PräsentierenPublikum durch rhetorische Techniken begeistern

Mit Hilfe von fünf rhetorischer Techniken können sich Präsentierende aus dem Einheitsbrei vieler Präsentationen abheben.
erschienen: 02.04.2015
Schlagwörter: Präsentieren
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Was dem Publikum oft bei Präsentationen geboten wird, ist ein bunter Salat aus Folien. Diese dienen dann meist dazu, die Inhalte herunterzubeten, die jeder Zuhörer sowieso schon längst selbst gelesen hat. Mit folgenden fünf Rhetorik-Elementen können Sie Ihre Präsentation so aufpeppen, dass Ihr Publikum gar nicht anders kann als zuzuhören.

Mit Wirksprache spannende Geschichten erzählen

Wirksprache ist die Sprache der höchsten Wirkung, denn Sie landen damit direkt im Unterbewusstsein Ihrer Zuhörer. Auf diese Art und Weise können Sie eine Geschichte so erzählen, dass das Publikum eine Stecknadel fallen hört.

Beispiel: Präsentieren durch Wirksprache

Es ist Mittwoch, der 2. März 2015. Wir sind zu fünft im Projektbüro. Robert Hansen schaut gebannt auf den Bildschirm. Wir vier Projekt-Ingenieure schauen gebannt auf ihn. Nach jedem Test sagt er uns die Test-Nummer, und, sobald ein grüner Balken am Bildschirm erscheint, sagt er jedes Mal: „bestanden!“

Wir sind bereits eine halbe Stunde hier und glauben es kaum: Herr Hansen hat schon elf Mal „bestanden“ gesagt. Es fehlen noch drei Tests. Wir schauen uns ungläubig an, zurück zu Herrn Hansen. Der sagt mit starrem Blick auf den Bildschirm: „Test Nummer 12 ...“, und nach kleiner Verzögerung „bestanden!“ Eine Minute später: „Test Nummer 13 ... bestanden!“ Dann der letzte Test: „Test Nummer 14 ...“, und nach endlos erscheinenden Sekunden das erlösende Wort: „bestanden!“ Alle im Raum recken die Hände in die Luft und schlagen zum „High five“ ein. Wir haben die Inbetriebnahme tatsächlich statt in 23 in 17 Tagen geschafft.

Wenn Sie auf diese Weise Geschichten erzählen, lösen Sie Zuhörzwang aus. Vier Kriterien sollten Sie dabei beachten:

  • Kurze, einfache Sätze machen.
  • Geschichte in der Gegenwart erzählen.
  • Aus Spannungsgründen bewusst etwas unbekannt lassen.
  • Mit jedem Satz ein Bild erzeugen.

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Durch anonymes Reden aus jedem Thema einen Krimi machen

Anonymes Reden funktioniert, indem Sie ein anonymes Objekt in Ihrer Rede verwenden. Dabei sprechen Sie anonym über dieses Objekt und nur am Schluss verraten Sie, um was es sich bei dem Objekt handelt. Dadurch, dass Sie zwar darüber erzählen, es aber nicht benennen, erzeugen sie Spannung und Neugier beim Publikum.

Beispiel: Präsentieren durch anonymes Reden

Im vorletzten Jahrhundert gab es einen Mann, der stand mit seiner umgebauten Pferdekutsche immer an irgendeiner Stelle am Straßenrand. Dieser Mann hatte Werkzeug dabei und bastelte an seiner Kutsche. Während andere gemütlich vorbei ritten, war seine Kutsche fast immer kaputt. Der Mann wurde zum Gerede und die meisten redeten abfällig über ihn. Jedes Mal, wenn jemand an ihm vorbei ritt und er wieder an seiner umgebauten Kutsche bastelte, erntete er abfällige Blicke und ein unterdrücktes Lächeln. Hinter seinem Rücken tuschelten die Leute und machten sich über ihn lustig. Der Mann hieß: Gottlieb Daimler – und die umgebaute Kutsche war sein erstes Automobil. Wenn man Sie also belächelt, sind Sie auf dem richtigen Weg.

Hier wurde über zwei Elemente anonym geredet. Zum einen über „diesen Mann“, zum anderen über „diese umgebaute Kutsche“. Erst am Ende erfolgt die überraschende Auflösung. Mit der Technik des anonymen Redens können Sie aus jedem Thema einen emotionsgeladenen Krimi machen.

Durch bildhafte Vergleiche die Logik überspringen

Vereinfachen Sie komplizierte Vorgänge zu anschaulichen, bildhaften Vergleichen. Viele Redner sind nicht in der Lage, einen technischen Sachverhalt einfach darzustellen. Wenn ein Mensch aber eine Sache nicht auf Anhieb versteht, nimmt er erst einmal innerlich davon Abstand. Das können Sie umgehen, indem Sie Ihren Zuhörern statt einem Sachargument einen bildhaften Vergleich liefern.

Beispiel: Präsentieren durch bildhaften Vergleich

Um das Image für unser Produkt zu ändern, müssen wir wie ein Steinmetz vorgehen. Wenn der einen Steinquader an einer exakten Linie auseinanderschlagen möchte, dann zieht er an dieser Stelle zunächst einen Strich. Dann haut er mit Hammer und Meißel zehn Mal auf immer dieselbe Stelle – ohne dass eine sichtbare Veränderung am Stein zu erkennen ist. Er haut fünfzig Mal auf dieselbe Stelle – immer noch keine sichtbare Veränderung. Erst nach dem zweihundertsten, vielleicht sogar dem dreihundertsten Schlag bricht der Stein urplötzlich exakt an der Stelle, auf die er vorher scheinbar sinnlos eingeschlagen hatte.

Genauso ist es auch mit unserer Image-Kampagne. Nur weil wir nach zwei Wochen noch keine sichtbare Veränderung am Image sehen, heisst das nicht, dass die bisherigen Schläge umsonst waren. Wir müssen einfach weiter konstant schlagen – irgendwann bricht der Stein.

Hier wurde ein simples Sachargument – „auch wenn man nicht auf Anhieb ein Ergebnis sieht, bringt die Methode trotzdem irgendwann Erfolg“ – in einen bildhaften Vergleich aus der Alltagswelt gekleidet. Dadurch umgehen Sie den logischen Verstand des Publikums und erreichen ein wesentlich höheres Verständnis wie auch Glaubhaftigkeit.

Das Entstehen einer Idee erzählen

Um eine technische Idee spannend zu präsentieren, können sie erzählen, wann und wie diese Idee entstanden ist. Mit dieser Technik können Sie jede gefundene Lösung in der Wahrnehmung aufwerten.

Beispiel: Präsentieren durch die Schilderung des Entstehens einer Idee

Der Kunde drängte auf die Lieferung. Wir wussten nicht, wie wir die Ware ohne Landeerlaubnis für Frachtflugzeuge in Peking in der gegebenen Zeit liefern sollten. Eines Tages fuhr ich mit dem Auto zur Arbeit. Ich kam an eine Ampel und da fuhr von rechts ein LKW einer Umzugsfirma an mir vorbei. Darauf stand ein Slogan: „Wir räumen Ihre alte Wohnung leer.“ Jetzt hatte ich die Idee! Hören Sie hin: Für Frachtflugzeuge gibt es keine Landeerlaubnis in Peking, aber für Passagierflugzeuge schon. Also chartern wir ein Passagierflugzeug, lassen die Sitze ausbauen und im frei gewordenen Raum transportieren wir die Ware nach Peking. So haben wir es dann auch gemacht.

Wenn Sie den Moment beschreiben, in dem Ihnen eine Idee gekommen ist – unter der Dusche, beim Zeitunglesen oder beim Autofahren – dann empfinden die Zuhörer Ihre Idee spannender und damit höherwertiger.

Durch Demonstration auf Knopfdruck Faszination auslösen

Mit der Technik der Demonstration gelangen Sie in tiefe unterbewusste Schichten Ihrer Zuhörer.

Beispiel: Präsentieren durch Demonstration

Ausgangssituation

Der Redner hat eine volle Wasserflasche vor sich auf dem Tisch stehen.

Rede

Ich kann Ihnen sagen, wie Sie reich werden. Reich werden Sie durch Sparen. Viele Menschen machen aber einen Fehler. Sie sagen, sie würden das sparen, was Ihnen am Ende des Monats übrig bleibt.

Demonstration

Der Redner nimmt die volle Wasserflasche in die Hand.

Rede

Wenn das hier ihr Monatsgehalt am Anfang des Monats ist ...

Demonstration

Der Redner deutet auf die volle Flasche.

Rede

... geben Sie erst einmal etwas für die Miete aus.

Demonstration

Mit großer Geste schüttet er einen Teil des Wassers auf den Boden.

Rede

Dann zahlen Sie Versicherungen.

Demonstration

Er schüttet wieder Wasser auf den Boden.

Rede

Dann müssen Sie einen Teil für Essen ausgeben.

Demonstration

Wieder schüttet er Wasser aus.

Rede

Jetzt die fakultativen Ausgaben, wie zum Beispiel eine neue Uhr.

Demonstration

Wieder schüttet er Wasser aus – bis die Flasche leer ist und nur noch ein paar Tropfen austreten.

Rede

Und das ist der 21. des Monats. So geht es Ihnen Monat für Monat, Jahr für Jahr. Was Sie tun müssen, ist ...

Demonstration

Er nimmt eine neue volle Flasche und deutet auf den oberen Teil.

Rede

... am Anfang des Monats einen Teil der vollen Flasche auf die Seite, auf ein eigenes Konto legen. Und nur vom Rest gießen Sie aus. So werden Sie reich.

Eine Demonstration ist das Deutlichmachen einer Botschaft mit echten Objekten. Damit lösen Sie wie auf Knopfdruck Faszination bei Ihrem Publikum aus.

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Über den Autor
Matthias Pöhm

Matthias Pöhm coacht Spitzenleute aus Politik und Wirtschaft für öffentliche Auftritte. Er veranstaltet Rhetorik-Seminare, bei denen die Teilnehmer vor Hunderten von Menschen als bestelltem Publikum reden müssen. Pöhm ist Gründer der „Anti-PowerPoint-Partei“ und gilt als einer der bedeutendsten Rhetorik-Trainer im deutschsprachigen Raum.

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