Rede haltenTipps fürs Halten einer Abschiedsrede

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Ein Kollege geht in den Ruhestand. Eine Mitarbeiterin verlässt das Unternehmen und tritt einen neuen Job an. Typische Situationen für eine Abschiedsrede. Doch worauf kommt es dabei an?
erschienen: 11.09.2015
Schlagwörter: Präsentieren
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Bei einer Abschiedsrede sind Sie gefragt, im Rahmen eines kleineren oder größeren Ausstands ein paar warme Worte zu sprechen. Sie schauen auf das zurück, was Sie und die zu verabschiedende Person gemeinsam erlebt haben. Es ist an Ihnen, diese Person wertschätzend zu verabschieden.

Was einfach klingt, ist manchmal eine große Herausforderung, denn Sie müssen die richtigen Inhalte wählen, den passenden Ton treffen und die Botschaft auf den Punkt bringen. Von Vorteil ist es, wenn Sie demjenigen, für den Sie sprechen, nahestehen. Das macht es einfacher, persönliche Worte zu finden. Allerdings können Sie sich das im beruflichen Alltag nicht immer aussuchen.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen, alle Beteiligten in einem guten Licht dastehen zu lassen – inklusive sich selbst:

Direkte Ansprache statt dritte Person

    Um eine gute Verbindung aufzubauen, sprechen Sie nicht über, sondern mit der Person, die geht. Das gelingt, wenn Sie Ihre Rede mit einer persönlichen Ansprache beginnen: „Lieber Herr Gruber, ...“ – und währenddessen Blickkontakt halten. Zwischendurch können Sie den Blick auch ab und an durch den restlichen Kollegenkreis schweifen lassen, zum Beispiel wenn Sie eine kleine Anekdote erzählen. Aber in erster Linie geht es um die Person, die Ihre Firma oder Abteilung verlässt.

Knackig statt langatmig

Sie sollen mit Ihren Worten ein Zeichen setzen, dabei aber nicht die Zeit vergessen. Für eine Ansprache im Rahmen eines Umtrunks oder einer kleinen Feier sind 5 bis 10 Minuten ideal. Schließlich sind Sie meistens nicht der Einzige, der etwas sagen möchte. Kürzer als fünf Minuten sollte die Rede allerdings auch nicht sein. Ein nur sehr knappes „Danke und Tschüss“ hat Signalwirkung, transportiert es doch unterschwellig, dass Ihnen die Person nicht mehr Rede- und Vorbereitungszeit wert war.

Persönliches statt Zahlen, Daten und Fakten

„1972 machte er seinen Abschluss an ..., dann ging er nach ... bevor er die Leitung der Abteilung XY übernahm.“ Kein Zuhörer möchte sich durch die komplette Biografie einer Person kämpfen. Konzentrieren Sie sich deshalb auf die wesentlichen Informationen und schmücken Sie Ihre Rede mit wohlwollenden Anekdoten aus dem gemeinsamen beruflichen Alltag aus. So vermitteln Sie ein Gefühl dafür, wie das Miteinander wirklich war und lassen gleichzeitig die eine oder andere Erinnerung aufleben.

Natürlich statt pathetisch

Egal, ob Sie eine kurze Geschichte erzählen oder über den Menschen selbst berichten: Achten Sie darauf, dass Sie ganz normal sprechen und Ihren Worten keinen allzu feierlichen Anstrich verleihen. Aussagen wie „Ihr Schaffen hat die Entwicklung der Abteilung nachhaltig geprägt – Sie werden eine große Lücke hinterlassen“ wirken eher steif und kommen im schlimmsten Fall sogar albern rüber. In normaler Sprechsprache hört sich das Ganze viel lebendiger an: „Was die Abteilung heute ausmacht, haben wir in erster Linie Ihnen zu verdanken. Sie werden uns fehlen!“

Ehrlich statt übertrieben

Abschiedsfeiern verleiten dazu, der gemeinsamen Vergangenheit einen rosaroten Anstrich zu verleihen. Das Ergebnis sind dann mitunter unrealistische Lobhudeleien, die auch peinlich sein können und nicht unbedingt dafür sorgen, dass Sie als glaubwürdiger Redner in Erinnerung bleiben. Auch wenn es gut gemeint ist: Übertreiben Sie nicht – in Ihrem eigenen Interesse und dem der ausscheidenden Person.

Wohlwollend statt nachtragend

Sie sollten Ihr Grußwort nicht dazu nutzen, eine schonungslose Endabrechnung mit der Person vorzunehmen. Möglicherweise gab es immer wieder Konflikte zwischen Ihnen und ihr. Die gehören allerdings in ein Vier-Augen-Gespräch und nicht auf die Bühne. Natürlich sollten Sie Ihr Gegenüber aber auch nicht in den Himmel loben, wenn ohnehin alle im Raum wissen, dass Sie ein recht angespanntes Verhältnis hatten. Zeigen Sie Größe und konzentrieren Sie sich auf die Themen, die Sie beide verbinden. Die gibt es in jeder Geschäftsbeziehung, auch wenn Sie manchmal erst danach suchen müssen. Falls Ihnen kleine Spitzen auf der Zunge liegen, schlucken Sie diese besser hinunter.

Aufmunternd statt sentimental

    Bringen Sie einen fröhlichen Ton in Ihre Ansprache. Dabei geht es nicht darum, einen Witz nach dem anderen zu machen, sondern darauf zu achten, dass es nicht zu ernst wird. Neben einem optimistischen Blick in die Zukunft helfen auch hier kleine Anekdoten, um noch einmal über erlebte Missgeschicke oder lustige Situationen zu schmunzeln. Denn auch wenn Sie traurig sind, wollen Sie doch nicht in lauter betretene Gesichter schauen.

Diese Tipps gelten auch dann, wenn Sie selbst die Person sind, die die Firma verlässt und ein Grußwort an Ihre Kollegen richten wollen.

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Über die Autorin
Andrea Joost

Andrea Joost ist Trainerin für wirkungsvolles Reden und sprachliche Cleverness. Die studierte Diplom-Betriebswirtin (BA) und ausgebildete Verkaufstrainerin war viele Jahre Vertriebsdirektorin einer großen Investmentgesellschaft, bevor sie sich 2011 selbstständig machte. Ihr Buch "Mit Worten bewegen: Präsentationen und Reden, die wirklich begeistern" ist im Dezember 2012 im Wiley-VCH Verlag erschienen.

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