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MitarbeiterbegeisterungVier gute Gründe die Mitarbeiter zu begeistern

Die Motivation der Mitarbeiter lässt in einigen Unternehmen zu wünschen übrig. Doch Arbeit kann auch Freude machen und davon profitiert nicht nur der Einzelne, sondern das ganze Unternehmen.
erschienen: 02.08.2010

Der Alltag in vielen Unternehmen sieht heute so aus: Mitarbeiter sehnen den wöchentli­chen Landgang herbei, den nächsten Urlaub, die Rente oder zumindest das nächste Wochenende. Über erschreckende Studien zur Motivation wird berichtet und Arbeitnehmer feiern fröhlich jeden „Brückentag“ und spätestens am Freitag startet das ganze Land ins echte (Freizeit-) Leben. Und da komme ich und will Sie zur Mitarbeiterbegeisterung motivieren? Genau das! Denn Sie als Chefin oder Chef, egal ob Geschäftsführer, Abteilungsleiter oder Teamleiter, sind der Schlüssel in diesem Spiel.

Wer es als Chef heute wagt, gegenüber seinen Mitarbeitern vom „Unternehmensboot“ zu reden, in dem alle gemeinsam sit­zen, erntet häufig nur noch matte Seufzer, nicht selten zynische Sprüche. Kein Wunder, denn das Bild ist ebenso treffend wie gewagt: Zwar kann man mit einem Schiff große, ferne Ziele er­reichen, wenn alle zusammenhalten. Man kann jedoch auch ge­meinsam Schiffbruch erleiden. Und zweifellos kommt es auf ei­nem Schiff tatsächlich auf jeden Einzelnen an, wenn die Reise ein Erfolg werden soll – vom Matrosen bis zum Kapitän. Doch auf der Kapitänsbrücke lebt es sich vielleicht ein bisschen an­genehmer als im Unterdeck. Es soll ja Schiffe geben, auf denen der einfache Matrose nie erfährt, dass der Kapitän seine Arbeit wirklich zu schätzen weiß.

Führung als Schlüsselfaktor

Boot ist eben nicht gleich Boot. Wer die Traumschiff-Filme kennt, weiß, dass dort die Kunden/Passagiere rundherum verwöhnt und vor allerlei Unbill bewahrt werden. Möglich ist das nur durch eine engagierte Crew, die eisern zusammenhält und auch mal ungewöhnliche Wege geht. Dabei liegt es am Kapitän und der Chefstewardess, ob das Team an Bord in jeder Hinsicht mit Verve die Segel setzen oder sich in den Schmollwinkel der in­neren Kündigung zurückziehen und nur das Allernötigste bewe­gen. „Mitarbeiter verlassen nicht Unternehmen, sondern Vorge­setzte“, formulierten die Gallup-Forscher schon vor Jahren.

Gerne spielen die Chefs beim Thema „Mitarbeiterbegeisterung“ den schwarzen Peter zurück: Man tue ja alles, doch man habe wohl die falschen Leute. Die seien einfach träge, desinteressiert, müde. Was man nicht alles versucht habe… Ich frage in sol­chen Momenten die Chefs gerne, was Sie denn unter „alles“ verstehen. Oft stellt sich dann heraus, dass sie ordentliche Ge­hälter bezahlen, jährlich einen Betriebsausflug spendieren und Mitarbeiter auf Seminare schicken. Doch das alleine reicht heute nicht einmal mehr dazu, ein Traumschiff seetüchtig zu hal­ten.

Warum Mitarbeiterbegeisterung kein „Luxus“ ist

Mancher scheint beim Stichwort „Mitarbeiterbegeisterung“ Ge­heimtipps für Mitarbeiterbespaßung zu erwarten – zwischen­durch mal ganz nett, doch irgendwie am Unternehmens­alltag vorbei. Die Idee, dass Arbeit Freude machen kann und soll und dass davon nicht nur der Einzelne, sondern auch das Unternehmen profitiert, ist vielen Menschen fremd. Die „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“-Mentalität ist weit verbreitet.

„Im Schweiße unseres Angesichts“ sollen wir unser Brot essen, heißt es in der Bibel (1 Mose 3, 19); und die protestantische Ethik erkennt in einem asketischen Arbeitsleben den gottgefälligen Weg ins Himmelreich. Kurz: „Arbeit“ und Spaß oder gar „Be­GEISTerung“ werden meist als Gegensätze verstanden. Und wer nicht in den allgemeinen Jammerchor („Stress!“, „Chaos-Pro­jekt!“, „Unfähiger Chef!“) einstimmt und gesteht, er arbeite gern, erntet ungläubige bis scheele Blicke. Doch es gibt tat­sächlich naheliegende Gründe, warum Sie als Chef ein großes Interesse an begeisterten Mitarbeitern haben sollten:

Grund 1: Sie brauchen Mitarbeiter, die mitdenken

Unstrittig ist, dass unsere Arbeitswelt in den letzten Jahren immer komplexer geworden ist. Neue technische Möglichkeiten, etwa Computer und Internet, haben Prozesse enorm beschleunigt. Immer mehr „einfache“ Tätigkeiten werden automatisiert, und die verbleibenden Arbeitsplätze stellen höhere Anforderungen an die Mitarbeiter als früher. Jeder Kfz-Mechaniker muss heute mit digitalen Messgeräten umgehen können; wer im Baumarkt arbeitet, die komplizierte Lagerlogistik beherrschen.

Gleichzeitig sind die Kundenansprüche gewachsen. Vor fünfzig Jahren hatte der Kunde die Auswahl in einem überschaubaren Heimwerker­sortiment, heute erwartet er passgenaue Lösungsangebote aus einem Riesenangebot. Die lassen sich nicht in der Chefetage vorplanen und von oben diktieren. Kurz: Sie brauchen mitdenkende (zum Mitdenken bereite!) Mitarbeiter. Wer innerlich ge­kündigt hat, befindet sich auf der Arbeit allerdings meist auch im „Denk-Streik“, und wer Dienst nach Vorschrift schiebt, tut nur das Nötigste.

Umgekehrt gilt: Wer Spaß an seiner Arbeit hat, denkt sogar besser! Forscher der Harvard Business School fanden unlängst heraus, dass gute Stimmung am Arbeitsplatz sich positiv auf Engagement, Arbeitsqualität und Produktivität aus­wirkt – sogar mit einer gewissen Langzeitwirkung: „Wer gute Laune hat, ist zum Beispiel noch einen Tag später signifikant kreativer“, hieß es vor Kurzem im Harvard Business Manager.

Grund 2: Sie brauchen Mitarbeiter, die Kunden begeistern.

Rufen Sie sich bitte kurz in Erinnerung, wann Sie selbst als Kunde das letzte Mal richtig begeistert waren. Woran lag das? Am tollen Produkt oder am tollen Service? Begeistert sind wir in der Regel dann, wenn wir positiv überrascht werden – wenn wir als Kunden mehr bekommen, als wir erwartet haben. Dieses „Mehr“ sind in der Regel nicht die 1.000 extra Bonusmeilen oder die weitere Zusatzfunktion am Handy, sondern der Verkäufer, der uns endlich mal verständlich erklärt, wie das Ding funktioniert, oder die Mitarbeiterin der Airline, die uns mit Blick auf unseren Gipsfuß ein Upgrading ermöglicht: „Da sitzen Sie mit Ihrem verletzten Bein bequemer!“ Menschenerlebnis geht vor Materialerlebnis. Dass Produkte immer besser werden und Unternehmen uns mit Rabatten und Bonuspunkten ködern, sind wir längst gewöhnt. Dass wir als Kunden durchschnittlich bis lieblos behandelt wer­den, leider auch. Hier haben Unternehmen die Chance, echte Überraschungsmomente zu bieten und Kunden zu begeistern. Das wiederum geht nur mit Mitarbeitern, die ihren Job mit BeGEISTerung machen.

Grund 3: Sie haben kein Geld zu verschenken

Schlechte Stimmung im Unternehmen kostet Geld – jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Es kostet Sie Geld, wenn unfreundli­che Mitarbeiter Kunden vergraulen. Dabei genügt fatalerweise häufig ein „fauler Apfel“, um die Stimmung im ganzen Team zu trüben. Laut Deutschem Marketingbarometer gehen zehn Prozent aller Kunden durch Umzug verloren, 18 Prozent durch „neue Gewohnheiten“, aber 70 Prozent durch „unfreundliche beziehungsweise nicht unternehmensorientierte Mitarbeiter“.

Es kostet Sie Geld, wenn demotivierte Mitarbeiter froh über jeden Schnupfen sind, der ihnen einen „gelben Schein“ ermöglicht. „Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit hoher Bindung an ihr Unternehmen weisen im Durchschnitt 4,3 Fehltage auf, diejenigen mit geringer Bindung hingegen 10,0 Fehltage“, schreiben die IFAK-Forscher zum „Arbeitsklima-Barometer 2008“. Die Gallup-Forscher schätzen den wirtschaftlichen Schaden der Motivationsmisere auf die kaum vorstellbare Summe von 92 bis 121 Milliarden Euro jährlich. Und es kostet Sie Geld, wenn frustrierte Mitarbeiter im Extremfall das Unternehmen aktiv schädigen, einen Virus ins Intranet schleusen, die Steuerfahndung alarmieren oder ein Projekt be­wusst an die Wand fahren. Die Zeitschrift Capital bezifferte im Januar 2008 den Schaden für Unternehmen durch solche „Ra­cheakte“ für das Jahr 2007 auf 1,6 Milliarden Euro.

Grund 4: Mitarbeiterbegeisterung bereichert auch Ihr Arbeitsleben!

Was macht mehr Spaß: Aufseher auf einer Galeere zu sein oder Traumschiff-Kapitän? Natürlich eine rhetorische Frage. Doch von einem begeisterten Ausfüllen der Führungsrolle sind viele Chefs im Alltag (see)meilenweit entfernt. Sie reiben sich in der Fülle der Aufgaben auf, klagen über unselbstständige Mitarbei­ter und Rückdelegation, immergleiche Fehler und Missstände, Druck von „oben“ und „unten“ gleichermaßen, und sie empfin­den ihr Gehalt zunehmend als Schmerzensgeld.

In manchen Un­ternehmen ist die Stimmung kaum besser als auf der legendä­ren Bounty kurz vor der Meuterei. Als Außenstehender bekommt man das Gefühl, dass sich hier alle miteinander das Leben möglichst schwer machen, um sich anschließend zu Hause über diese gemeinsam verursachte Misere bitter zu beklagen. Viel­leicht ließe sich das Spiel ja auch nach anderen Regeln spielen? Dass das möglich ist, beweisen Unternehmen ganz verschiede­ner Branchen, die sich der KundenBegeisterung verschrieben haben und deren Führungscrew weiß: Dieses ambitionierte Ziel ist nur mit begeisterten Mitarbeitern zu erreichen.

Hinweis

Mehr dazu gibt es ab Mitte November im Buch von Ralf R. Strupat:

Der Eier­tanz. MitarbeiterBegeisterung als entscheidender Führungsfak­tor

[Bild: Fotolia.com]