PräsentationenSpannend präsentieren wie im Thriller

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Präsentationen leben von Spannung und Emotionen. Vortragende können sich bei Filmemachern einiges dafür abschauen.
erschienen: 01.07.2016
Schlagwörter: Präsentieren, Moderieren
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Wer Präsentationen spannend aufbauen und vortragen möchte, der kann sich bei Alfred Hitchcock, dem Altmeister des Thrillers, einiges abschauen. Seine Kinostreifen haben ihm nicht von ungefähr den Beinamen „Meister der Spannung“ eingebracht.

Auf der Titelfolie nicht gleich alles verraten

Spannung entsteht auf mehreren Ebenen. Die Dramaturgie, also der Spannungsbogen einer Handlung, ist das Wichtigste. Doch viele Präsentatoren nennen die große Überraschung schon auf der Titelfolie. Oder sie haben gar keine parat. Das ist wie ein Krimi ohne Überraschungen. Nehmen wir an, es geht um die Präsentation eines neuen Staubsaugers, den wir an dieser Stelle „MX 500“ nennen. Auf der ersten Folie steht:

„Der neue Staubsauger MX 500 – jetzt mit Bi-Turbo.“

Damit ist eigentlich schon alles gesagt, denn wenn schon aus der Titelseite entnommen werden kann, dass das große Highlight des Modells der Bi-Turbo ist, warum sollte dann noch jemand einer halbstündigen Präsentation zuhören? Dagegen verrät die folgende Überschrift zunächst nichts:

„Eine neue Generation mit einer Innovation: MX 500.“

Diese Überschrift ließe sich möglicherweise noch schöner formulieren, doch sie hat einen Vorteil: An dieser Stelle will jeder wissen, worum es sich bei dieser Innovation eigentlich handelt. Auch wenn der Präsentator denkt, es wisse sowieso schon jeder, dass das Produkt einen Bi-Turbo hat, tut er trotzdem so, als wäre es eine Überraschung.

Anonyme Anmoderation erhält die Spannung

Ein anderes Beispiel aus dem Show-Business: Der ehemalige „Wetten dass...!“-Moderator Thomas Gottschalk hatte in einer Sendung den Sänger Justin Bieber zu Gast. Jede Programmzeitschrift berichtete darüber. Gottschalk kündigte den Stargast nun nicht folgendermaßen an: „Und nun kommt Justin Bieber.“ Stattdessen begrüßte er ihn kurz, schüttelte seine Hand und wies ihm den Weg zur Bühne. Für seinen Einstieg wählte er etwa folgende Worte: „Wenn er in eine Stadt kommt, dann schwänzen die Mädels die Schule. Er ist erst siebzehn und hat mehr Music- und MTV-Awards gewonnen, als manch alter Hase... Begrüssen Sie mit mir: Justin Bieber!“

Obwohl jeder weiß, dass der Künstler nun auftritt, nennt der Moderator seinen Namen erst zum Schluss. So entsteht Spannung und der Überraschungsmoment bleibt. Dieses Vorgehen wirkt sogar dann, wenn schon jeder das Ergebnis kennt. Auch Präsentatoren sollten so einen Gast auf einer Bühne begrüßen. Im Fachjargon heißt das anonyme Anmoderation. Der Name fällt erst zum Schluss, als letztes Wort. Vorher wird nur von „Er“ oder „Sie“, vom „Redner“ oder „Gast“ gesprochen.

Beim Beispiel des „MX 500“ geht es nicht um die Überschrift auf der Titelfolie, sondern um die Grundidee des Aufbaus von Präsentationen. Worin besteht das Highlight beziehungsweise was könnten Präsentatoren zum Highlight machen? Wer den Mörder schon zu Beginn kennt, für den ist immer noch spannend, wie man ihm auf die Schliche kommt. Präsentatoren brauchen irgendetwas, auf das ihr Publikum voller Spannung wartet. Die Titelfolie kann in vielen Fällen ganz verschwinden. Die entscheidende Frage ist: Unterstützt sie die Spannung oder nimmt sie sie?

Tension: Die Kunst des Verzögerns

„Suspense“ ist die Kunst, dem Publikum immer einen gewissen Vorsprung gegenüber dem Akteur zu geben. Die zweite Spannungstechnik lautet Tension. Während es bei „Suspense“ eher um die Dramaturgie des ganzen Films und die einzelner Szenen geht, geht es bei Tension um den Augenblick oder höchstens eine Szene. Wenn Präsentatoren in ihrem Vortrag also endlich auf die Innovation zu sprechen kommen, ist das in folgender Variante nicht gerade aufregend:

„Und die Innovation beim MX 500 ist der Bi-Turbo, den es erstmals in einem Staubsauger gibt.“

Mit Tension sieht das Ganze so aus:

„Ich habe Ihnen eine Innovation versprochen. Der MX 500 ist das erste Modell, das über diese Innovation verfügt. Der MX 500 ist der erste Staubsauger mit: Bi-Turbo.“

Zum einen wurde bei dieser Variante wie bei der anonymen Anmoderation die spannendste Information wieder an den Schluss gestellt, zum anderen ist der Doppelpunkt vor dem Wort „Bi-Turbo“ wichtig. Er signalisiert eine Sprechpause – mit entsprechender Betonung. Je länger diese Pause anhält, desto größer ist der Moment der Tension.

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Die Steigerung der Tension

Zu diesem Vorgehen gibt es noch eine Steigerung: An der Stelle des Doppelpunktes blättern Präsentatoren langsam ein Blatt auf dem Flip-Chart um und zeigen eine vorher vorbereitete, einfache Zeichnung des Bi-Turbo. Die Zuschauer versuchen nun zu verstehen, was es mit der Zeichnung auf sich hat. Wieder wartet der Präsentator so lange es geht, um dann zu sagen: „Bi-Turbo“. Eine weitere Steigerung könnte folgendermaßen lauten:

„Und bevor ich Ihnen sage, was diese Innovation ist, lassen Sie uns einen Blick auf die Besonderheiten der Modelle MX 300 und MX 400 werfen.“

Die nächsten Sätze dienen dann vor allem der Tension. Denn nach der Ankündigung der Innovation zögern Präsentatoren dadurch ein weiteres Mal. Wird dies alles flüssig und locker gesagt, wirkt es auch nicht übertrieben. Wichtig dabei ist, dass dem Publikum diese Techniken als solche gar nicht bewusst sind, sonst wirkt es aufgesetzt und billig, wie in einer Daily Soap.

Bei Hitchcock hingegen wirkt Tension nie aufgesetzt – und doch ist sie allgegenwärtig. Ein Beispiel gibt der Film „Bei Anruf Mord“. Hier steht der gedungene Mörder mit einem Schal hinter der telefonierenden Grace Kelly. Er soll sie erwürgen. Es meldet sich niemand am anderen Ende der Leitung. Sie will auflegen, senkt die Hand mit dem Hörer. Der Mörder hebt den Schal. Grace Kelly zögert, führt den Hörer nochmals zum Ohr. Der Mörder muss warten. Wieder ruft Sie „Hallo“ in den Hörer. Dann erst legt sie auf. Der Mörder wirft ihr den Schal um den Hals.

Diese nochmalige Verzögerung ist Tension. Die Länge der Szene insgesamt ist Tension. Der Schnitt zu ihrem Mann am anderen Ende ist Tension. In jeder Szene gibt es immer wieder diese Verzögerungsmomente. Sind sie geschickt gemacht, erhöhen sie die Spannung, ohne aufzufallen.

Mit Gestik und Mimik lebendig präsentieren

Für die formale Ebene der Spannung sind Fragen wichtig wie: Mit welchen Bildern, Kameraeinstellungen und sprachlichen Mitteln etwa wird die Handlung erzählt und aus welcher Perspektive nimmt der Zuschauer sie wahr? Gleiches gilt für Präsentationen. Hier geht es um die Frage, wie Sprache, Stimme, Körpersprache, Mimik, Blickkontakt und immer wiederkehrende Pausen eingesetzt werden. Die schönste Dramaturgie nützt nichts, wenn mit blassen Bildern ohne Charme gearbeitet, wenn mit monotoner Stimme, zu wenig Gestik und Mimik oder ohne Kontakt zum Publikum gesprochen wird. Wenn etwas spannend sein soll, dann muss das Publikum die Spannung auch am Körper des Vortragenden erkennen. Eine weiche Haltung würde sie in diesem Moment zerstören.

Es kommt darauf an, wie Präsentatoren etwas erzählen, bei dem sie sich echauffieren, von dem sie begeistert waren oder das sie total überrascht hat. Diese Emotionalität darf durchaus deutlich gesteigert werden, denn man spricht ja nicht zu einer einzelnen Person, sondern zu einer Gruppe, die in einiger Entfernung in einem großen Saal sitzt.

Präsentationen entfalten ihre beabsichtigte Wirkung nur, wenn sie richtig eingeübt werden. Ein Publikum, das nicht zuhört, versteht nichts. Je spannender aber das Thema aufbereitet und präsentiert wird, desto mehr Aufmerksamkeit und Interesse sind das Ergebnis. Das wiederum steigert die Chance zu überzeugen und das Ansehen als kompetenter, souveräner und eloquenter Präsentator steigt. So macht Zuhören Spaß.

Über den Autor
Michael Moesslang

Michael Moesslang ist der Experte für sensationelles Präsentieren und persönliche Wirkung. In seine Arbeit bezieht er aktuelle Erkenntnisse aus Psychologie und Verhaltenswissenschaften ein. Als Vortragsredner und Lehrbeauftragter aktiviert er Zuhörer in Vorträgen und Präsentationen.

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