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MontagsbluesWarum wir Montags weniger Leistung bringen

Montags fühlen sich viele Berufstätige schlapp, müde und schlecht gelaunt. Häufiger Grund dafür ist ein unregelmäßiger Schlafrhythmus am Wochenende.
erschienen: 14.02.2011

Jeder sechste Erwerbstätige klagt hierzulande laut forsa-Umfrage (1) über fehlenden Tatendrang und Mattigkeit nach dem Wochenende; bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar doppelt so viele. Die größte Gruppe der Montagsmüden machen Angestellte und Arbeiter aus; Selbständige und Beamte sind seltener betroffen.

Mehr als zwei Drittel der Montagsmuffel kommen gemäß forsa montags nicht aus dem Bett, über die Hälfte fühlt sich matt und zerschlagen, und 35 Prozent fällt es schwer, sich zu konzentrieren.

"Einige unter uns gehen quasi im Halbschlaf zur Arbeit",

sagt Dr. Alexander Blau, Arzt und Schlafforscher an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Nach der Zeitumstellung im Frühjahr sei der Montagsblues besonders heftig (2).

Abendtypen und Langschläfer besonders betroffen

Besonders gefährdet für miese Stimmung am Montag sind alle, die am Wochenende ausschlafen, meint Blau. Abendtypen oder Nachteulen beispielsweise schlafen unter der Woche nur fünf, sechs Stunden - obwohl der Durchschnittsdeutsche mindestens sieben zur Erholung braucht - und sammeln so ein Schlafdefizit an. An den freien Tagen wird dann ausgeschlafen. Gleiches gilt für die Langschläfer: Am Wochenende dürfen sie endlich mal im Bett bleiben. Auch wer feiert und dann bis mittags schläft, steuert auf einen Montagsblues zu. Denn Schlafforscher wie Blau sehen den veränderten Tagesrhythmus am Wochenende als Ursache.

Tagesablauf hormonell reguliert

Normalerweise schüttet der Organismus regelmäßig bestimmte Hormone aus: Melatonin, wenn man schlafen soll und Kortisol, wenn die Nacht ihrem Ende zugeht (3). Wer am Wochenende den Tag zur Nacht macht, bringt diesen sensiblen Rhythmus durcheinander. Das kann mitunter sogar tödlich sein: So sterben montags besonders viele Menschen an Herzproblemen (4). Blau sagt:

"Ein Grund könnte der erhöhte Blutdruck infolge eines starken Stressgefühls am Montag sein."

Chronotyp verändert sich im Alter

Die forsa-Umfrage zeigt auch, dass ältere Menschen weniger Probleme mit dem Aufstehen am Montag haben. Die Wissenschaft bestätigt das Phänomen: Der Chronotyp verändert sich mit der Zeit (5). Wer in jungen Jahren eine Nachteule ist, bleibt das nicht unbedingt sein Leben lang.

"Je älter wir werden, desto mehr Frühtypen sind unter uns",

sagt Blau. Ein Grund dafür könnte sein, dass ältere Menschen auch am Wochenende ihren normalen Rhythmus fortsetzen. Frühes Zubettgehen am Sonntagabend, wie es laut forsa 40 Prozent der Montagsmüden tun, oder ein Mittagsschläfchen, dem jeder Fünfte frönt, sind dagegen kontraproduktiv. Dadurch riskiere man nur, sich nachts schlaflos umherzuwälzen, meint Blau.

Montagshänger lässt sich vermeiden

Unruhe vor Beginn der neuen Woche, Zeitumstellung oder veränderter Schlafrhythmus - es gibt viele Gründe, warum man nicht in den Schlaf findet:

"Zunächst sollten einfache Schlafregeln beachtet werden. Auch Hausmittel wie warme Milch, Baldrian oder Passionsblumenkraut kann man probieren",

rät Blau. Wem das nicht beim Einschlummern hilft, der kann kurzfristig freiverkäufliche Einschlafhilfen wie die sogenannten Antihistaminika versuchen. Empfehlenswert sind Präparate mit dem Wirkstoff Doxylamin. Dieser könne helfen, ein- und durchzuschlafen, da es den physiologischen Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt, sagt Blau. Weitere Schlaftipps:

  • Gehen Sie unter der Woche zu regelmäßigen Zeiten zu Bett.
  • Schlafen Sie möglichst sieben Stunden unter der Woche wie am Wochenende.
  • Verzichten Sie am Sonntag auf den Mittagsschlaf.
  • Ein Sonntagsspaziergang an der frischen Luft lässt Sie am Abend leichter einschlafen.
  • Trinken Sie keinen Kaffee oder schwarzen Tee nach 16 Uhr.
  • Verzichten Sie am Sonntagabend auf Alkohol.

Quellen:

(1) Repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von Hoggar®/STADA GmbH, unter 1.002 Erwerbstätigen über 18 Jahren, Dezember 2010

(2) Kantermann T et al. Curr Biol.2007;17(22):1996-2000

(3) Born J et al. Nature. 1999;397(6714):29-30

(4) Nicolau GY et al. Chronobiol Int. 1991;8(2):149-59

(5) Randler C, Bilger S. J Psychol. 2009 Oct;143(5):509-20