PraktikumDas müssen Arbeitgeber bei der Vergütung beachten

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Auch Praktika müssen unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Mindestlohn vergütet werden.
erschienen: 28.04.2016
Schlagwörter: Entgelt
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Seit 2015 gilt in Deutschland ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Nach den Vorschriften des Mindeslohngesetzes (MiLoG) haben auch Praktikanten Anspruch auf den Mindestlohn. Doch diesen gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen. Unternehmen, die Praktikaten einstellen, sollten die zentralen Regelungen kennen.

Allgemeine Regelungen

Grundsätzlich haben Praktikanten Anspruch auf eine angemessene Vergütung, auch ohne Mindestlohn. Richtschnur sind die vom Bundesinstitut für Berufsbildung jährlich veröffentlichten Ausbildungsvergütungen. Nur wenn Praktikanten zum Beispiel für einen sehr kurzen Zeitraum im Unternehmen sind oder nur passiv am Arbeitsgeschehen teilnehmen, enfällt der Anspruch auf eine Vergütung.

Wer ein Praktikum anbietet, muss bereits in der dafür vorgesehenen Stellenausschreibung darauf aufmerksam machen, dass es der Wissensvermittlung dient. Nach den Vorschriften des MiLoG steht nämlich der Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen im Vordergrund, nicht jedoch die Arbeitsleistung. Wenn bei einem Praktikum allerdings der wirtschaftliche Nutzen für das Unternehmen überwiegt, wird daraus schnell ein verdecktes Arbeitsverhältnis, mit der Gefahr, dass die Befreiung vom Mindestlohn entfällt.

Um Nachfragen von Seiten der Finanzbehörden zu vermeiden, sollten Unternehmen deshalb von ihren Praktikanten Lehrpläne und Tätigkeitsberichte verfassen lassen, die den Bildungscharakter des Praktikums belegen.

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Vergütung eines Pflichtpraktikums

Wenn es sich um ein Pflichtpraktikum handelt, das im Rahmen einer Ausbildung, eines Studiums oder auf Anweisung einer Schule vorgeschrieben ist, entfällt der Anspruch auf den Mindestlohn. Gleiches gilt für ein Praktikum im Rahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder bei einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung nach dem SGB III.

Auch wenn Schülern und Absolventen eines Pflichtpraktikums ohne Ausbildungscharakter keine Vergütung zusteht, so hat doch die freiwillige Zahlung für Unternehmen auch Vorteile. Wer die Leistung von Praktikanten im Betrieb finanziell honoriert, erntet ein höheres Engagement der Praktikanten und sichert sich Pluspunkte fürs Image des Unternehmens.

Vergütung eines freiwilligen Praktikums

Wer ein freiwilliges Praktikum absolviert, das der beruflichen Orientierung dient oder während eines Studiums oder einer Ausbildung durchgeführt wird, hat kein Anspruch auf die Zahlung des Mindestlohns.

Nur wenn das Praktikum länger als drei Monate dauert, wird der Mindestlohn fällig, und zwar ab dem ersten Tag des Praktikums rückwirkend. Dieser Regelung liegt der Gedanke zugrunde, dass ein Praktikum nicht sofort einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens leistet. Unternehmen müssen in der Regel erst Zeit investieren, um Praktikanten einzuarbeiten. Würden auch freiwillige Kurz-Praktika bezahlt, würde das die Unternehmen zu viel Geld kosten.

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David Wolf

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