Archiv

RhetoriktrainingWie Sie Ihre Stimme richtig einsetzen

Reden halten, persönliche Gespräche führen, telefonieren – jeden Tag benötigen wir für die Kommunikation unsere Stimme. Doch selten denken wir darüber nach, wie wir sie optimal einsetzen können.
erschienen: 15.02.2010

Frauen und Männer

Achten Sie besonders auf Ihre Stimme, wenn Sie mit dem anderen Geschlecht kommunizieren. Sprechen Sie als Frau bewusst laut und bilden Sie kurze Sätze. Das ermöglicht Ihnen, eine gleichbleibend durchsetzungsfähige Stimme zu bilden und sich auch dann Gehör zu verschaffen, wenn Sie von Natur aus über eine eher „dünne“ Stimme verfügen. Als Mann sollten Sie auf langsames und deutliches Sprechen achten und die Verwendung von „äh`s“ minimieren. Kontrollieren Sie bei der Kommunikation mit Frauen die Lautstärke und passen Sie die Stimme Ihrem Gegenüber an, um keinen ungewollten Druck auszuüben.

Lampenfieber bekämpfen

Fast jeder hat vor einem Auftritt oder einem Gespräch Lampenfieber. Das ist an sich völlig normal, wirkt sich jedoch negativ auf die Atmung und damit auf die Stimme aus. Deshalb: Wenn Sie vor einer Präsentation die Möglichkeit haben, sich unter das Publikum zu mischen, sollten Sie das tun. Nehmen Sie die Atmosphäre wahr und sprechen Sie mit dem einen oder anderen. Das mindert die Nervosität. Bremsen Sie sich bewusst, wenn Sie zu schnellem Sprechtempo neigen: Setzen Sie Atempausen, formulieren Sie betont artikuliert oder trinken Sie von Zeit zu Zeit einen Schluck Wasser. Letzteres hilft auch, weil Sie so Ihre Stimmbänder befeuchten und das Sprechen leichter fällt.

Leise und laut

Werden Sie in einem Gespräch oder bei einer Präsentation angegriffen, lassen Sie bewusst einige Sekunden verstreichen und atmen Sie dabei langsam ein und aus. Dann nehmen Sie mit langsamer Sprechweise Stellung – ohne dabei leiser und lauter zu werden. Das vermittelt einen souveränen Eindruck und lässt die Attacke ins Leere laufen. Wenn Sie Ihrerseits ein Argument oder einen Einwand gegen den Standpunkt einer von Ihnen ansonsten geschätzten Person formulieren, werden Sie von der Tendenz eher leiser, ohne dabei an Deutlichkeit zu verlieren. Damit nehmen Sie die Schärfe aus Ihren Worten. Falls Sie Mühe haben, mit Ihrer Stimme durchzudringen, nutzen Sie diese beiden Varianten: Werden Sie lauter, ohne dass dabei Ihre Stimme kippen oder einen metallischen Klang bekommen sollte. Sind Sie sich dessen nicht sicher, können Sie auch abrupt schweigen und damit signalisieren, dass Sie auf ein Absenken des Lärmpegels warten. Letztere Variante sollten Sie nur dann anwenden, wenn alle auf Ihren Beitrag warten – ansonsten laufen Sie Gefahr, ignoriert zu werden.

Sonderfall Telefon

Achten Sie bei Telefonaten besonders sensibel auf Ihre Stimme. Gewöhnen Sie sich für die Annahme eines Anrufes eine immer gleiche, neutral-freundliche Stimmlage an, die Sie bewusst abrufen können. Damit vermeiden Sie, dass Sie durch Stress und ständige Unterbrechungen ungehalten und unfreundlich klingen. Nehmen Sie während der Gespräche Haltung an, um den Brustkorb als Resonanzkörper einsetzen zu können. Nehmen Sie die Sprechmuschel so dicht an den Mund, wie das möglich ist, ohne diese freilich zu berühren. Dadurch erreicht Ihre Stimme unverfälscht die Gesprächspartner.

Fünf Tipps für Ihr Stimmtraining

  1. Zungenbrecher üben: Üben Sie den Umgang mit Ihrer Stimme mit so genannten „Zungenbrechern“. Trainieren Sie zum Beispiel beim Autofahren mit „Zwanzig Zwerge üben Handstand – 10 im Wandschrank, 10 am Sandstrand.“
  2. Mund öffnen: Bewegen Sie die Lippen bewusst so, wie es die formulierten Sätze erfordern. Häufig entsteht nämlich ein gepresstes oder undeutliches Sprechen durch das Bemühen, den Mund geschlossen zu halten.

  3. Mehr Fitness: Verbessern Sie Ihre allgemeine Fitness, zum Beispiel mit Joggen oder Schwimmen. Wer gut atmet, verhindert, dass die Stimme gepresst klingt und kann die Stimmlagen besser kontrollieren. Alkohol, Zigaretten, Tee und Kaffee beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit der Stimmbänder. Zumindest vor wichtigen „Auftritten“ sollten Sie deren Konsum einschränken.

  4. Bonbons helfen: Lutschen Sie Bonbons, wenn Sie kurz vor einem wichtigen Gespräch oder Auftritt heiser werden. Honigbonbons, Menthol oder Eukalyptus helfen den Schleimhäuten, sich zu befeuchten und abzuschwellen. Ebenfalls bewährt: Milch mit Honig und das Gurgeln mit Salzwasser.

  5. Lächeln kann man hören: Wenn Sie telefonieren, kann man Sie lächeln hören. Deshalb: Lächeln Sie bewusst, auch wenn Ihnen nicht danach zumute ist. Das macht die Stimme automatisch freundlicher und angenehmer.