PräsentierenSo halten Sie spannende Seminare

© kabliczech - Fotolia.com
Sechs Tipps, wie Sie Seminare so gestalten, dass Sie positives Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten.
erschienen: 03.08.2016
Schlagwörter: Präsentieren
(0 Bewertungen)

Als Sicherheitsbeauftragter der Abteilung muss Herr Meier ein Seminar zum Thema Erstversorgung bei Unfällen am Arbeitsplatz halten. Firmenintern ist er dafür verantwortlich, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sicherheitsbestimmungen und Regelungen im Krankheitsfall einzuweisen. Obwohl Herr Meier bei seinem immer gleichen Vortrag ein bisschen nuschelt, scheint es seinen Teilnehmern zu gefallen. Was Herr Meier nicht weiß: Die Besucher seiner Seminare sind nur deshalb so aufmerksam, weil sie zählen, wie oft er „äh, ja, genau“ innerhalb von zehn Minuten sagen kann.

Seminare kreativ und inspirierend gestalten

Herr Meier ist kein Einzelfall. Ein Vortragender, der sich gerne reden hört und auf jegliche Kreativität und Inspiration verzichtet. Der stundenlang referiert, während die Teilnehmer die Zeit absitzen. Fortbildungen und Seminare lohnen sich für alle Beteiligten aber nur dann, wenn man als Zuhörer inspiriert wird, Neues lernt und Möglichkeiten gegeben werden, das eigene Netzwerk zu intensivieren.

Leider verfehlen viele Seminare diese Ziele – in beiden Extremen. Da gibt es anstrengende, langweilige Seminare, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Andere Seminarleiterinnen und Seminarleiter wiederum meinen es zu gut und bombardieren die Teilnehmenden innerhalb weniger Minuten mit einem Film-Clip, einer Aufgabe für eine Gruppenarbeit und einer praktischen Sportübung, während sie auf der PowerPoint-Folie ankündigen, gleich das Flipchart nutzen zu wollen.

Wieso ist es offensichtlich so schwer, die richtige Balance zu finden? Oft liegt es daran, dass sich viele den Spannungsfeldern gar nicht bewusst sind, in denen sich ein Seminar schon ab dem Moment der Planung bewegt. Daher ein Blick auf die fünf wichtigsten Spannungsfelder, die Sie beachten sollten, um zukünftig gute Seminare zu halten.

Mit knackigem Beginn und rundem Schluss einen Rahmen geben

Bildliche, anregende und persönliche Einstiege in ein Seminar sind ein Muss. Ein Aufhänger, der das Thema für jeden einzelnen Zuhörer relevant macht, ist unabdinglich – und wird im besten Fall am Ende noch einmal aufgegriffen (Anmerkung: Die Geschichte von Herrn Meier wird diesen Artikel auch abschließen).

Außerdem sollte im letzten Teil eines Seminars immer genügend Zeit bleiben – zirka ein Fünftel der Seminarzeit – alle angesprochenen Themen noch einmal zusammenzuführen, gemeinsam einzuordnen und prägnant auf den Punkt zu bringen. Das sorgt bei den Teilnehmer für ein aufgeräumtes Gefühl nach dem Seminar. Die Themen klingen noch im Kopf nach.

Versuchen Sie also, auch in kleineren Meetings die Rahmentechnik anzuwenden. Zu Beginn diskutieren Sie also kurz die Frage: Was soll jetzt erreicht werden? Kurz vor dem Ende des Meetings halten Sie fest, ob das Ziel erreicht wurde.

Medien ausgewogen nutzen

Seminar-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer haben oft keinen wichtigen Grund, Ihnen wirklich zuzuhören. Deshalb liegt die meiste Arbeit erst einmal bei Ihnen: Bieten Sie Ihren Zuhörern Unterhaltung, Spaß und Tränen! Auch wenn es, wie im Fall von Herrn Meier, um die Vermittlung von wichtigen, firmeninternen Informationen geht, ist es sein Job, das Ganze für alle Beteiligten ansprechend und möglichst angenehm  zu gestalten.

Wer nur die Regularien vorliest, hat zwar den Inhalt verkündet, seine Aufgabe aber trotzdem verfehlt. Vermittlung heißt auch dafür zu sorgen, dass der Inhalt beim Gegenüber tatsächlich ankommt. Dafür ist manchmal eine Grafik, ein Musikstück oder ein Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nötig. Es lohnt sich, in verschiedene Hilfsmittel zu investieren und unterschiedliche Präsentationsformen beziehungsweise Medien zu nutzen. Ein visueller Counterpart zu den eigenen Worten hilft auch, immer wieder diejenigen aufzufangen, die für ein paar Minuten abgeschweift sind.

Eine Faustregel: Neben dem gesprochenen Wort und einer einheitlichen, durchgehenden Vortragsform (zum Beispiel PowerPoint, Prezi oder Flipchart) wählen Sie eine weitere mediale Form pro halbe Stunde, nicht mehr. Stellen Sie sich in der Vorbereitung immer wieder folgende Fragen:

  • Inhalt: Was will ich präsentieren? Warum ist dieser Inhalt jetzt wichtig?
  • Struktur: Wie kann ich das am besten präsentieren?
  • Medieneinsatz: Womit kann ich meine Inhalte am besten visualisieren?

Downloads im Shop

Partizipation und Reflexion fördern

Idealerweise denkt und macht jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer während des gesamten Seminars mit. Wenn sie nicht aktiv dabei sind, könnte man den Inhalt des ganzen Seminars schließlich auch einfach schriftlich übermitteln. Nutzen Sie daher die Möglichkeiten der persönlichen Interaktion, die Sie im Seminar bekommen, und laden Sie zum Mitmachen ein!

Auch hier braucht es Fingerspitzengefühl: Geben Sie bei einem offenen Impuls immer kurz Zeit zum Nachdenken, bevor Sie um Meldungen bitten. Oder stellen Sie Fragen, die reihum beantwortet werden müssen. Das bietet Ihnen nicht nur Feedback, ob das Thema so weit verstanden wurde, sondern dient auch der Vernetzung innerhalb der Gruppe.

Momente der stillen Reflexion sind als Gegenpol von herausfordernden und inspirierenden Aktionsmomenten im Seminar nicht wegzudenken. Nicht immer muss es laut und diskutierend zugehen. Leise Partizipation kann schon durch eine geschickt gestellte rhetorische Frage ausgelöst werden, oder bei einem Rundgang in einer kleinen Ausstellung zum Thema.

Ein Klassiker ist das Prinzip „World-Café“: An verschiedenen Tischen werden unterschiedliche Themen moderiert. Die Seminarbesucherinnen und -besucher können von Tisch zu Tisch wandern, sich einbringen oder einfach in Ruhe zuhören. Aktiv – durch Gehen und Auswählen der Themen – sind sie dabei immer.

Aufrütteln und überraschen

Bevor Sie weitere wichtige Techniken für erfolgreiche Seminare erfahren, noch kurz eine wichtige Information über das Paarungsverhalten von Wäscheklammern im Frühling. Das mussten Sie jetzt wahrscheinlich zwei Mal lesen: Wäscheklammern? Überraschung weckt die Aufmerksamkeit. Durch Unvorhergesehenes werden die Sinne geschärft. Vorhersehbarkeit hingegen erzeugt Langeweile. Wer schon weiß, was passiert, braucht schließlich nicht mehr aufzupassen.

Auch hierbei sollten Sie es aber nicht übertreiben. Überraschungen können nur funktionieren, wenn grundsätzlich eine Struktur gegeben ist – ansonsten fordert nichts mehr heraus. Permanente Überraschungen lassen sich von Chaos kaum noch unterscheiden. Vorhersehbare Abläufe sind die Basis, auf der „Aufmerksamkeitswecker“ überhaupt gedeihen können – und auch deswegen wichtig, um die Grundbedürfnisse zu stillen. Was die Wasserversorgung, gut erreichbare Toiletten und regelmäßige Pausen angeht, braucht es keine verrückten Aktionen. Teilnehmer müssen sich sicher fühlen, eine inhaltliche und räumliche Orientierung ist essenziell.

Achten Sie zum Beispiel einmal im Alltag darauf, was Ihre Aufmerksamkeit weckt. Etwa ein auf dem Kopf stehendes Plakat an der S-Bahn-Haltestelle? Wenn etwas nicht „passt“, fällt es auf, wird gesehen, verarbeitet. Sammeln Sie Widersprüche im Alltag. Wer die Natur von Überraschungen studiert hat und kennt, kann diese im nächsten Seminar auch selbst nutzen.

Kompetent und authentisch sein

Wichtig sind zwei Dinge: Kompetenz in dem Fachbereich, den Sie vertreten, und Ihre Authentizität als Person. Wenn Sie als Seminarleiterin oder Seminarleiter mit Akzent sprechen oder sich versprechen, macht Sie das zwar nahbar und sympathisch. Auf das eigene Vortragsthema sollten Sie sich aber trotzdem immer ausführlich vorbereitet haben. Überzeugen Sie inhaltlich mit Kompetenz in Ihrem Fachgebiet.

So kann es zwar witzig sein, wenn Sie als Rednerin oder Redner bei einem Vortrag zum Thema Finanzberatung zugeben, ein schlechter Pingpong-Spieler zu sein, während die eigene Überschuldung als „sympathischer Makel“ in diesem Moment eher wenig hilfreich ist. Falls Sie fachliche Probleme haben, bereiten Sie sich gut vor. Schreiben Sie gegebenenfalls ein Skript.

Sie können auch einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die schon öfter an Ihren Seminaren teilgenommen haben, vorab ansprechen, um konkrete Verbesserungsvorschläge für Ihren Vortragsstil und Vortragsinhalt zu sammeln. So können Sie sicher gehen, in einer offiziellen Feedback-Runde nicht nur freundliche Bestätigung, sondern echte, konstruktive Kritik zu bekommen.

Fazit

Ein Jahr später steht Herr Meier aufrecht im Türrahmen und verabschiedet jeden Teilnehmenden einzeln per Handschlag. „Tolles Seminar! Danke, Herr Meier!“ Herr Meier lächelt zufrieden, denn er weiß, dass das ernst gemeint ist. Durch den Besuch eines Kurses zum Thema „Visuelles Präsentieren mit dem Flipchart“ haben seine Seminare eine neue Qualität bekommen. Im Kurs lernte er, wie man komplizierte und langweilige Inhalte auf humorvolle und übersichtliche Weise ansprechend darstellen kann. Seine Leidenschaft, die Schreibtischunterlage mit Kritzeleien und Doodles zu versehen, war also auf einmal äußerst nützlich.

Über den Autor
Chris Cuhls, Eventregisseur

Chris Cuhls ist weltweit als Eventregisseur und Konzeptioner für Firmenevents tätig. Auf seinem Blog spürt er den Prinzipien wirkungsvoller Events nach. Gelernt hat er sein Handwerk als Aufnahmeleiter bei der ehemaligen TV-Show „Wetten, dass..?“.

AnschriftChris Cuhls Medienproduktionen
Eventregie + Konzeptberatung
Am Botanischen Garten 1
50735 Köln
Telefon+49 179 5188128
E-Mailchris@ablaufregisseur.de
Internetwww.ablaufregisseur.de
Xingwww.xing.com/profile/Christopher_Cuhls
Facebookwww.facebook.com/ablaufregisseur

Weitere Artikel des Autors