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RezessionsdruckForderungsfinanzierung gewinnt an Bedeutung

Eine Studie zeigt, dass immer mehr deutsche Firmen Aktiva wie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen für ihre Finanzierung nutzen wollen.
erschienen: 19.03.2010
Schlagwörter: Finanzierung

Etwa 34 Prozent der deutschen Unternehmen (31 Prozent in Großbritannien, 43 Prozent in Frankreich) sagten, sie hätten bereits Finanzierungen in Anspruch genommen, die sie durch ihre Handelsforderungen besichert hatten. Darüber hinaus dürfte der Anteil der Finanzierungen, die auf diese Aktiva aufgenommen werden, in den nächsten 12 bis 18 Monaten erheblich steigen. Knapp die Hälfte (44 Prozent) der europäischen Firmen sagte, sie planten, Forderungsfinanzierung stärker zu nutzen. In Deutschland und Großbritannien (48 Prozent beziehungsweise 44 Prozent) war das Interesse an dieser Technik am größten, was vermuten lässt, dass diese Länder schon bald das hohe Niveau Frankreichs erreichen werden.

Nach einer Prognose des European Securitisation Forum wird die Verbriefung 2008 auf 272 Milliarden € fallen, den niedrigsten Stand seit 2004. Der allgemeine Rückgang im Verbriefungsgeschäft dürfte direkt auf Probleme wegen schlechter Forderungsqualitäten zurückzuführen sein. Solide Forderungen wie Handelsforderungen bleiben jedoch von den negativen Auswirkungen verschont. Die Verbriefung gesünderer, stabiler Aktiva wie Handelsforderungen wird voraussichtlich steigen. Die Studie von Demica, einem Londoner Anbieter von Betriebskapitallösungen, versuchte, dies zu quantifizieren. Dabei zeigte sich, dass 61 Prozent der deutschen Firmen (54 Prozent der britischen und 53 Prozent der französischen) meinen, das knappe Angebot an normalen Bankkrediten werde dazu führen, dass große Firmen künftig einen größeren Teil ihres Finanzbedarfs durch die Verbriefung von Handelsforderungen decken.

Kreditaufnahme zunehmend problematisch

Auch bei den Banken ist eine große Bereitschaft zu sehen, Firmen diese Art Finanzierung anzubieten, als eine Möglichkeit, Geld zu geben, ohne inakzeptable Risiken einzugehen. Im letzten Jahr hat man gesehen, dass die Bankkunden zunehmend gezwungen waren, zusätzliche Sicherheiten zu stellen, um einer Kreditbegrenzung zu entgehen. Nach Demicas Studie betraf dies 63 Prozent der deutschen Firmen (57 Prozent der britischen und 64 Prozent der französischen). Darin zeigt sich, dass manche Banken nur noch zur Kreditvergabe bereit sind, wenn ihre Firmenkunden stabile Sicherheiten wie zum Beispiel Handelsforderungen stellen können. Phillip Kerle, der CEO von Demica, meint dazu:

„Das knappe Angebot an traditionellen Krediten hat sich in den letzten zwei Jahren zu einem echten Problem entwickelt. In Zukunft werden die Firmen in Europa für ihre Finanzierung zunehmend auf liquide Aktiva setzen müssen. Handelsforderungen führen diese Entwicklung an, weil Rechnungsforderungen als Sicherheit hoher Qualität gelten und somit mehr Kreditaufnahmemöglichkeiten eröffnen."

Kerle sagt, dass gewiefte Firmen Möglichkeiten fänden, trotz der aktuellen Liquiditätskrise mehr Gelder aufzunehmen, indem sie ihre Handelsforderungen als Sicherheit nutzten. Diese Kreditlinien hätten zusätzlich den Vorteil, dass sie weniger komplex sind als andere Transaktionen. Obwohl auch sie nicht ganz unkompliziert seien, ließen sie sich doch leichter überwachen, weshalb sie weniger riskant sei. Kerle weiter:

„Es gibt spezielle computergestützte Dienste zur Automatisierung dieser Prozesse, die auch eine regelmäßige Überwachung und Berichterstattung über die zugrundeliegenden Forderungen ermöglichen. Wir können damit rechnen, dass die Nachfrage nach diesen Diensten im nächsten Jahr rapide steigen wird.“

Demica TR Research – Zusammenfassung der Haupterkenntnisse

  • Knapp die Hälfte der Firmen in Europa (44 Prozent) meinen, dass Unternehmen in den kommenden 12 bis 18 Monaten allgemein stärker auf die Forderungsfinanzierung zurückgreifen werden.
  • Ein Drittel der Firmen in Europa (36 Prozent) nutzt bereits Finanzierungsformen, die sie durch ihre Handelsforderungen besichern.
  • Insgesamt ist das Verbriefungsgeschäft wegen der Finanzmarktkrise zurückgegangen. Die Verbriefung gesünderer, stabiler Aktiva wie Handelsforderungen wird jedoch voraussichtlich steigen.
  • Die derzeitige Kreditknappheit wurde als einer der Hauptfaktoren angeführt, der den Firmen in Europa die Kreditaufnahme erschwert. 56 Prozent der Befragten meinen, dies werde dazu führen, dass größere Firmen einen größeren Teil ihres Finanzierungsbedarfs durch Forderungsfinanzierung werden decken müssen.
  • Die Situation scheint sich zugespitzt zu haben: 61 Prozent der Unternehmen geben an, ihnen bleibe nichts anderes übrig, als Aktiva wie Handelsforderungen anbieten zu müssen, um Banken zur Kreditgewährung bewegen zu können.
  • Die Expansion der Forderungsfinanzierung wird durch computergestützte Dienste unterstützt, die nicht nur die erforderlichen komplexen Prozesse automatisieren, sondern auch eine regelmäßige Überwachung und die Berichterstattung über zugrunde liegende Forderungen ermöglichen.

Zur Studie:

Demica hat für die Studie über 1.500 Firmen mit mehr als 50 Arbeitnehmern in Deutschland, Großbritannien und Frankreich befragt.

[Quelle: Demica Limited; Bild: Falko Matte - Fotolia.com]