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Qualität für Projekte bei Public Private Partnership sichern

Bei PPP-Projekten ist die Einhaltung der Qualität des Auftragnehmers von entscheidender Bedeutung. Das Stichwort: ISO 9001.
erschienen: 19.07.2011

Ein Public-Private-Partnership-Modell sieht in der Regel vor, dass ein privates Unternehmen ein bestimmtes Projekt plant, errichtet, finanziert und betreibt. Die öffentliche Hand, als jahrelanger Nutzer, erwartet von der Partnerschaft mit der privaten Wirtschaft wesentliche Vorteile. Diese liegen beispielhaft in Synergieeffekten durch eine Bündelung von Kompetenzen (alles aus einer Hand), aber unter anderem auch in der Entlastung der angespannten öffentlichen Haushalte, da der private Unternehmer die gesamte Finanzierung selbst besorgt, maßgeblich abgestellt auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts.

Alle Beteiligten fordern und benötigen ein Qualitätsmanagement, insbesondere während der Bau- und Betriebsphase. Ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem (QMS) nach ISO 9001 kann in einigen PPP-Bereichen weitere Vorteile bieten und Potenziale aufzeigen. Es erfüllt bereits zahlreiche Analyseschwerpunkte, die aus der Sicht strategischer Investoren oder Finanzinvestoren im Rahmen einer Due-Diligence-Prüfung auftreten.

Forderungen des PPP-Auftraggebers

Die typische Projektstruktur stellt sich folgendermaßen dar: Der private Investor bindet alle leistungserbringenden Vertragspartner über eine Projektgesellschaft an sich. Somit hat der öffentliche Auftraggeber in der Bau- und jahrelangen Betriebsphase nur einen Vertragspartner. An das QMS werden hohe Anforderungen gestellt, wobei die Schnittstelle zum Kunden und auch die Sicherung der Qualität der Lieferanten maßgeblich im Focus stehen. Die Projektgesellschaften werden speziell für jedes Projekt gegründet und können einzeln oder bei gleichartigen Projekten als Gruppe auditiert werden.

Aus Sicht der ausschreibenden Stelle, also der öffentlichen Hand, spielt das Qualitätsmanagement eine besondere Rolle und für die projektbeteiligten Partner werden entsprechende Schwerpunkte für die Angebotserstellung im Hinblick auf Qualitätskriterien vorgegeben. Wesentliche Forderungen an das PPP-Projekt aus der Sicht des Auftraggebers sind beispielsweise:

  • Qualität der Bauausführung, also der planerischen und baulichen Umsetzung
  • Sicherung einer hohen Nutzungsqualität über einen langen Zeitraum
  • Städtebauliche, architektonische Gestaltung und Funktionalität

Der Auftraggeber sollte seine Möglichkeiten im Hinblick auf die Qualitätssteuerung optimal nutzen und in den Verdingungsunterlagen klare und erschöpfende Beschreibungen der zu erbringenden Leistung und der einzuhaltenden Qualität so konkret wie möglich angeben. Während der Bau- und Betriebsphase kann die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Qualitätsstandards mit Hilfe von Leistungsindikatoren überwacht werden. Ein umfangreiches Kontrollinstrument für den Auftraggeber ist zum Beispiel ein Service Level Agreement (SLA), in dem die Qualitäten der vom privaten Partner zu erbringenden Leistungen definiert und so über die gesamte Vertragslaufzeit auf einem hohen Niveau gehalten werden können. Über eine entsprechende Vertragsgestaltung kann die Qualität kontinuierlich gesteuert werden.

Nachweise des PPP-Auftragnehmers

Je nach Forderung ergeben sich für den Auftragnehmer zwei unterschiedliche Möglichkeiten, um seine Fähigkeiten, ein Projekt in hoher Qualität ausführen zu können, nachzuweisen:

  • Das PPP-Projekt wird bei vorgegebenen Kosten in der bestmöglichen Qualität geplant, umgesetzt und betrieben
  • Das PPP-Projekt wird bei vorgegebener Qualität zu den geringstmöglichen Kosten geplant, umgesetzt und betrieben

In den eigenen Prozessen sollten dazu fachliche Methoden und Vorgehensweisen verankert sein, wie die zu erbringende Qualität geplant, gesteuert und die erreichten Qualitäten dauerhaft gesichert werden. Ein QMS sichert ebenfalls Kriterien des nachhaltigen Bauens, wie etwa definierte Messungen zur Qualitätskontrolle. Um den Forderungen des Auftraggebers nach einer hohen Bau- und Nutzungsqualität unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nachzukommen, muss gut ausgebildetes Personal bereitstehen. Mit einem QMS werden die beständige Einhaltung und Aktualität der Prozesse sowie die Verantwortlichkeiten und fachliche Kompetenzen regelmäßig hinterfragt.

Über den Autor
Andreas Kundi

Andreas Kundi ist geschäftsführender Gesellschafter der MaxMel GmbH. Der Bauingenieur und Auditor ISO 9001 berät bereits seit Jahren KMU und internationale Unternehmen im Bereich Aufbau und Weiterentwicklung von Qualitätsmanagementsystemen in Verbindung mit deren branchenspezifischen Anforderungen. Außerdem steht er beim Aufbau von navigierbaren QM-Portalen oder QM-Wikis beratend zur Seite.

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