Rede haltenBlackout überwinden und für sich nutzen

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Ein Blackout bei einem Vortrag ist nicht tragisch. Als Redner können Sie sogar Vorteile daraus ziehen. Vorausgesetzt, Sie ergreifen bestimmte Notfall-Strategien.
erschienen: 12.08.2015
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Ein Blackout bei einer Rede ist nicht tragisch. Erstens kann das Publikum sich nach einer guten Rede in aller Regel nicht einmal mehr daran erinnern. Zweitens können Redner daraus sogar einen Vorteil ziehen, wenn sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Es gibt viele Gründe, warum einem Redner der rote Faden reißen kann: Lampenfieber, Ablenkungen durch schwierige private Situationen oder durch einen Zwischenruf aus dem Publikum. Stress kommt als Grund in Frage, ebenso Müdigkeit. Der sicherste Weg in den Blackout ist die Angst davor. Belastet auf die Bühne zu gehen ist generell die ungünstigste Voraussetzung für eine gute Rede. Tritt dieser Fall ein, helfen bestimmte Notfall-Strategien, die nicht nur die Situation retten, sondern Sie als Redner auch noch gut aussehen lassen.

Blackout als Pause inszenieren

Redner spüren zwar den Druck abliefern zu müssen, doch treffen sie in der Regel auf ein entspanntes Publikum, das sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt – schon gar nicht durch eine kleine Pause. Eine Unterbrechung von bis zu drei Sekunden wird von den Zuhörern gar nicht als Ausfall wahrgenommen, sondern als wirkungsvoller Akzent innerhalb der Rede. Als Redner haben Sie also viel Zeit, um auf einen Blackout zu reagieren, auch wenn sich ein Texthänger für Sie wie eine Ewigkeit anfühlen sollte.

Wenn Sie also einmal nach der richtigen Formulierung suchen oder den Faden verloren haben, gehen Sie erst einmal drei Sekunden in sich. In dieser Zeit können Sie entscheiden, wie Sie weitermachen. Wenn Ihnen wieder einfällt, was als nächstes kommt, schauen Sie ins Publikum und fahren unbeeindruckt fort. Auf diese Weise wird der Blackout als inszenierte Pause wahrgenommen und tut der Aufmerksamkeit sogar gut.

Sollte Ihre Gedächtnislücke allerdings größer sein, müssen Sie handeln. Verwenden Sie in diesem Fall eine der folgenden Notfall-Strategien:

Kurz zuvor Gesagtes wiederholen

Wenn der rote Faden auch nach einer kurzen Pause nicht wiederkommen will, sollten Sie auf Ihr Kurzzeitgedächtnis zurückgreifen. Das Kurzzeitgedächtnis bleibt von Emotionen wie Angst oder Sorge weitgehend unbeeinflusst. Dafür, dass wir bei einer Rede im Normalfall sinnvolle Sätze formulieren können, ist unser Ultra-Kurzzeitgedächtnis zuständig. Es sorgt dafür, dass wir kontinuierliche Handlungen ausführen können. Ohne dieses Gedächtnis könnten wir praktisch keine alltäglichen Handlungen ausführen.

Das Ultra-Kurzzeitgedächtnis speichert Informationen nur für etwa zwei Sekunden. Wenn Sie also eine Pause von drei Sekunden eingelegt haben, um sich in Ihrer Rede zu orientieren, haben Sie ein Problem. Allerdings hat das Ultra-Kurzzeitgedächtnis, bevor es sich mit der nächsten Information beschäftigt, noch ein Signal an das Kurzzeitgedächtnis gesendet, dass die anstehende Aufgabe weiterer Bearbeitung bedarf. Auf diesen Teil des Gedächtnisses können Sie nun zurückgreifen. Das Kurzzeitgedächtnis weiß nämlich noch, was Sie Ihren Zuhörern bisher erzählt haben. Und weil Wiederholung auch gut für das Gedächtnis Ihres Publikums ist, spricht nichts dagegen, eine kurze Schleife einzulegen.

Leiten Sie zunächst über mit einem Satz wie: „Ich fasse kurz zusammen, was wir bislang erfahren haben“. Oder: „Noch einmal die drei wichtigsten Punkte bisher“. Dann wiederholen Sie die vorangegangenen Aspekte. Damit wird Ihr Blackout im besten Fall gar nicht als solcher wahrgenommen. Zum anderen finden Sie durch die Wiederholung Ihren roten Faden wieder, wenn Sie sich den Gesamtzusammenhang Ihrer Rede auf diese Weise noch einmal vergegenwärtigen.

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Publikum bei der Wiederholung involvieren

Bei der Wiederholungsschleife können Sie, je nach Redeanlass, auch Ihr Publikum involvieren. Bauen Sie spontan eine kleine Übung ein, wenn Sie mehr Zeit brauchen oder die Zuhörer beschäftigen wollen, während Sie einen Blick in Ihre Notizen werfen. Etwa so: „Tauschen Sie sich mit Ihrem Sitznachbarn darüber aus, welche Erfahrung zu unserem Thema aus den letzten Wochen für Sie die wichtigste war. Anschließend bitte ich Sie, mir ihre Punkte aufzuzählen. Fangen Sie sofort an miteinander zu reden, denn Sie haben nur fünf Minuten!“

Sollten Sie nach dieser Schleife immer noch nicht weiter wissen oder Ihnen eine Wiederholung gerade nicht angebracht erscheinen, kann folgende Strategie greifen:

Mit Humor Sympathie-Punkte sammeln

Humor ist ein rhetorisches Mittel, das die meisten Reden aufwertet. Beim Blackout kann Humor zum Retter in der Not werden, denn damit können Sie die vermeintlich peinliche Situation tatsächlich zu Ihren Gunsten drehen. Wenn Sie auf witzige Weise indirekt eingestehen, dass Ihnen gerade die Worte fehlen, ist das ein sehr menschlicher Zug. Das lässt Sie viel sympathischer wirken, als wenn Sie verbissen um den nächsten Satz kämpfen. Lächeln Sie und nehmen Sie es selbstironisch, wenn Ihnen im Moment einfach nicht mehr einfallen will, wie es weitergeht. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihre Souveränität als Redner zu demonstrieren, indem Sie das Publikum trotz rhetorischer Unterbrechung weiter unterhalten.

Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich auf den Fall eines Blackout vorbereiten, denn wenn Sie sich Gedanken darüber gemacht haben, wie Sie mit dieser Situation umgehen können, verlieren Aussetzer ihren Schrecken – und kommen allein deshalb seltener vor. Viele prominente Redner bereiten sich darauf vor. Phil Cass beispielsweise sagte einmal: „Psst! Gott spricht zu mir!“ Alan Pease spielte mit seiner Vergesslichkeit: „Meine Gedanken gehen gerade auf Wanderschaft, und meine Zunge folgt ihnen!“

Terry Paulson gab sich humorvoll geschlagen: „Manchmal bedeutet Schweigen sehr viel … aber nicht dieses Mal.“ Ein anderes Mal sagte er: „Wenn jemand von Ihnen mich schon einmal hat reden hören, kann er zum nächsten Gedanken springen oder mir aus der Patsche helfen.“ Und auch Tony King fand einen witzigen Ansatz, um sein Publikum zum Lachen zu bringen und gleichzeitig einzubeziehen. Er fragte die Zuhörer: „Hat jemand Notizen gemacht?“

Notfall-Plan zurechtlegen

Manche Redner legen sich auch eine witzige Erklärung dafür zurecht, warum sie ihre Notizen konsultieren müssen. Natürlich wird den Zuhörern klar sein, was das bedeutet, doch übel nehmen wird es niemand. John Nisbet beispielsweise erklärte seinem Publikum: „Mein Güte! Wie seltsam. Ich bin gerade in eine Zeitkrümmung geraten. Sicher haben Sie es nicht bemerkt, aber das letzte Mal, dass ich zu Ihnen sprach, war vor vier Tagen. Lassen Sie mich einen Blick in meine Notizen werfen.“

Jeder der Genannten ist ein Top-Redner, und bei keinem von ihnen hat sich daran wegen eines Blackouts etwas geändert. Im Gegenteil: Sie alle haben es geschafft, mit ihrer Gedächtnislücke sogar noch Sympathie-Punkte einzusammeln. Haben Sie also keine Angst: Ein Blackout ist halb so wild – wenn Sie darauf zu reagieren wissen. Nehmen Sie sich bei der Vorbereitung Ihrer nächsten Rede Zeit und legen Sie sich einen Notfall-Plan zurecht. Dann wird aus einem anfangs peinlichen Moment eine Gelegenheit zum Glänzen.

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Über den Autor
René Borbonus

René Borbonus gehört zum renommierten Kreis der Top 100 Excellence Speakers und bewegt sich – als Buchautor, Vortragsredner und einer der führenden Kommunikationstrainer im deutschsprachigen Raum – bewusst an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis.

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