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NLP-WerkzeugeNeurolinguistische Programmierung im Führungsalltag einsetzen

Wie gehen Sie mit Spannungen und Konflikten in Ihrem Unternehmen um? Das Neurolinguistische Programmieren hilft mit neuen Sichtweisen und motivierenden Zielen.
erschienen: 05.10.2009

Die Weltfinanzkrise steckt vielen noch in den Knochen – auch wenn inzwischen die ersten Anzeichen einer sanften Aufschwungphase deutlich werden. Die Stimmung ist noch angespannt, Unternehmern wie Angestellten ist Unsicherheit der eigenen Existenz noch bewusst: auch wenn sich die Lage entspannt, häufig leiden Zusammenarbeit und Kommunikation gerade jetzt. Nicht selten entstehen zusätzliche Konflikte.

Doch gerade, wenn neue Aufträge und Projekte anstehen, ist eine reibungslose Zusammenarbeit entscheidend. Wie kann man es sich als Unternehmer oder Führungskraft einfacher machen, mit Anspannung umzugehen; wie bringt man mehr Gelassenheit in den Arbeitsalltag? Neurolinguistisches Programmieren (NLP) gibt hier Hilfestellung.

StichwortNeuro-Linguistisches Programmieren (NLP)

Das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) versteht sich als Werkzeugkasten für Kommunikation und Führung. Entstanden ist NLP aus dem Ansatz, besonders erfolgreiche Menschen in ihrem Verhalten zu analysieren, um daraus nachahmbare Erfolgsmodelle abzuleiten. NLP basiert dabei auf einer positiven Grundeinstellung: Jedes Handeln ist grundsätzlich von guten Absichten geleitet. Es vermittelt außerdem Einfühlungsvermögen sowie die klare Trennung zwischen Wahrnehmung und ihrer subjektiven Interpretation.

NLP bietet Führungskräften daher Möglichkeiten, mit Konflikten konstruktiv umzugehen und ihre Mitarbeiter auch durch Phasen der Unsicherheit und Instabilität zu steuern.

Drei Methoden aus dem NLP-Werkzeugkasten lassen sich im Unternehmer- und Führungsalltag sofort einsetzen:

1. Tun Sie etwas Anderes

Als die Peter-Brauerei aus der Rhön in den Neunziger Jahren kurz vor dem Bankrott stand, war es Braumeister Dieter Leipold klar: Würde er weiterhin nur Bier herstellen, konnte er das Unternehmen nicht retten. Also tat er etwas Neues: Er braute Limonade, und zwar genau wie Bier durch Vergärung von Malz. Das Produkt nannte er Bionade; der Erfolg seiner Idee ist bekannt.

Wer immer dasselbe tut, kann nicht besser werden. Gleiche Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster werden immer wieder die gleichen Reaktionen hervorrufen. Wer erfolgreicher sein will, muss also einmal etwas anders machen.

Allerdings sind viele Verhaltensweisen eingeschliffen; angefangen bei der ersten Tasse Kaffee am Morgen, die wir im immer gleichen Ritual einnehmen, bis zum Führungs- und Kommunikationsstil im Büro. Etwas daran zu ändern ist oft nicht leicht.

Das ist auch in Ordnung – solange alles gut läuft. Gibt es allerdings Schwierigkeiten oder Spannungen, hat man mehr Erfolg, wenn man sich um Handlungsalternativen bemüht. Was heißt das im Führungsalltag?

Um neue Möglichkeiten zu finden, ist es nützlich, sich zunächst die eigenen Verhaltensmuster bewusst machen. Versuchen Sie das doch gleich in der kommenden Woche: Überlegen Sie, in welchen Situationen Sie sich wünschen, dass etwas besser wird. Denken Sie dann, wie Sie sich selbst verhalten haben und beschreiben Sie Ihr eigenes Verhalten möglichst konkret und genau. Finden Sie Alternativen für dieses Verhalten – auch wenn Sie es grundsätzlich richtig finden. Probieren Sie beim nächsten Mal die verschiedenen Varianten aus und beobachten die Reaktionen darauf. Und wenn etwas nicht funktioniert, versuchen Sie es eben anders.

2. Versuchen Sie, die Welt mit den Augen der Anderen zu sehen

Angenommen, ein Künstler und ein Gärtner kommen zu Ihnen ins Büro. Vermutlich wird der Künstler besonders auf Ihre Bilder achten, während der Gärtner im Nachhinein vielleicht nicht einmal sagen kann, ob überhaupt Bilder an den Wänden hingen. Dagegen sieht er sofort den Hibiskus, den man dringend umtopfen müsste. So hat eben jeder Mensch eine eigene Sichtweise auf die Welt und bemerkt ganz unterschiedliche Dinge.

Viele Konflikte entstehen gerade durch die Missverständnisse, die durch unterschiedliche Sichtweisen provoziert werden. Besonders, wenn auch die äußeren Umstände dazu beitragen, weil zum Beispiel die wirtschaftliche Situation im Unternehmen noch ungewiss ist.

Versuchen Sie dann ganz gezielt, die Sichtweise des Anderen einzunehmen – so entwickeln Sie bewusst mehr Verständnis für den Anderen und entdecken neue Möglichkeiten, damit umzugehen. Das wird auch vom Gegenüber positiv wahrgenommen und führt bei ihm zu mehr Verständnis.

Versuchen Sie das selbst: Sammeln Sie in der nächsten Woche drei Situationen, in denen Sie sich über das Verhalten Ihrer Mitmenschen ärgern – gleich ob Kollegen, Kunden oder private Kontakte. Versuchen Sie dann ganz bewusst, sich vorzustellen, warum der andere sich so verhält. Was sind seine Interessen und Befürchtungen? Überlegen Sie dazu, in welchem Kontext er sich befindet: Ist er ausgeglichen? Hat er Erfolg; steht er unter großer Belastung im privaten oder beruflichen Umfeld? Welche anderen Dinge beschäftigen ihn? Fühlt er sich sicher oder hat er Ängste, zum Beispiel vor dem Verlust der eigenen Stelle? Welches Ziel verfolgt er? Wie kann dies alles dazu führen, dass er sich so verhält?

3. Motivieren Sie Ihr Team mit gut formulierten Zielen

Klare Ziele zeigen, wo es hingehen soll. Als Unternehmer oder Führungskraft kennen Sie die wichtigsten Ziele des Unternehmens; die Ziele jedes einzelnen Mitarbeiters beschreiben den Beitrag, den jeder zum Gesamtziel leisten kann.

Gerade in der frühen Aufschwungphase ist es wichtig, die Ziele im Auge zu behalten und so mit Weitsicht das Richtige zu tun, anstatt sich mit ersten schnellen Erfolgen abzufinden. Und Ziele motivieren – wenn sie gut gewählt und formuliert sind. NLP definiert sechs Kriterien für Ziele, um die Erfolgsaussichten zu steigern:

1. Das Ziel ist positiv formuliert

„Ich möchte nicht mehr rauchen“ beeinflusst Sie ganz anders als „Ich möchte rauchfrei sein“. Wohlgeformte Ziele enthalten keine Negationen und Vergleiche, denn positive Formulierungen unterstützen die Zielerreichung.

2. Das Ziel ist konkret formuliert und spricht alle Sinne an

NLP befasst sich in mit den fünf Sinnen: sehen, hören, riechen, tasten, schmecken. Bei den meisten Menschen sind ein oder zwei Sinne ausgeprägter als die anderen. Wie fühlt es sich an, wenn das Ziel erreicht ist? Lautet das Ziel zum Beispiel, im nächsten Monat drei neue Kunden zu gewinnen, dann hört man die mündliche Zusage des Kunden, sieht die Auftragsbestätigung etc. Je konkreter man sich das erreichte Ziel in allen Sinnen vorstellt, desto eher erreicht man es.

3. Das Ziel ist auf den Kontext bezogen

Hier geht es um Zeit, Ort und Beteiligte: wann, wo und mit wem wird das Ziel erreicht?

4. Das Ziel ist erreichbar

Erfolgreich können Ziele nur sein, wenn der jeweilige Verantwortliche sie auch aus eigener Kraft erreichen kann. Welche Ressourcen braucht er noch dazu? Gerade dabei ist die Unterstützung der Führungskraft gefragt.

5. Das Ziel ist ökologisch

Wohlgeformte Ziele stehen in Einklang mit den persönlichen Werten sowie mit den Werten des Unternehmens. Sie berücksichtigen die Beziehungen zu anderen Projekten und Personen und mögliche Auswirkungen auf die Umgebung.

6. Das Ziel motiviert

Das Ziel sollte realistisch sein. Unerreichbare oder zu leichte Ziele sind kontraproduktiv. Manchmal ist es sinnvoll, kleinere Teilziele zu formulieren, die insgesamt attraktiver sind als ein zu ehrgeiziges, im Moment unerreichbares Ziel.

Nehmen Sie sich also in der nächsten Woche Ihre eigenen Ziele und auch die Ihrer Mitarbeiter vor und prüfen Sie, ob sie diesen Kriterien entsprechen; oder erarbeiten Sie mit jedem von ihnen und für sich selbst zwei bis drei Ziele. Sehen Sie sich zwei Wochen später an, wie viel näher Sie und die Mitarbeiter den Zielen gekommen sind! Sprechen Sie am besten in regelmäßigen Abständen darüber, wie es um die Zielerreichung steht, und prüfen Sie, ob Sie die Ziele anpassen sollten.

Ein erster Schritt

Etwas Neues auszuprobieren, sich in die Sichtweisen der Anderen hineinzuversetzen und Ziele motivierend zu formulieren – das klingt einfach. Doch wie so oft, scheitert es in vielen Unternehmen nicht am Wissen, sondern am Tun. Gehen Sie daher einen ersten Schritt und greifen eine Anregung heraus, die sie für wenige Tage einfach testen. Sie werden überrascht sein.

[Bild: Amy Walters - Fotolia.com]

Über die Autoren
Jürgen Braun

Jürgen Braun unterstützt mit seinem Beratungshaus proComet vor allem Mittelständler bei der Verwirklichung ihrer Ziele – von der Umsetzung einer Unternehmervision bis zu konkreten Aufgaben wie der Verschlankung der Produktion.

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Tatjana Braun

Tatjana Braun begleitet gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen Braun seit Jahren erfolgreich Unternehmen bei der Einführung von Kaizen und etablieren mit allen Beteiligten dauerhaftes Wachstum.

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