Management10 Regeln für die Kunst des Managements

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Horst G. Kaltenbach mit einem Seitenhieb auf die heutige Management-Praxis – inklusive Alternativen fürs Verhalten und Handeln.
erschienen: 25.12.2015
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Finde den zu dir passenden Job!

Was ich nicht bin, kann ich nicht zum Geschäft machen. Das heißt: Wenn du eine dürre Figur hast, kannst du nicht Schwergewichtler werden. Wenn du lieber denkst statt redest, taugst du nicht zum Verkäufer. Wenn du gerne Erbsen zählst, bist du nicht der Erfinder. Also: Wer bist du? Sieh in den Spiegel! Welcher Typ guckt dich da an? Passt der eher zum Buchhalter oder mehr zur Führungspersönlichkeit? Kann deine Visage Andere motivieren oder schreckt sie eher ab? Oder schaut dich da ein ausdrucksloser Niemand an?

Wenn dein Spiegelbild nicht zu deinem Beruf passt, wechsle ihn sofort. Mit welchen Dingen hattest du bisher Erfolg? Im technischen Bereich? Dann entwickle dich in einem Job, der rationales, logisches Denken erfordert. Im Umgang mit Menschen? Dann suche Verantwortung in einer Aufgabe, in der Menschen die Hauptrolle haben. Mit Kontrolle und Prüfung? Dann liegen dir Aufgaben, bei denen Ordnung und Sicherheit ausschlaggebend sind. Mit Kreativität und Ideen? Dann solltest du dich für neue Geschäfte engagieren. Wenn du den falschen Job hast, wirst du mit 40 Jahren ausgebrannt oder seelisch krank sein. Mit 50 Jahren arbeitsunfähig.

Sei Teamplayer statt Einzelgänger!

Einzelarbeit ist im Management out. Wenn du zu den Einzelgängern gehörst, werde Bibliothekar oder TÜV-Prüfer. Im industriellen Management, das heißt in der industriellen Zusammenarbeit, geht nichts mehr ohne Teamarbeit. Geht nichts mehr ohne Abstimmung mit Vorgesetzten oder Kollegen. Alle sind Mitstreiter – und zwar im internationalen Austausch. Im Schnitt produzieren Unternehmen zu über 50 Prozent im Ausland.

Wenn also Fragen zur Entwicklung eines Produkts oder zum Vertrieb desselben anstehen, müssen sich die Beteiligten aller Ländergesellschaften abstimmen. Das geht nicht ohne Projektmanagement-Team, in das sich alle einbringen. Heißt natürlich auch, in dem sie sich vielleicht auch alle mal anpfeifen. Das Zusammenwachsen der Mentalitäten gehört dazu.

Zusammenarbeit, ob national oder international, heißt heute Projektmanagement. Mache dich dafür schlau! Hierarchische Anordnungen sind Geschichte. Freilich gibt es nach wie vor Gesamtverantwortliche wie Geschäfts- oder Bereichsleiter. Doch in der Zusammenarbeit ist die Hierarchie verschwunden. Als Chef oder Chefin kannst du heute nur überleben, wenn du in den wichtigsten Projektteams – zumindest teilweise – präsent bist. Und als Einsteiger kannst du nur weiter kommen, wenn du Projektmanagement lernst und darin aktiv wirst. Dazu gehören Mut und Widerspruch statt Gehorsam.

Sei innovativ statt unflexibel!

Sieh dir die Chefs und Führungskräfte in den oberen Unternehmensetagen an. Die meisten glotzen versteinert in die Gegend, eingeschnürt von einer Krawatte. Im Hochsommer tragen sie schwitzend ihre Anzugjacke und gucken gequält. In ihrem Unternehmen sollen sie die Innovationsrate hoch halten, weil das im Wettbewerb überlebensnotwendig ist. Kannst du dir vorstellen, dass ein dermaßen steifer Mensch einen Erfindergeist in seiner Organisation verbreitet? Der Innovationswettbewerb ist heute dramatisch hart geworden. Die Krawattenträger verschlafen diesen Wettbewerb. Viele Branchen produzieren fleißig, aber es fällt ihnen nichts mehr ein.

Schau dir die Chefs von Innovationsführern wie Apple, Microsoft, Amazon oder General Eletric an: allesamt ohne Krawatte, aber gut gelaunt. Kreative Menschen sind ungezwungen und flexibel. Das siehst du an ihrem Gesichtsausdruck, an ihrer Kleidung, an ihrer Bewegung. Dazu gehört auch eine gewisse Sportlichkeit, Fitness. Bewegungstraining, aber ohne Krawatte!

Arbeite ohne Zwang!

Gewerkschaftlich organisiert, fester Arbeitsplatz, Arbeit nach Stellenbeschreibung, Acht-Stunden-Tag, 40-Stunden-Woche, regelmäßige Pausen, sechs Wochen Urlaub: So sieht die Arbeit in der Regel für die meisten Arbeitnehmer aus. Und es zieht sich bis zu den Führungskräften.

Musst du eine Maschine bedienen, ist dafür logischerweise eine feste Arbeitszeitstruktur erforderlich. Kannst du deinen Job allerdings ohne festgelegten Arbeitsplatz verrichten, bringt dir eine betonierte Arbeitsstruktur, sprich feste Präsenzzeiten an einem festgelegten Arbeitsort, nichts. Kreativität ist fast bei jeder Arbeit zunehmend gefordert: denken, dann machen. Wenn in einer bestimmten „Arbeitszeit“ das Denken nicht so richtig klappen mag, dann müsste man folglich zu einer anderen Zeit denken. Doch das dürfen die meisten Arbeitnehmer nicht. Sie müssen in den verordneten Arbeitszeiten und an festgelegten Orten denken.

Feste Arbeitszeit? Wenn ich um 19 Uhr kreativer bin als um 17 Uhr, warum muss ich dann um 17 Uhr nach Hause gehen? Fester Arbeitsplatz? Wenn ich zu Hause besser arbeiten kann und in der Firma nicht präsent sein muss, warum muss ich dann in der Firma arbeiten? Feste Pausenzeiten? Wenn ich in der offiziellen Mittagspause gerade gute Einfälle habe, wieso muss ich zu dieser Zeit Pause machen? Einige wenige Arbeitgeber denken dahingehend gerade um. Warum nicht alle?

Denke vorwärts!

„Gestern war ich wieder in endlosen Besprechungen, die alle nichts gebracht haben.“ „Unsere Kunden stecken nur noch in Schwierigkeiten. Welch mühsames Geschäft.“ Dieses Herummosern ist typisch für Viele. Kollegen regen sich miteinander auf, wann immer sie sich treffen. Das kostet Energie und Zeit – für nichts! Denn: Leben und aktiv werden spielt sich nur im Hier und Jetzt und für die Zukunft ab. Vergangenheit ist tot.

Dreh den Spieß doch einfach um! Denke und sprich nur von morgen und über die Zukunft. Welche Besprechungen bringen etwas? Mach dich dafür stark. Welche Kundschaft ist im Aufwind? Suche das Geschäft mit ihnen. Du wirst sofort Energie spüren. Das überträgt sich auf dein kollegiales Umfeld und auch auf deine Vorgesetzten. Der auf die Zukunft gerichtete, positive Mensch gewinnt – ein psychologisches Grundgesetz.

Wenn du dich stundenlang über Probleme aufregst, verschwendest du Energie. Damit wirst du auch nie Anerkennung erfahren. Wenn du stattdessen über Chancen sprichst, gewinnst du Jeden. Und wenn dich jemand ständig wegen „gestern“ annörgelt? Dann geh einfach weg. Nur so behältst du deine Energie.

Frage statt zu behaupten!

Dein Chef sagt zu dir: „Sie müssen mehr neue Kunden ansprechen, weniger die alten.“ Wenn du nun konterst und behauptest: „Aber die Stammkunden sind noch lange nicht ausgereizt“, erzeugst du zwangsläufig Widerspruch. Chef ist schließlich Chef, und er möchte sich behaupten. Wenn du ihn aber einfach fragst: „Wie meinen Sie das? Warum die alten Kunden weniger ansprechen?“, dann muss er seine Chefrolle nicht verteidigen. Du gehst auf ihn ein und forderst ihn, aber gleichzeitig fühlt er sich durch deine Frage als Experte bestätigt. Das ist ein generelles Erfolgsprinzip.

Wenn dir jemand seine Meinung kundtut und du bist anderer Meinung, kontere nicht, sondern frage nach dem Grund seiner Meinung. So erzeugst du gute Stimmung. Wenn du konterst, kommt Gegenwind, und in der Regel folgt Eskalation, bis zum Sturm. Das kostet Energie. Wähle also den einfachen Weg der guten Stimmung. Wenn du mit einem Thema einen Dialog beginnst, dann frage ebenfalls: „Was meinen Sie, sollten wir ...?“. So machst du dir dein Gegenüber zum Gefolgsmann. Probiere es aus!

Powere und entspanne!

Meetings, Meetings, Meetings – das ist der weit verbreitete Zirkus im Management. Hier wird nur eingeschränkt konzentriert gearbeitet. Stattdessen eingehende Anrufe und Nachrichten auf dem Handy überprüft und Notizen geschrieben. In der Pause Fast Food heruntergewürgt. Dabei übers Geschäft geredet. Abends geht es daheim weiter: Den Körper mit Power-Jogging fordern, schnell die Zeitung überfliegen, um dann mit der Familie bei den TV-Nachrichten das Abendbrot hinunterzuschlingen. Wer das so macht, ist mit 40 Jahren in der Regel ausgepowert, kann keine wirkliche Leistung mehr bringen. Leistung heißt nämlich, ein positives Ergebnis zustandezubringen. Doch ausgepowert kannst du nur abarbeiten, aber nichts mehr ausarbeiten.

Echte Power ist gesunde Power. Dreh den beschriebenen Spieß einfach um: Meeting nur, wenn es wirklich unverzichtbar ist. Aber dann voll konzentriert. Pausen mit echter Entspannung. Gesunder Mittagstisch, ohne Geschäftsdiskussionen. Nach Geschäftsschluss körperliche Bewegung, die entspannt und so das Gleichgewicht von Körper und Geist wieder herstellt. Dann mit der Familie oder dem Partner in Ruhe anstehende Themen besprechen. Wenn du alleine lebst, dann ist vielleicht ein vergnüglicher Tratsch in deiner Stammkneipe das Richtige. Amerikanische oder auch britische Geschäftsleute können sich in Pausen wirklich entspannen. In der Geschäftszeit aber powern sie. Memo: Echte Power erfordert Anspannung und Entspannung.

Bringe Dinge auf den Punkt!

Der eklatante Mangel an Zeit ist in unserer Gesellschaft leider Normalität geworden. Die Geschäfte müssen immer schneller abgewickelt werden. Auf eine Arbeitskraft kommen ständig mehr Aufgaben zu. Chefs verantworten einen zunehmend größeren Bereich, auch international. Alles muss also sehr konzentriert ablaufen, schnell auf den Punkt gebracht werden.

Demgegenüber stehen die Möchtegern-Manager mit ihren langatmigen Reden. Kritik um der Kritik willen, nur um zu blenden, sich herauszustellen. Nicht auf den Punkt kommen, weil man sich dann nicht festlegen muss. Doch im heutigen Geschäftsumfeld haben diese Typen keine Chance mehr. Zeit ist extrem kostbar geworden.

Trainiere deshalb, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Verfasse E-Mails möglichst kurz. Lass alle Wenns und Abers weg. Tausche dich in Pausen auch einmal in Ruhe aus, bringe es bei der Arbeit aber wieder kurz auf den Punkt!

Entferne die Masken!

Viele Menschen schauen ausdruckslos und bierernst drein. Aber das ist oft nicht echt, denn auch diese Menschen haben Gefühle. Das stellst du fest, wenn du auf sie eingehst, lächelst, vielleicht eine nette Bemerkung machst. Ihr Gesicht wird plötzlich lebendig und sie lächeln.

Gerade im Geschäftsleben laufen viele wie mit einer Totenmaske herum. Einerseits aus Zeitdruck, andererseits aus Unsicherheit. Die meisten scheuen sich, Gefühle zu zeigen. Wenn sie traurig sind, sich freuen, zornig oder enttäuscht sind, verstecken sie es mit einem neutralen Gesicht. Doch Gefühle sind dem Denken überlegen.

Wenn du deinen Gefühlen freien Lauf lässt, kommt dein Gehirn erst so richtig in Fahrt. Unterdrückst du deine Gefühle, setzt dein Denken aus. Probiere es aus: Schaue ausdruckslos durch die Gegend. Du kannst keine Gedanken fassen, weil du dich nicht mit den Dingen befasst. Wenn du deine Umgebung wirklich wahrnimmst, zeigt dein Gesicht, zeigen vor allem deine Augen eine Reaktion. Du guckst interessiert, vielleicht nachdenklich oder auch erstaunt. Wenn du Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden dazu bringst, ihre Masken abzulegen, hast du Freunde, denn das tut ihnen gut.

Bewahre und verändere!

„Schritt für Schritt, geh auf Nummer sicher!“ contra „Lass dir etwas einfallen, wir brauchen neue Produkte!“ Diese Vorgaben hängen mit dem Geschäftszyklus zusammen, in dem sich ein Unternehmen gerade befindet. Wenn ein Sortiment gute Verkaufszahlen aufweist, will man das absichern und nicht durch Hau-Ruck-Aktionen gefährden. Wenn die Verkaufszahlen ehemals erfolgreicher Produkte sinken, braucht es eine Auffrischung im Sortiment. Dazu gehören Ideen.

Diese immer wiederkehrenden Konfliktsituationen sind normal, zeigen sich in den Entwicklungskurven eines jeden Unternehmens. Aber jede dieser Situationen erfordert andere Managementkünste. Absichern und bewahren braucht kühle, Neues wagen und einführen kreative Köpfe. Beides gleichzeitig gibt es selten. In der Organisation eines Unternehmens sollten beide Charaktere vertreten sein. Je nach Geschäftssituation sind mal die einen, mal die anderen intensiver gefordert. Das Unternehmen, das Management durch diese Zyklus-Kurve zu steuern, ist heute die wichtigste Aufgabe der Geschäftsleitung. Diese Managementkurve entspricht der Produktlebenskurve: Produktgeburt, Markterfolg, Sättigung, Neugeburt. Diese Erkenntnis ist heute so aktuell wie nie zuvor.

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