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Resilienz von Firmen

Ob Euro-Krise oder Bankencrashs – Unternehmen müssen mehr denn je widerstandsfähiger gegen Krisen und Schocks werden. Sieben Schritte, wie das gelingen kann.
erschienen: 09.10.2012

Heute ist der Begriff Resilienz, der ursprünglich aus der Biologie stammt und Widerstandskraft bedeutet, im Business beziehungsweise im Management von Unternehmen angelangt. Resiliente Systeme sind flexible Systeme. Sie schaffen es, sich immer zwischen Erhaltung, Reorganisation und Wachstumsphase zu bewegen. Das gelingt dann, wenn durch Innovation die kreative Zerstörung rechtzeitig und in ausreichendem Maß vorweggenommen wird. Erfolgt die antizipierte Innovation zu langsam, bricht das System zusammen.

Für Unternehmen geht es also darum rechtzeitig zu erkennen, wann von außen oder von innen Veränderungen eintreten, um rechtzeitig handeln zu können. Letztlich soll die Widerstandskraft von Unternehmen gestärkt werden, um die Verletzlichkeit gegenüber Schocks zu verringern. An diesem Punkt legen wir nun den Resilienzgedanken auf strategisches Management um und stellen die Fragen:

  • Was unterscheidet Unternehmen, die gegen Stagnation, Krisen oder Schocks widerstandsfähig zu sein scheinen und in solchen Situationen womöglich auch noch wachsen, von jenen, die wie gelähmt untergehen?
  • Wie können Unternehmen resilienter werden, sozusagen ihre resilienten Anteile entdecken und sie stärken?

Sieben Schritte auf dem Weg zum resilienten Unternehmen

Welche konkreten Wege müssen nun eingeschlagen werden, um die Resilienz von Unternehmen zu erhöhen? Welche aktiven Handlungsfelder vergrößern die Widerstandskraft eines Unternehmens? Ausgangsbasis für die sieben Schritte zur Resilienz bildet die Tatsache, dass es zur Schaffung von Unternehmenswerten strategische Initiativen braucht, deren konkrete Umsetzung zu positiven Ergebnisse führt. 

1. Lebende Strategie

Eine Strategie ist nur so gut wie ihre Umsetzung. Beachten Sie deshalb, dass eine strategische Initiative sich in den Prozessen in der Organisation und im Verhalten der Mitarbeiter wiederfinden muss. Ansonsten bleibt sie wirkungslos.

2. Diversifikation

Setzen sie nicht alles auf ein Pferd, sondern diversifizieren Sie! Unternehmen müssen ihr Portfolio ständig auf den Prüfstand stellen, denn schnell können auf Grund externer Veränderungen innerhalb des Produktportfolios „Cash Cows“ zu „Poor Dogs“ werden und die neu entwickelten „Stars“ (siehe Grafik unten) fangen gar nicht an zu leuchten, weil es für diese Produkte keine effektive Vertriebsstrategie gibt. Die ständige Überprüfung neuer Märkte und Produkte hält ein Unternehmen wach und lässt es auf unerwartete Entwicklungen schnell reagieren.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Kienbaum mit dem Titel „Wie deutsche Unternehmen auf die Wirtschaftskrise reagieren“ waren 2009 mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen von der Krise unmittelbar und zum Teil existenzbedrohend betroffen. Die Mehrheit der Unternehmen sieht darin auch ein schwerwiegendes Hindernis bei der Umsetzung von Restrukturierungs- und Entwicklungsmaßnahmen. In der Studie heißt es sinngemäß: 

„Da alle ‚Player’ in den Märkten betroffen sind, also Lieferanten und Kunden, ist die Entwicklung ganzer Wirtschaftszweige über die gesamte Wertschöpfungskette bedroht.“

3. Außensicht ist wichtig

Unternehmen müssen aktiv ihre Ökosysteme, die sie umgeben, beobachten. Instrumente wie Umfeld- oder Stakeholderanalysen erleichtern Innovations- und Investitionsentscheidungen und bieten eine Art Frühwarnsystem, damit Veränderungen rascher wahrgenommen werden können. Gerade in schwierigen Zeiten ist es ein entscheidender Vorteil, einen Außenradar zu haben und auch darauf zu reagieren.

Eine Studie der empirica Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung mbH unter dem Titel „Auswirkungen des demografischen Wandels auf Unternehmen und mögliche Maßnahmen zur Sicherung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer“ weist auf das Phänomen hin, dass Auswirkungen des Alterns zwar die Politik zunehmend beschäftigen, jedoch das Problembewusstsein für die Konsequenzen des demografischen Wandels in den meisten Unternehmen noch gering verbreitet ist. Als eine der möglichen Ursachen werden die immer kürzer werdenden Planungshorizonte der Betriebe angeführt. Laut dem „HR-Barometer 2011“ des Beratungshauses Capgemini wollen zwar 27 Prozent der Personalverantwortlichen dem demografischen Wandel mehr Aufmerksamkeit schenken, doch bis zur Umsetzung in konkrete Schritte ist es oftmals ein weiter Weg.

4. Stärkung innen

Mitarbeiter sind die (knappe) Ressource der Zukunft. Unter der Annahme, dass weltweit technische Optimierungstechnologien gleich angewendet werden können, liegen die strategischen Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens in der Innovationskraft der Mitarbeiter.

5. Offene Unternehmenskultur

Nur mit einer aktiv gestalteten Unternehmenskultur, die auf Offenheit und Dialog setzt, können intern die besten Ideen entstehen und so Wachstumspotenziale geschaffen werden. In Zeiten von Social Media ist offene Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen ein Muss. Unternehmen sind nicht mehr nur Sender von Informationen, im Social Web sind sie Gesprächsthema, Dialogpartner auf Augenhöhe und Experte, wie der Beitrag „Offene Unternehmenskultur als Voraussetzung für Social Media in der Unternehmenskommunikation auf dem Online-Portal „PR-Journal“ zeigt. Durch Social Media können alte Strukturen aufbrechen und Einfluss und Macht werden neu verteilt. Unternehmen sollten daher regelmäßig ihre Unternehmenskultur hinterfragen und neu ausrichten.

6. Einfachheit

Gerade in schwierigen Zeiten kommt es dazu, dass Unternehmen Komplexität unnötigerweise erhöhen, wie es Jürgen Fleig, Geschäftsführer von business-wissen.de in seinem Beitrag „Komplexität: Wie Unternehmen mit einfachen Regeln in komplexen Märkten gewinnen“, beschreibt. Wenn Umsätze und Gewinne einbrechen, sucht das Management nach raschen Lösungen und macht damit alles meist noch schwieriger.

Resiliente Unternehmen bauen Komplexität ab. In jeder Organisation gibt es überlieferte und nicht mehr zeitgemäße Prozesse und bürokratischen Ballast. Unternehmen fahren besser, wenn sie ihre Innen- und Außenwelt einfacher gestalten. 

7. Das Ganze sehen

Management in schwierigen Zeiten erfordert Weitblick. Detailfragen verstellen oft die Sicht aufs Ganze. Das Management muss sich die generische Sicht auf das Geschehen in einem Unternehmen bewahren. Einen Lösungsansatz aus der Managementlehre bietet dazu das St. Galler Management-Modell an, da es eine ausgewogene analytische Sicht von innen aber auch von außen bietet.

Hinter den sieben Schritten stehen Methoden und Tools, die wir aus der aktuellen Unternehmensberatung und Organisationsentwicklung kennen. Neu ist, diese in der Systematik und im Verständnis der Resilienz anzuwenden und daraus auch die richtigen Schlüsse zu ziehen. Zum Schluss sei Managern in Unternehmen eine Art Leitsatz ans Herz gelegt: Unternehmen und Organisationen mit hoher Resilienz sind besser für die Zukunft gerüstet.

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Über den Autor
Alois Schrems

Alois Schrems ist Ökonom und Gründer von Resilience Consult - Managementberatung für Unternehmen, Organisationen, NGO in der DACH-Region und Südosteuropa. Er ist Certified Strategy Professional (Universität St. Gallen) und hat eine Ausbildung für Systemisches Leadership absolviert. Seine Beratungsschwerpunkte liegen in der Planung von Strategien, Prozessen und Change Management sowie CSR-Management.

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