieder neu bilden können. Die Verwendung von eigenen Mitteln spart meist erhebliche Finanzierungskosten und macht sie in ihren Entscheidungen unabhängiger.

Sprechen Sie mit Ihrer Bank

Die guten Verkaufsaussichten sollten Sie den Ansprechpartnern Ihrer Hausbank nicht vorenthalten. Stellen Sie mittels einer Zeitachse dar, welche Aufträge Sie innerhalb des nächsten Jahres abschließen möchten und wie sich der geplante Zufluss an liquiden Mitteln verhalten wird. Werden Sie dabei möglichst konkret, nennen Sie Auftraggeber und Art der Abschlüsse, um Vertrauen in ihre Unterlagen zu wecken. Wenn Abschlüsse zwar vereinbart, aber noch nicht vertraglich fixiert sind, bitten Sie die Kunden um Absichtserklärungen, die Sie in Kopie bei der Bank vorlegen können.

Verhandeln Sie mit den Lieferanten

Auch Ihre Lieferanten und Dienstleister haben etwas davon, wenn Sie große Abschlüsse erzielen. Verhandeln Sie deshalb über verlängerte Zahlungsziele, die faktisch wie ein Kredit wirken: Sie bezahlen erst dann, wenn ihre Großkunden bezahlt haben. Eventuell kann man sich auf einen schnellen Abschlag einigen, der die Fremdkosten Ihrer Zulieferer deckt, und eine spätere Zahlung der restlichen Summe.

Auch Kunden sind gute Banken

Bei anziehender Konjunktur sind Kunden häufig daran interessiert, sich gute und zuverlässige Lieferanten zu sichern, um Lieferengpässe zu vermeiden. Bei einem guten Vertrauensverhältnis können Sie die Probleme der Zwischenfinanzierung eines Großauftrages durchaus ansprechen. Verhandeln Sie deshalb über Vorauszahlungen und frühzeitige Teilzahlungen bei Erreichen definierter Meilensteine.

Nutzen Sie Fördermittel

Wenn Ihrer Bank die Finanzierung Ihres Wachstums zu unsicher ist, sollten Sie mit staatlichen Förderinstituten wie zum Beispiel Bürgschafts- und Landesförderbanken sprechen. Diese sichern einen Bankkredit mit 80 Prozent, in manchen Fällen mit 90 Prozent der Kreditsumme ab. Die Bank kann Ihr Wachstum also mit deutlich verringertem Risiko finanzieren – falls Sie mit der Rückzahlung Schwierigkeiten haben, springt das Förderinstitut ein. Sprechen Sie Ihre Bankberater auf jeden Fall auf diese Möglichkeit an und informieren Sie sich auch selbst über diese Möglichkeiten. Denn bei Banken sind Förderkredite häufig nicht sehr beliebt, weil die Margen geringer als bei eigenen Finanzprodukten sind und der bürokratische Aufwand nicht unerheblich ist.

Fünf Tipps, wie Sie bei starkem Wachstum liquide bleiben

  • Falls noch nicht vorhanden, führen Sie eine kurz- und mittelfristige Liquiditätsplanung ein, um Lücken möglichst frühzeitig zu entdecken.
  • Führen Sie ein „Worst-Case-Szenario“ ein. Das ist der schlimmste Fall, der eintreten kann, zum Beispiel „Großkunde bezahlt nicht“ oder „Bank kürzt Kreditlinien“. Versuchen Sie, für diese Fälle Handlungsoptionen zu entwickeln.
  • Identifizieren Sie die wichtigsten und kostenintensivsten Wachstumsprojekte und entwickeln Sie ein Monitoring: Dieses beinhaltet die Entwicklung der wichtigsten Kennzahlen, die Sie mit den Verantwortlichen in einer regelmäßig stattfindenden Besprechung diskutieren.
  • Strecken Sie größere Zahlungen, um Liquiditätsabflüsse zu vermeiden. Sorgen Sie gleichzeitig durch ein konsequent durchgeführtes Mahnwesen, dass die geplante Liquidität auch wirklich zufließt.
  • Scheuen Sie bei Fehlentwicklungen nicht vor drastischen Maßnahmen zurück. Lieber ein Projekt gestoppt und den Auftrag verloren als durch fehlende Liquidität Konkurs anmelden müssen!