PraktikumWie Unternehmen mit Praktikanten umgehen sollten

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Unternehmen können von Praktikanten profitieren, wenn sie sich über die Ziele des Praktikums klar werden und Praktikanten nicht als billige Arbeitskräfte sehen.
erschienen: 20.04.2016
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Ein Praktikum gibt nicht nur konkrete Einblicke in den Arbeitsalltag und praktische Orientierung auf dem Arbeitsmarkt. Es hilft auch, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen, bestehende Fähigkeiten weiter auszubauen und so ein eigenes Berufsprofil zu entwickeln.

Doch wie sieht es dabei auf Seiten der Unternehmen aus? Immerhin ist das Bereitstellen eines Praktikumsplatzes mit Zeit und Mühe verbunden. Der geeignete Kandidat muss gefunden und ihm der Betrieb sowie die Arbeitsabläufe erläutert werden. Außerdem bedarf es einer betreuenden Fachkraft, die seine Fragen beantwortet.

Praktikumsplätze fördern das Unternehmensimage

Wer Praktikumsplätze anbietet, hilft jungen Menschen nicht nur bei der Berufsfindung, sondern macht gleichzeitig noch Werbung fürs eigene Unternehmen in Sachen Nachwuchsförderung. Das hat positive Folgen für die Außenwahrnehmung. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Schaffung von Praktikantenstellen auch eine Investition ins Marketing.

Praktikanten bieten zudem die Chance, dass Routinen hinterfragt werden und Raum für neue Ideen geschaffen wird. Praktikanten kommen möglicherweise auf spontane Verbesserungsvorschläge und können so helfen, das Unternehmen effizienter zu gestalten. Die Meinung von Praktikanten sollte also ernst genommen werden.

Wer Praktikanten einstellt, findet dadurch vielleicht auch zukünftige neue Mitarbeiter. Auszubildende und Studierende stehen zwar noch am Anfang ihres Berufslebens, haben sich aber schon in gewissem Maß mit dem Arbeitsumfeld auseinandergesetzt. Sie sind wissbegierig und bringen in der Regel eigene Ideen und Engagement mit. Dieses Potenzial sollten Unternehmen nutzen.

Aufwand und Ertrag der Praktikumsstelle klären

Bevor Unternehmen Praktikumsstellen anbieten, sollten sie klären, ob sie sich das tatsächlich leisten können. Sie sollten aber auch wissen, was sie sich von dieser Maßnahme erhoffen, also welche Ziele sie damit verfolgen.

Mögliche Ziele können die Verbesserung der Außenwahrnehmung sein, neue Impulse fürs Unternehmen, das Vermitteln von Praxis im Berufsalltag oder das Aufspüren neuer Mitarbeiter. Je konkreter die Zielsetzung formuliert wird, desto klarer lässt sich die Praktikumsstelle ausschreiben.

Folgende weitere Fragen können bei der Zielfindung helfen:

  • Welche Ressourcen stehen zur Verfügung, um einen Praktikumsplatz zu schaffen?
  • Können Mitarbeiter abgestellt werden, die sich zumindest zeitweise um die Betreuung der Praktikanten kümmern?
  • Wie viele Praktikanten können aufgenommen werden?
  • Was kann das Unternehmen Praktikanten konkret bieten?

Praktikum vertraglich fixieren

Obwohl Unternehmen dazu nicht verpflichtet sind, macht es Sinn, für das Praktikum einen Praktikumsvertrag abzuschließen. Der Grund: Das Arbeitsverhältnis orientiert sich an klaren Richtlinien. Außerdem spricht es für die Seriosität des Unternehmens, wenn es Praktikanten gegenüber klare Formulierungen findt und diese im Konsens mit ihnen fixiert.

Ein Praktikumsvertrag sollte folgende Punkte enthalten:

  • Persönliche Daten beider Vertragspartner
  • Dauer des Praktikums
  • Praktikumsinhalte und -aufgaben
  • Arbeitszeiten
  • Vergütung
  • Regelungen in Bezug auf Urlaub, vorzeitige Kündigung oder Geheimhaltung
  • Versicherungsschutz

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Praktikanten einen Mentor zur Seite stellen

Um Praktikanten den Einstieg ins Unternehmen so einfach wie möglich zu machen, sollte ihnen, zumindest in den ersten Tagen, ein Mentor zur Seite gestellt werden. Er ist auch Ansprechpartner während der gesamten Praktikumsdauer. Ein Mentor sollte Praktikanten in den ersten Tagen geduldig die Abläufe im Unternehmen erklären, sie an ihre Aufgaben heranführen und alle Fragen beantworten. Dies hilft, sich schnell einzugewöhnen und Unsicherheiten abzulegen.

Unternehmen sollten Praktikanten immer auf Augenhöhe begegnen und ihnen den Respekt entgegenbringen, den auch alle anderen Arbeitnehmer bekommen. Vor Beginn des Praktikums bietet es sich an, sich mit den Praktikanten zusammenzusetzen und einen Praktikumsplan zu entwerfen. Dieser sollte den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechen. Machen Praktikanten ihre Sache gut, können Unternehmen ihnen auch mehr Verantwortung übertragen. Bei Problemen in der Zusammenarbeit sollten Unternehmen Kritik freundlich und sachlich, aber bestimmt äußern sowie gemeinsam mit den Praktikanten nach Lösungen suchen.

Rechtliches bei Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika

Die Grundmotivation für ein Praktikum besteht in der Lernerfahrung der Praktikanten. Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass Praktikanten die Möglichkeit bekommen, Fachkenntnisse zu erwerben. In Bezug auf die steuerlichen, arbeitsrechtlichen und versicherungstechnischen Regelungen der Praktikumsgestaltung muss zwischen den Arten von Praktikanten unterschieden werden.

Schüler und Studenten im Pflichtpraktikum etwa haben keinen Anspruch auf ein Zeugnis, das die Tätigkeitsfelder und den Zeitraum des Praktikums dokumentiert. Gleiches gilt für Urlaub, da hier das Arbeitsrecht nicht greift. Wer ein Pflichtpraktikum absolviert, ist außerdem nicht sozialversicherungspflichtig.

Freiwillige Praktikanten hingegen haben nach Beendigung ihres Praktikums einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis nach den Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Alle Praktikanten haben zudem einen Anspruch auf einen sicheren Arbeitsplatz, der den Anforderungen an den Arbeitsschutz genügt, sowie auf reguläre Pausenzeiten.

Feedback-Gespräch nach Ende des Praktikums

Bevor ein Praktikum endet, sollte mit den Praktikanten ein Feedback-Gespräch geführt werden. Dabei geht es darum ihnen zu erläutern, was positiv war und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Unternehmen sollten sich in diesem Gespräch für die Zusammenarbeit bedanken, auch im Namen der Belegschaft.

Vor dem Feedback-Gespräch macht es Sinn sich zu überlegen, ob es eine Chance gibt, die Praktikanten auch künftig im Unternehmen zu beschäftigen, und wenn ja, in welcher Funktion. Das Abschlussgespräch sollte keine Einbahnstraße sein: Möglicherweise machen die Praktikanten hier Vorschläge, was im Unternehmen wo verbessert oder verändert werden sollte. 

Vergütung von Praktikanten

Mit der Ausdehnung des Mindestlohngesetzes (MiLoG) auf das Praktikantenverhältnis haben grundsätzlich auch Praktikanten Anspruch auf den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Welche Ausnahmen es dazu gibt und wie welche Praktika vergütet werden, lesen Sie in dem Beitrag:

Praktikum: Das müssen Arbeitgeber bei der Vergütung beachten

Über den Autor
Philipp Wittenbrink

Philipp Wittenbrink ist Betreiber und Chefredakteur des Informationsportals tagesgeld.org und Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur Performeo GmbH.

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