MikropolitikSo setzen Mitarbeiter ihre persönlichen Interessen durch

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Tricksen, täuschen, bluffen. Nur wer die ungeschriebenen Spielregeln im Unternehmen kennt, kann sie nutzen, um die eigenen Interessen zu verfolgen.
erschienen: 03.01.2013
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Management-Handbücher, Stellenbeschreibungen, Organigramme, Ablaufpläne und Arbeitsanweisungen sollen das Geschehen in einem Unternehmen beschreiben und vorgeben, was alle Manager und Mitarbeiter zu tun haben. Sie können das aber nur zum Teil. Meistens wird das Unternehmen (wie jede Organisation) von ganz anderen Spielregeln beherrscht. Das alltägliche Verhalten der Menschen in der Organisation kann erheblich von dem abweichen, was „in der Theorie“ erwartet wird.

Was sind die wirklich wichtigen Instrumente eines Managers, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen? Sicherlich gehören Kompetenz, Disziplin, Fleiß und Ausdauer dazu. Aber reichen diese Eigenschaften aus? Sind persönliche Netzwerke und strategisch-taktisches Handeln nicht mindestens genauso wichtig? Wer in seinem Unternehmen erfolgreich sein und vorankommen will, agiert vor allem eigennützig. Das Wohl des Unternehmens steht hinten an.

Die Mitarbeiter sind darauf bedacht, ihre Stellung im Unternehmen abzusichern, keinen Ärger zu bekommen oder ihn auf andere abzuleiten. Sie durchkreuzen die Pläne ihrer Vorgesetzten und Kollegen, weil sie um ihre Stellung, ihren Einfluss und manchmal auch einfach um ihren Job fürchten. Andere wollen ihre Karriere voranbringen, ihre Meinungen und Ansichten durchsetzen, Anerkennung erfahren oder sogar ihre Psychosen ausleben. Mit sogenannten mikropolitischen Verhaltensweisen wollen sie sich und anderen etwas beweisen.

StichwortMikropolitik

Mikropolitik ist ein Arsenal von vielen kleinen alltäglichen Methoden und Verhaltensweisen, mit denen innerhalb von Organisationen persönliche Macht aufgebaut und eingesetzt wird. Mitarbeiter in Organisationen verfolgen nicht nur die Organisationsziele, sondern im Sinne eines Machtkampfes auch Eigeninteressen (strategischer Eigensinn, selbstbezogene Interessen). Durch mikropolitisches Verhalten gestalten alle Mitarbeiter informelle Spielregeln, soziale Strukturen und menschliche Verhältnisse in Organisationen (Unternehmen) mit.

Gute und schlechte Seiten von Mikropolitik

Aus Sicht eines Unternehmens ist Mikropolitik dann besonders schlecht, wenn die persönlichen Ziele gegen die Unternehmensziele gerichtet sind, mit ihnen nicht zusammenpassen oder diese sogar sabotieren. Die Organisation funktioniert nicht mehr richtig und das Unternehmen kann wirtschaftlichen Schaden erleiden.

Mikropolitik kann aber auch positive Effekte haben. Manchmal ist sie Quelle für Flexibilität oder notwendige Veränderungen. Mit ihr werden starre und überkommene Regelungen aufgebrochen – durchaus auch zum Wohle des Unternehmens. Wenn ein junger Mitarbeiter in seinem ersten Projekt eine Chance auf einen wichtigen Karriereschritt sieht und sich entsprechend besonders für den Projekterfolg einsetzt, dann fallen persönliche Interessen und Unternehmensziele zusammen.

Um negative Effekte der Mikropolitik einzugrenzen und positive zu nutzen, muss mikropolitisches Verhalten erst einmal erkannt werden. Michael Schiffinger und Johannes Steyrer von der Wirtschaftsuniversität Wien untersuchten vor einigen Jahren in einer Studie genauer, wie sich mikropolitisches Verhalten zeigt und wie es die Karriere fördert. Sie analysierten eine anonyme Stichprobe von 201 Erwerbstätigen in Österreich. Solches Verhalten zeichnet sich dadurch aus, dass man andere Personen im Unternehmen meist heimlich und verdeckt so beeinflusst, dass deren Verhalten und Handeln einem selbst nutzt.

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