RhetorikSchlagfertig reagieren

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Wer schlagfertig ist, geht aus verbalen Attacken als Gewinner hervor. Aber welche Techniken gibt es, um schlagfertig zu reagieren?
erschienen: 19.09.2016
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Wenn wir mit provokativen Fragen, Killerphrasen oder unsachlicher Kritik konfrontiert werden, wollen wir uns verteidigen. Ein rhetorisches Mittel dafür ist die Schlagfertigkeit. Das Problem: Verbale Attacken treffen uns meist unvorbereitet, und die passende Antwort darauf fällt uns oft erst später ein. Viele nehmen sich deshalb vor, bei der nächsten Gelegenheit schlagfertiger zu reagieren.

StichwortSchlagfertigkeit

Schlagfertigkeit ist die Fähigkeit, sprachlich schnell und treffend auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Das Wort stammt aus dem Militär-Jargon, wo die Schlagfertigkeit einer Armee ihre Bereitschaft zum sofortigen Einsatz bedeutet.

Schlagfertige setzen sich durch

Schlagfertig ist, wer in einer Diskussion, im Meeting, während einer Präsentation oder im Bewerbungsgespräch spontan und wendig kontert. Diejenigen, die ihren Standpunkt gegenüber verbalen Angriffen auf diese Art verteidigen, stoppen Verbalattacken, bevor ein Konflikt daraus entsteht. Die Angreifer stehen dann selbst in schlechtem Licht da, während die Verteidiger souverän, selbstsicher und durchsetzungsfähig wirken. So lässt sich auch erklären, weshalb schlagfertige Menschen mit ihren treffenden, oft witzigen Bemerkungen gut ankommen.

Eine Anleitung fürs Schlagfertigsein gibt es allerdings nicht. Schlagfertigkeit hat mit Veranlagung zu tun und ist nur schwer erlernbar. Schlagfertigkeit ist nämlich nicht immer das, nach was es aussieht, also das schnelle sprachliche Reagieren auf unvorhergesehene Situationen. Schlagfertig sein heißt:

Situationsspezifisch entgegnen

Beispiel: Reaktion auf eine missglückte Äußerung aus dem Publikum während einer Präsentation.

Schnell beziehungsweise spontan reagieren

Wer lange überlegt ist nicht schlagfertig.

Humoristisch sein

Beispiel: Durch eine witzige Bemerkung bei Gesprächspartnern sympathisch erscheinen.

Dosiert antworten

Nicht mit spitzer Zunge formulieren, denn das kann Missverständnisse provozieren oder andere bloßstellen.

Verbale Attacken ins Leere laufen lassen

Aus Psychologie und Gehirnforschung ist bekannt, dass Menschen auf verbale Attacken drei mögliche Reaktionen zeigen: Angriff, Flucht oder Schutz. Flucht ist heute im Gegensatz zu früher oft keine Alternative mehr. Stattdessen setzen viele zum Gegenschlag an, reagieren gereizt und stellen den Gesprächspartner bloß.

Statt auf diese Weise schlagfertig sein zu wollen, sollten wir überlegen: Muss ich auf jede verbale Attacke reagieren? Das Sprichwort „Angriff ist die beste Verteidigung“ impliziert auch, dass wir uns durch Gegenangriffe verteidigen sollen – genau darauf wartet aber ein Angreifer. Hinzu kommt: Der Gesprächspartner muss nicht immer unbedingt der „Gesprächsgegner“ sein. Wir sollten uns bewusst machen, dass es sich nicht immer zwingend um eine Verbalattacke handeln muss. Menschen treten oft auch in Fettnäpfchen und merken es nicht, wenn sie etwas Unpassendes sagen.

Eine Alternative zur Schlagfertigkeit kann also sein, den Angreifer ins Leere laufen zu lassen und nicht zu zeigen, dass man getroffen wurde. Abwarten und Schweigen sind Mittel, die in solchen Situationen deeskalierend wirken. Wenn das mit der passenden Körpersprache untermauert wird – je nach Situation durch verschränkte Arme oder einem langweiligen Blick – kann Schweigen ein effektives Instrument sein, das den Angreifer zunächst irritiert.

Analogien oder Metaphern überlegen

Wer schlagfertig sein möchte, sollten sich passende Sätze zurechtlegen. Der Kommunikationsberater und Rhetorik-Experte René Borbonus etwa weiß, dass Rhetorik ein Führungsinstrument ist. Er schlägt zwei Methoden mit Beispielen für Angegriffene vor, mit denen sie verbal kontern:

Überall, wo gemeine Fragen, unsachliche Kritik oder persönliche Angriffe geäußert werden, sind treffende Analogien oder ausgefallene Metaphern ein hilfreiches Mittel. Wer auch noch seine Schwachstellen kennt, kann sich auf unfaire Bemerkungen vorbereiten und damit souverän und durchsetzungsfähig auftreten. Dafür eignen sich folgende Fragen:

  • Welche Schwachstellen habe ich?
  • Wie kann ich reagieren, wenn diese Schwachstelle gegen mich verwendet wird?
  • Welche Metapher oder welches Gleichnis passt als Erwiderung?
  • Wie lässt sich damit Bezug zum Alltag herstellen?

Zwei Beispiele für Schlagfertigkeit durch Verwendung einer Metapher

Erstes Beispiel: Ein Bewerber, der deutlich länger als die Regelstudienzeit studiert hat, sitzt im Vorstellungsgespräch und wird auf seine Studiendauer angesprochen.

Sachliche Antwort

„Die lange Studienzeit kann sehr wohl gute Qualität hervorbringen. Was lange dauert, muss nicht schlecht sein.“

Schlagfertige Antwort

„Das stimmt. Ich habe etwas länger studiert als die meisten. Aber ich habe die Zeit für Übungen, Seminare und Vorlesungen genutzt und mir so ein fundiertes Wissen angeeignet. Das ist doch wie bei den ägyptischen Pyramiden: Es hat lange gedauert, sie zu erschaffen, dafür stehen sie heute noch.“

Zweites Beispiel: Ein Psychologe wird mit der Bemerkung konfrontiert, man müssen bei ihm ja immer aufpassen, was man sagt. Er werde bestimmt alles genauestens analysieren.

Sachliche Antwort

„Nur weil ich Psychologin bin, heißt das doch nicht, dass ich permanent Menschen und Aussagen analysiere“.

Schlagfertige Antwort

„Nur weil ich Psychologie studiert habe, heißt das nicht, dass ich permanent Menschen analysiere. Nur weil Sie Pilot sind, sind Sie ja auch nicht mit dem Flugzeug zum Essen erschienen.“

Fazit: Sind Metaphern wohl überlegt, wirkt derjenige, der sie äußert, souverän und letztlich schlagfertig.

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Über die Autorin
Anette Rößler

Anette Rößler ist Redakteurin bei business-wissen.de. Die Sozialwissenschaftlerin schreibt neue Management-Handbuch-Kapitel, verantwortet Medienkooperationen sowie Leseraktionen und betreut den Online-Shop.

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