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Energiekosten 2012Strom sparen mit IT

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Explodiert 2012 der Strompreis? Unternehmen fürchten genau das. Eine Lösung: Maßnahmen in der IT, die Stromfresser eliminieren. Wie es gehen kann, zeigt unser Experte.
erschienen: 19.12.2011
Schlagwörter: Informationstechnik

Nur die wenigsten Unternehmen bedenken, dass die IT-Ausstattung der größte Energiefresser ist. Angefangen bei der Wahl des Arbeitsplatzrechners bis hin zum Internetserver: Die IT-Infrastruktur ist der beste Hebel, um die Energiekosten im Unternehmen langfristig zu senken. Wer Tausende Euro pro Jahr spart, den treffen steigende Energiepreise weniger hart.

Einsparpotenzial bei Arbeitsplätzen

Ein durchschnittlicher PC-Arbeitsplatz verbraucht pro Jahr 201 Kilowattstunden (KWh) Strom. Das hat die BITKOM-Studie „Ressourceneffiziente Arbeitsplatz-Computerlösungen 2020“ ergeben. Ein Mini-PC benötigt nur 74 KWh und damit weniger als die Hälfte. Dabei ist er für die üblichen Büroanwendungen ebenso geeignet wie ein herkömmlicher PC. Noch energiesparender sind Notebooks mit 65 KWh Jahresverbrauch. Am besten schneiden mit 43 KWh sogenannte Thin Clients ab, auf denen sich keine Programme mehr befinden. Bei einem Gewerbestrompreis von rund 21 Cent wird schnell deutlich: Schon bei 100 KWh Unterschied im Stromverbrauch sparen Unternehmen pro Arbeitsplatz und Jahr rund 21 Euro. Bei 50 Mitarbeitern sind das 1.050 Euro, bei 500 Mitarbeitern schon 10.500 Euro.

Vor einer Neuanschaffung sollten Unternehmen den Energieverbrauch ihrer Computerausstattung ermitteln und in ihrer Entscheidung funktional vergleichbare und energieeffizientere Geräte wie Mini-PCs oder Notebooks berücksichtigen. Diese sind zudem platzsparend, geräuscharm und energie- beziehungsweise materialsparend. Bei der Auswahl der Geräte sind Energie-Labels wie der EU Energy Star, die EU-Blume oder der Blaue Engel eine gute Orientierungshilfe.

Virtualisierung und Cloud Computing können helfen

Wenn beispielsweise im Rechenzentrum des Providers Virtualisierungstechniken eingesetzt werden, kann der Energieverbrauch erheblich reduziert werden. Bei der Virtualisierung ersetzt ein leistungsstarker Server mehrere physische Server. Zusätzlich werden manche Komponenten erst bei Bedarf gestartet oder deren Leistung verstärkt. In großen Rechenzentren laufen auf einem physischen Server bis zu 64 Anwendungen, die normalerweise einen eigenen Server benötigen würden. Dies senkt nicht nur die Hardwarekosten, sondern pro Anwendung auch den Energieverbrauch um zirka 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Betrieb eines eigenen Servers. Eine der Hauptursachen von Stromverschwendung sind auch Server, die weiterlaufen, obwohl sie seit Jahren nicht mehr benutzt werden. Das kann zum Beispiel der firmeneigene Mailserver sein, der längst extern vom Provider betrieben wird.

Außerdem kann es sich auch für kleine Betriebe lohnen, auf Cloud Computing zu vertrauen und die jeweils benötigte Rechenleistung, Speicherkapazitäten und Software über das Internet zu beziehen. So kann je nach Bedarf aufgestockt werden und das ist weitaus günstiger, als diese Leistungen fest einzukaufen. Das mögliche Einsparpotenzial kann mit Cloud-Rechnern im Internet berechnet werden.

Hinweis

Wer Unterstützung bei der Auswahl eines so genannten Grünen Providers sucht, kann beim Forschungsprojekt „Green Software Engineering“ der Fachhochschule Trier nachsehen. 

Tipps zum Energiesparen für Unternehmen

  1. Achten Sie bei der Auswahl des Internet-Providers darauf, dass dieser den Stromverbrauch Ihrer Server nicht mit einem Pauschalpreis berechnet, sondern verbrauchsabhängig.
  2. Entscheiden Sie sich bei der Neuanschaffung von Computern und Monitoren für funktional vergleichbare und energieeffiziente Geräte wie zum Beispiel Mini-PCs oder Notebooks. Diese sind für die üblichen Office-Anwendungen ebenso geeignet wie ein großer Arbeitsplatzrechner – platzsparend, geräuscharm, energie- und materialsparend.
  3. Eine hilfreiche Orientierung bei der Geräteauswahl bieten anerkannte Zertifizierungen wie etwa der EU Energy Star, die EU-Blume, der Blaue Engel oder das Energie-Label der Group of Energy Efficient Appliances (GEEA). Fallen Sie dabei nicht auf selbstgebastelte Zertifikate und unseriöse Label herein!
  4. Prüfen Sie Ihre Netzwerkkomponenten, denn durch schlaue Schnittstellen, die sich automatisch in den Schlafmodus versetzen, lässt sich bis zu 70 Prozent Energie sparen.
  5. Weniger physische Server sparen nicht nur Geld für die Hardware, sondern gleichzeitig auch Strom. Setzen Sie daher lieber auf Virtualisierungskonzepte, bei denen mehrere Anwendungen auf einem Server laufen können.
  6. Wenn Sie ein eigenes Rechenzentrum oder einen eigenen Server im Haus betreiben, sollten Sie großen Wert auf sinnvolle Klimatisierungs- und Belüftungskonzepte legen.
  7. Stellen Sie sicher, dass Server, die nicht mehr benötigt werden, auch als solche identifiziert werden. Wohl eine der Hauptquellen von Stromverschwendung sind Server, die laufen, obwohl darauf schon seit Jahren keine einzige Applikation mehr aktiv ist. Beispiele: alte Testumgebungen, der Mailserver, dessen Betrieb längst der Provider übernommen hat oder der Groupware-Server mit alter Groupware, die nicht mehr genutzt wird.

Hinweis

Nach einem Bericht des Handelsblatt rechnet der deutsche Mittelstand laut einer Forsa-Studie 2012 mit steigenden Energiekosten.

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Über den Autor
Sebastian von Bomhard

Sebastian v. Bomhard leitet als Vorstand die Geschäfte der SpaceNet AG. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die stetige Optimierung der Geschäftsprozesse, den Ausbau strategischer Netzwerke sowie das wirtschaftlich solide Wachstum des Unternehmens. Zuvor war er als DV-Unternehmensberater, Software-Entwickler und Journalist für diverse IT-Magazine tätig.

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