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SteuerbelastungMittelstand rechnet mit Steuererhöhung nach der Wahl

Was erwartet der deutsche Mittelstand nach der Bundestagswahl? Umfrage bestätigt die Befürchtung einer Steuererhöhung.
erschienen: 17.09.2009
Schlagwörter: Controlling, Rechnungswesen

Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) befürchten knapp zwei von drei mittelständischen Unternehmen, dass die nächste Bundesregierung die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten einschränkt. Dabei rechnet rund die Hälfte mit einer Anhebung des Spitzensteuersatzes und knapp 60 Prozent erwarten eine Mehrwertsteuererhöhung.

Nur wenige Unternehmen rechnen mit Steuererleichterungen bei der Unternehmensfinanzierung und mit transparenteren und weniger komplexen Steuervorschriften nach der Wahl. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass die Politik gar kein Interesse an einer Steuervereinfachung hat.

Professor Norbert Winkeljohann, Mitglied des PwC-Vorstands und Leiter des Bereichs Mittelstand, erläutert:

"Der Mittelstand nimmt beim Thema Steuerpolitik mittlerweile eine desillusionierte, beinahe schon fatalistische Erwartungshaltung ein. Mehr noch als für die direkte Steuerbelastung gilt dies für die immer wieder von der Politik angekündigte Entbürokratisierung und Vereinfachung des Systems.“

Steuern sind zu kompliziert

Als ein großes Problem für den Mittelstand sehen vier von fünf Unternehmen den wachsenden Finanzbedarf des Staates und entsprechend steigende Steuern. 88 Prozent halten das Steuersystem für zu kompliziert und für 92 Prozent verursacht diese Komplexität unnötige Kosten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Rechtssicherheit. Die nicht vorhersehbare Änderung der Steuergesetzgebung halten sechs von zehn Befragten für ein großes Problem für den Mittelstand. Dabei stimmen fast drei von vier Befragten (73 Prozent) der Aussage „Mann kann nicht sicher sein, dass Entscheidungen der Finanzbehörden auch morgen noch gelten“ zu. Konkret befürchtet immerhin mehr als jedes fünfte Unternehmen, dass die steuerliche Anerkennung von Verlustzuweisungen nach der Wahl rückwirkend weiter eingeschränkt wird.

Auf die Standortwahl wirken sich die von den Unternehmen wahrgenommenen Defizite des deutschen Steuersystems bislang allerdings kaum aus. Nur jeder zehnte Mittelständler stimmt der Aussage zu, dass man den Ungerechtigkeiten im Steuersystem nur entgehen könnte, wenn man Unternehmensteile ins Ausland verlagere.

[Svetlana Miassoedov; Quelle: PwC; Bild: Fotolia.com]