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PandemieWie Unternehmen für den Notfall vorsorgen können

Wenn viele Mitarbeiter ausfallen infolge von Grippeinfektionen oder anderen ansteckenden Krankheiten, haben nur wenige Unternehmen einen Notfallplan. Hier finden Sie Tipps, wie Sie mit einer Pandemie im Betrieb umgehen und sie verhindern können.
erschienen: 16.09.2009

Die deutsche Wirtschaft rechnet im Fall einer Influenzapandemie mit gravierenden Folgen. 75 Prozent der Betriebe erwarten einen großen betriebswirtschaftlichen Schaden, sobald es zu hohen Erkrankungsraten unter der Belegschaft kommt. Das ergaben jüngste Umfragen zur Studie „Themenkompass Pandemie 2009“, erstellt im Auftrag des IMWF Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung und des F.A.Z.-Instituts. Demnach sehen 41 Prozent der Unternehmen durch mehrwöchige Produktionsausfälle ihre Existenz bedroht.

Und trotzdem stagniert die Notfallplanung in deutschen Unternehmen. Nur jeder zweite Betrieb verfügt über einen Pandemieplan. Für den Fall einer Grippepandemie rechnet die große Mehrheit der Betriebe mit negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben. 61 Prozent sieht die eigene Auftragsabwicklung gefährdet, sobald ein erheblicher Teil der Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfällt. Mehr als 40 Prozent sind von der termingerechten Lieferung ihrer Zulieferer abhängig und stufen mehrwöchige Produktionsausfälle als existenzbedrohend ein.

Der betriebliche Arbeitsschutz

Eine wichtige Grundlage von Unternehmenserfolg sind aktive und gesunde Mitarbeiter. Damit diese Voraussetzung auch gegeben ist, muss der betriebliche Arbeitsschutz auf die Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeitern achten. Für den Arbeitsschutz ist in erster Stelle der Arbeitgeber verantwortlich, der nach dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) entweder durch den Betriebsarzt (§ 2 ASiG) oder eine Fachkraft für Arbeitssicherheit beziehungsweise ein Sicherheitsbeauftragter (§ 5 ASiG) unterstützt und beraten wird.

Pflichten des Arbeitgebers

Arbeitgeber sind verpflichtet, alle Gefährdungen im Betrieb, die sich aus dem Umstand der Arbeit ergeben können, zu ermitteln und zu bewerten. Parallel dazu müssen sie die erforderlichen Maßnahmen für den Sicherheits- und Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter treffen, deren Wirksamkeit überprüfen und alles dokumentieren. Im Falle der Vorsorge in Sachen Pandemien wie etwa Influenza oder auch Schweinegrippe sind unternehmenseigene Notfallpläne und Maßnahmenkataloge deshalb unerlässlich, um die Produktion im Krisenfall aufrechtzuerhalten und den Mitarbeitern den größtmöglichen Gesundheitsschutz zu bieten.

Um Mitarbeiter allgemein über die Pandemie-Thematik zu informieren, bieten sich Informations- oder Aufklärungsbroschüren an. Zudem sollten Arbeitgeber auf ausreichende Hygienemaßnahmen bei den betrieblichen Abläufen achten und dafür sorgen, dass sich Mitarbeiter impfen lassen. Um das Risiko von Pandemien möglichst gering zu halten, empfiehlt sich eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Gesundheitsbehörden.

Was Mitarbeiter tun können

Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt allgemeine Empfehlungen, was Mitarbeiter zur Vorbeugung vor ansteckenden Krankheiten wie etwa Grippe im Vorfeld unternehmen können. Zu nennen wären:

  • Auf Hygiene achten, also zum Beispiel regelmäßiges Händewaschen.
  • Bei permanenten Krankheitssymptomen einen Arzt aufsuchen.
  • Bei Ausbruch etwa von Grippe zu Hause bleiben, um das Ansteckungsrisiko von Kollegen zu verhindern.
  • Regelmäßiges Lüften von geschlossenen Räumen, auch im Winter.
  • Verzicht auf Händeschütteln oder den Begrüßungskuss.
  • Tragen eines Mundschutzes.

Mitbestimmung des Betriebsrats

Wie bei anderen Maßnahmen auch handelt es sich bei Hygienemaßnahmen des Arbeitgebers um eine Regelung des sogenannten Ordnungsverhaltens der Arbeitnehmer. Das bedeutet: Arbeitgeber müssen gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 1 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) die Zustimmung des Betriebsrats für etwaige Maßnahmen einholen. Regelt der Arbeitgeber bestimmte Dinge im Alleingang, ist die Maßnahme gegenüber den Arbeitnehmern zunächst unwirksam. Ausnahmen bestehen, wenn Maßnahmen zum Gesundheitsschutz durch andere Behörden, etwa das Gesundheitsamt, gesetzlich vorgeschrieben sind oder angeordnet werden.

Hinweis

Eine von Arbeitgeber auferlegte Impfpflicht gibt es nicht. Dies würde in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit des Arbeitnehmers eingreifen. Ausnahme: Arbeitsplätze, für die aufgrund ihrer Beschaffenheit Impfungen vorgeschrieben sind, also etwa Krankenhäuser.