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Mittleres ManagementArbeitsstress gefährdet Gesundheit

Müde, lustlos, ausgebrannt. Es ist ein Phänomen, das schon längere Zeit bekannt ist: Immer mehr Erwerbstätige fühlen sich durch ihre Arbeit erschöpft und ausgepowert.
erschienen: 25.03.2010

Unternehmen entlassen Mitarbeiter und werden schlanker, die übrig gebliebenen müssen die Arbeit ihrer ehemaligen Kollegen mit erledigen. Sie erhalten zusätzliche Aufgaben, sind für den Profit verantwortlich oder müssen immer mehr Projekte nebenbei machen. Die Prozesse im Unternehmen werden komplexer und die Leute vor Ort müssen dafür einstehen, dass sie funktionieren.

So steigt der Termin- und Leistungsdruck enorm an. Die Arbeit wird nicht unbedingt mehr, aber sie wird qualitativ anspruchsvoller. Das führt oft zu Stress, dem zweitgrößten beruflich bedingten Gesundheitsproblem nach Rückenschmerzen.

Mittleres Management besonders betroffen

Der Druck ist nicht für alle gleich groß. Oft sind es Personen im mittleren Management, die an Schlüsselpositionen sitzen und dafür Sorge tragen müssen „dass der Laden läuft“. Im Fachjargon werden sie auch als „Boundary Spanner“ bezeichnet. Sie sind die Schnittstelle zwischen Abteilungen oder Ansprechpartner für Kunden und Lieferanten. Das Unternehmen ist auf Ihr Know-how und ihr Engagement angewiesen – und nutzt dies intensiv aus. Diese Personen empfinden es oft als eine besondere Wertschätzung, wenn ihre Leistung ständig gefragt ist.

Work-Life-Balance

So lange der eigene Einsatz und die Wertschätzung durch Vorgesetzte und Kollegen in Balance sind, werden solche Situationen von den Betroffenen meistens bewältigt. Wenn es aber zu einer dauerhaften Unter- oder Überforderung ohne Aussicht auf Anerkennung und Wertschätzung kommt, ist Stress eine Folge. Der wiederum schwächt das Immunsystem, führt zu Herz-Kreislauf-Problemen oder erhöht das Suchtrisiko.

Was kann ich tun?

  1. Problem erkennen und sich selbst eingestehen, dass man unter Stress leidet.
  2. Zeit richtig managen. Einige einfache Methoden und Werkzeuge helfen, um Wichtiges von Dringlichem zu unterscheiden und wieder Kontrolle über seine eigene Zeit zu gewinnen.
  3. Lernen, Nein zu sagen, um sich ausreichend Puffer und Ressourcen zu verschaffen, damit die Aufgaben bewältigt werden.
  4. Pausen machen, indem man „Zeitinseln“ im Tagesablauf einbaut, in denen bewusst nichts gemacht wird; langsame und gleichmäßige Atmung, Lächeln, Spazieren gehen, frische Luft genießen.

Gelassener sieht dies Hinderk Emrich, Leiter der Abteilung klinische Psychiatrie und Psychotherapie an der medizinischen Hochschule Hannover. Emirch über „gestresste“ Manager:

„Diese Leute trinken zwar häufig zu viel Alkohol, aber sie funktionieren. Ein Burnout-Syndrom verspüren sie eher nicht, solange sie Leistung erbringen, sondern erst, wenn sie diese Leistung nicht mehr erbringen dürfen, etwa nach der Entlassung oder Pensionierung.“

[Bild: Thrikz - Fotolia.com]