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Neues BilanzrechtBilMoG erschwert Bilanzerstellung

Unternehmen müssen sich auf Umstellungen bei der Erstellung der Bilanzen gefasst machen. Die neuen Regelungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes sollten zeitnah umgesetzt werden.
erschienen: 12.03.2010
Schlagwörter: Controlling

Oft stellt sich die BilMoG-Umstellung für Firmen als deutlich komplexer und zeitaufwendiger heraus als gedacht. Schließlich sind angestammte Prozessabläufe im Rechnungswesen zu ändern und neue Routinen zu etablieren. Leicht kann die Umsetzung in Unternehmen vier bis zehn Wochen in Anspruch nehmen. Spezialist des Bundesverbands der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) Uwe Jüttner, der auch Präsident der European Management Accountants Association (EMAA) ist, betont:

"Es ist von Vorteil, das BilMoG bereits auf alle laufenden Geschäftsvorfälle anzuwenden, so bekommen die Verantwortlichen im Rechnungswesen und Controlling ausreichend Zeit, sich mit den veränderten Bestimmungen und Wahlrechten vertraut zu machen."

Alternative Bilanzierungs- und Bewertungsmöglichkeiten

Obendrein erhöht sich für Unternehmen auch der bilanzielle Gestaltungsspielraum. Denn viele Optionen lassen sich nur bei entsprechender Expertise der Fach- und Führungskräfte ausschöpfen. Durch die Anwendung der neuen Regeln können alternative Bilanzierungs- und Bewertungsmöglichkeiten aufgezeigt und deren wirtschaftliche Auswirkungen geprüft werden.

Grundsätzlich bieten sich Unternehmen zwei unterschiedliche Möglichkeiten der Umstellung. Beim sogenannten prospektiven Übergang findet das BilMoG nur auf neue Sachverhalte Anwendung, "alte" Sachverhalte werden nicht angepasst. Beim retrospektiven Übergang hingegen gelten die Neuregelungen für neue und "alte" Geschäftsvorfälle. Hierbei erfolgt eine Anpassung durch Umstellungsbuchungen zum 01.01.2010. Wer bereits mit einer BilMoG-Eröffnungsbilanz in das Geschäftsjahr startet, ist vor unerwarteten Überraschungen geschützt.

Welche Auswirkungen ergeben sich durch BilMoG?

Die handels- und steuerrechtliche Bewertung wird immer stärker voneinander abweichen. Die Wahlrechte werden reduziert und das HGB wird weiter an die IFRS angeglichen. Unternehmen werden zu einer parallelen Rechnungslegung gezwungen, da sie nicht nur nach HGB, sondern differenziert nach Steuerrecht bilanzieren müssen. Jüttner ist überzeugt:

„Aufwand und Kosten der Bilanzerstellung werden zukünftig erheblich steigen."

[Gerson Weber; Quelle: BVBC; Bild: Fotolia.com]