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PräsentationstechnikWarum Zen-Präsentationen wirklich erfolgreicher sind

Sagen Sie den Bullet-Points in Ihren Präsentationen adé. Garr Reynolds geht mit der Methode der Zen-Präsentationen neue Wege, die erfolgversprechender sind.
erschienen: 22.06.2010
Schlagwörter: Präsentieren

Die Website von Garr Reynolds ist weltweit wohl die meist besuchte in Sachen Präsentation. Wer das Buch von ihm noch nicht gelesen hat, den mutet „Zen“ in Bezug auf Business-Präsentationen befremdlich an. Garr Reynolds macht jedoch gleich auf den ersten Seiten des Buches klar, dass es nicht um Zen geht, sondern um Kommunikation und die Betrachtung von Präsentationen aus einem anderen Blickwinkel. Zen dient eher als Analogie, als Leitgedanke „Verstärkung der Wirkung durch Vereinfachung“.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Zen-Präsentationen durch professionelles Design und inhaltliche Reduzierung von den gewohnten „Bullet-Point-Präsentationen“, die Sie an ihren Aufzählungspunkten mit viel Text und an umfangreichen Grafiken erkennen.

Die Einfachheit der Folieninhalte motiviert zum Nachmachen, das anspruchsvolle Design setzt dann wieder Grenzen. Und beim Umsetzen merkt man, dass Vereinfachen nicht einfach Weglassen ist. Dieser Präsentationsstil fordert eine völlig andere Herangehensweise.

Warum Sie mit Zen-Präsentationen Ihre Ziele besser erreichen

Die Folien von Garr Reynolds haben alle etwas gemeinsam. Der entscheidende Punkt ist nicht die Schönheit des Designs, sondern die Aussage. Jede Folie macht eine wesentliche Aussage. Wesentlich heißt, dass die Folie nur das vermittelt, was hängen bleiben soll und der Referent seine Erklärungen dazu mündlich gibt. Die Beschränkung auf eine Aussage ist lernpsychologisch wichtig: kann der Folieninhalt auf einen Blick erfasst werden, wirkt er unbewusst und verstärkt die Worte des Referenten, ohne von ihm abzulenken.

Im Gegensatz dazu stehen auf den üblichen „Bullet-Point“-Folien meist die Erklärungen und Argumente, die wesentliche Aussage versteckt sich.

Ein simples Beispiel für die Wirkung einer Bullet-Point-Folie

Ich will die Wirkung in einem Vortrag erklären und zeige die folgende Folie:

  • lineare Struktur
  • zwingt Gedanken in vorgegebene Pfade,
  • Marschrichtung stur gerade aus,
  • stören Wirkung und Lebendigkeit.

Ich arbeite einen Punkt nach dem anderen ab und bin die Aufzählerin meines Folieninhaltes. Wirkung auf den Zuhörer: Der Zuhörer wechselt – unbewusst – zwischen Lesen und Zuhören. Der Energiefluss zwischen Publikum und Redner ist unterbrochen. Die Zuhörer haben den Text vor Augen und wissen, was als nächstes kommt. Die Spannung ist raus. Die vier Informationen werden zwar aufgenommen, bleiben jedoch nicht hängen.

Übersetzung in die Sprache der Zen-Philosophie

Was ist die wesentliche Aussage, die ich machen will? Ich will aussagen, dass Bullet Points für die Wirkung des Referenten und seiner Argumentation nicht gut sind. Im ersten Bild erscheinen nur drei Bullet-Points:

und ich erzähle dazu mündlich die drei ersten Argumente am besten mit einem konkreten Beispiel. Dann kommt die wesentliche Aussage: Bullet-Points beeinträchtigen die Wirkung und Lebendigkeit des Vortrags und machen Zuhörer müde, dazu erscheint über den drei Punkten ein Kopfkissen:

Die Wirkung auf den Zuhörer ist jetzt ganz anders: die Aufmerksamkeit bleibt beim Referenten, der Spannungsbogen erhalten und das Wichtigste: der Zuhörer nimmt mit, was ich vermitteln wollte. Das Kopfkissen mit den Schnarchgeräuschen samt Aussage bleiben hängen, noch lange nach dem Vortrag.

Denn Fakt ist, sagt die Lernpsychologie, dass unsere Zuhörer nur sieben Prozent des Vortrags mitnehmen. Viele Argumente, auch wirklich gute Argumente, bewirken gar nichts, wenn sie nicht didaktisch auf Nachhaltigkeit programmiert werden. Unser Gehirn braucht Bilder und Häkchen, um Informationen zu verarbeiten und zu behalten. Und Emotionen: Bilder wirken unbewusst und emotional, sie aktivieren das Bauchgefühl, das später die Entscheidung für oder gegen Sie mit beeinflusst.

Hinter der „Vereinfachung“ verbirgt sich zielorientiertes Vorgehen, weil Sie die Aussagen präzisieren und konkretisieren, die Sie zur Erreichung Ihrer Ziele brauchen.

Zahlen, komplexe Themen: Grenzen der Zen-Präsentation?

Gerade bei komplexen Themen ist es wichtig, das Publikum nicht mit Informationen zu überschwemmen und die Aspekte Anregung, Unterhaltsamkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Auch hier gilt das Prinzip: eine Aussage pro Folie beziehungsweise eine Aussage pro Klick bei komplexeren Darstellungen. Das heißt, Sie bauen die Visualisierung dann parallel zu Ihrem Vortrag auf, vergleichbar mit der Visualisierung am Flipchart.

So visualisieren Sie:

Visualisierungs-Objekt

Visualisierungs-Art

Personen, Begriffe, Emotionen zeigen

Fotos, Grafiken, Symbole

Zahlen, Mengen betrachten

Diagramme, am häufigsten sind Balkendiagramme und Kurven

Orte, Hierarchien, Beziehungen zeigen

Organigramme, Karten

Zeitabläufe betrachten

Zeitstrahl

Zeigen, wie etwas funktioniert

Ablauf-, Pfeildiagramme

Zeigen, warum etwas die beste Lösung ist (Ursachen, Einflüsse, Wirkung)

Schaubilder, die Einflüsse mehrerer Variabler zeigen wie zum Beispiel die BCG-Matrix oder Blasendiagramme

Beispiel: Zahlen, Mengen betrachten

Tabellen sind für Präsentationen ungeeignet. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Aussage. Bei Zahlen geht es fast immer um einen Vergleich. Zeigen Sie nur diesen Vergleich. Oder zeigen Sie nur die Entwicklung. Auch hier gilt die Regel: die Aussage muss auf einen Blick zu erfassen sein. Mehrere Schritte nacheinander aufbauen.

Wie professionell muss das Folien-Design sein?

Das Prinzip „Verstärkung der Wirkung durch Vereinfachung“ gilt auch in Bezug auf das Foliendesign. Eine Vortragsfolie darf keine Eigenwirkung haben und den Zuhörer zum Zuschauer machen. Die Visualisierung unterstützt Sie dabei, Ihre wichtigsten Aussagen einzuprägen, überraschende oder unterhaltsame Akzente zu setzen.

Von Guy Kawasaki, einem weiteren weltbekannten Präsentations-Guru, existiert eine Präsentation, die auf schwarzem Untergrund nur riesengroße weiße Zahlen zeigt. Diese Folien spielen ihr Potenzial erst dann aus, wenn sie in einer Live-Präsentation zum Einsatz kommen. Guy Kawasaki stellt dabei erst eine Zahl in den Raum, bevor er ihr in seiner unverwechselbaren Art Sinn und Leben einhaucht.

Im Klartext: die Folien können simpel sein, ohne die Wirkung der Präsentation zu beeinträchtigen. Professionalität zeigt sich hier nicht in aufwändiger Foliengestaltung, sondern in zweckmäßiger.

Was müssen Sie bei der Erstellung einer Zen-Präsentation besonders beachten?

Werden Präsentationen in PowerPoint erstellt, geht dies immer zulasten der Kommunikation mit dem Publikum. Der Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung der Folien. Nur ein Vortrag, der – notfalls – auch ohne PowerPoint gehalten werden könnte, ist ein guter Vortrag!

Oberstes Gebot ist deshalb, zuerst die Struktur des Vortrags zu entwerfen einschließlich der gesamten Argumentation. Ausgangspunkt sind Ihre Zielsetzung und die Interessen/Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. Konzentrieren Sie sich bei der Ausarbeitung auf den Dialog mit Ihrem Publikum und sprechen Sie auch seine Sprache.

Öffnen Sie PowerPoint erst, wenn Sie sich im Klaren sind über Ihre Argumentation und Ihre Aussagen.

Fazit

Die Zen-Präsentation ist nichts Neues. Sie ist eine Rückbesinnung auf die wichtigsten Rahmenbedingungen eines guten Vortrages, die bereits vor über 2300 Jahren von Aristoteles gesteckt wurden ("Logos, Pathos, Ethos") in Verbindung mit den Anforderungen der Lernpsychologie an Medienbegleitung. Deshalb gelten ihre Prinzipien für jede Art von PowerPoint-Vortrag.

Die Zen-Präsentation zieht ihre Wirkung nicht aus der Professionalität der Foliengestaltung, sondern aus der Qualität der Aussagen und ihrer Visualisierung. Der Anspruch geht weniger in Richtung Foliengestaltung als in Richtung Vortragsgestaltung und der damit verbundenen Ausarbeitung der Argumentation.

Die Zen-Präsentation spricht nicht nur die Ratio an, sondern auch die emotionale Hälfte unseres Gehirns. Sie fördert die konkrete und leicht verständliche Darstellung anstelle abstrakter Aufzählungen. Bilder lockern auf und sorgen so für das erfolgskritische anregende Element.

Daraus ergibt sich auch ein unschätzbarer Gewinn für den Referenten: es spricht sich leichter, anregender und sicherer zu einer Zen-Präsentation.

[Bild: nyul - Fotolia.com]

Über die Autorin
Beate Strauß

Die Diplom-Kauffrau der Wirtschaftswissenschaften, Beate Strauß, hat zehn Jahre Präsentationserfahrung. Seit 2007 ist sie auf Reden, Vortragen und Präsentieren spezialisiert. Ihre Kernkompetenzen sind unter anderem technische Präsentationen, insbesondere IT sowie Aufbereitung von Statistiken und Zahlen.

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