StrategieentwicklungDie Entdeckung der Langsamkeit

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Das Entwickeln guter Strategien braucht Zeit. Und den Umgang mit Unsicherheit. Schnellschüsse hingegen führen selten zum Erfolg.
erschienen: 30.08.2016
Schlagwörter: Unternehmensführung

Ich hatte es schon vor dem Genuss von Sten Nadolnys Buch gewusst: Langsames Denken führt zu besseren Strategien. Natürlich auch zum Überleben. Nadolnys Buch spielt in einer Zeit, in der man sich noch mit Kanonen und Musketen gegenübertrat. In einer Szene stand das Schiff unter Beschuss, auf dem sich der Held befand. Der Feind hatte einen Scharfschützen, und jeder, der schnell aus der Kajüte aufs Deck hetzte, wurde getroffen. Der Held aber blieb unter Deck. Er beobachtete, wo und wie die Kugeln des Schützen einschlugen. Dann streckte er sein Gewehr aus der Kajüte in genau diese Richtung und drückte ab. Der Scharfschütze war ausgeschaltet. Niemand bekam es mit. Die Strategie „in Deckung bleiben“ führte mit der Taktik „Winkel nachbilden“ zum Erfolg. Wer schnell mal etwas richten wollte, wäre in Nadolnys Buch gestorben.

Mit Ruck-Zuck-Managern ist niemandem geholfen

Neuere Studien zeigen, dass auch Führungskräfte, die schnell Strategien aufstellen, mehr Glück als die Bedächtigen brauchen, um Erfolg zu haben. Die Schnellwisser und Bestimmer handeln wie die Anbieter von Wundermedizin im Wilden Westen: Wird der Kranke gesund, hat die Medizin geholfen. Stirbt der Kranke, wäre ihm sowieso nicht zu helfen gewesen. Aber allein auf Grund ihres Habitus' kommen solche Schnellbestimmer und Ruck-Zuck-Manager häufiger in Top-Positionen als ähnlich Qualifizierte. Der Duktus dahinter: Was habe ich alles erreicht! Die Fehlentscheidungen sind vergessen, und wehe, wer darauf zu sprechen kommt. Einem Unternehmen tut das nicht unbedingt gut.

Bevor es losgeht, sollten wir uns gemeinsam auf eine Plattform stellen, auf ein Gerüst, das gute und schlechte Strategien definiert. Aus der Zukunftsperspektive können wir leicht sagen, was funktioniert hat. So sind Leistungsbilanzen zwar recht anschaulich, aber sie sagen nur etwas aus, wenn man in die Tiefe geht und Erfolgsfaktoren erkennt. Bei jungen Unternehmen ist das wegen der Natur der Sache gar nicht möglich.

Was nun die beste Strategie für ein Unternehmen ist, ist meist von gegenläufigen Meinungen geprägt. Es kommt auch darauf an, ob man es mit erfahrenen Leuten oder Newcomern zu tun hat: Wie sollen wir entscheiden? Welches strategische Vorgehen ist das beste? Das Beste ist für das Unternehmen, nicht für den Manager!

Schnelle Entscheider sind sich zu schnell zu sicher

Selbstsicheres Auftreten ist gut, aber bestimmt kein Erfolgsgarant für eine Strategie. Da kann sich der Super-Manager noch so lange auf die Brust klopfen. Das Ergebnis ist meist Folgendes: Die Mitarbeiter verkriechen sich und arbeiten brav bis zum Feierabend, um dann bei einem Getränk zu überlegen, ob sie noch einmal wiederkommen sollen.

Einbindung und Bedächtigkeit sind die Stichworte. So hat der Unternehmensberater Mark Chussil herausgefunden, dass Menschen, die lange für eine Entscheidung benötigen und sich danach immer noch unsicher sind, die Strategien mit der besten Leistung erstellen. Ihr Unternehmen hat sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Es geht also um die Einstellung der Manager. Wer von der Richtigkeit seiner Strategie von Anfang an ganz sicher, zu sicher ist, verpasst Optionen. Er geht das Risiko ein, zu scheitern. Zumindest verpasst er bessere Lösungen – und eventuell auch seinen Bonus. Dabei sind schnelle Entscheider alles andere als inkompetent. Sie sind sich nur zu schnell zu sicher.

Gute Strategien brauchen Zeit und einen Schuss Unsicherheit

Doch wenn alle Mitarbeiter wissen, dass sich etwas ändern muss, aber der Chef sich weigert, was dann? Wie mache ich dem Boss klar, dass ihm eine Übermacht gegenübersteht? Dass er gegen die Wand fahren wird oder schlicht seine Wachstumsziele nicht erreicht? In Konzernen gibt es dafür einen Aufsichtsrat, der Einfluss nehmen kann. In mittelständischen Unternehmen manchmal einen Beirat, in dem nicht nur Abnicker sitzen. Andere Unternehmen müssen den steten Tropfen bemühen, indem sie sich Berater von außen holen, die das Hindernis Stück für Stück abmeißeln, bis der Weg frei ist.

Das ist zwar etwas Schwarz gemalt, aber vielleicht kann man es den raschen Typen nie häufig genug sagen: Gute Strategien, die sich durchsetzen, brauchen Zeit – und einen Schuss Unsicherheit. Dieses Kredo sollte in allen Unternehmen zur Philosophie gehören.

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Über den Autor
Uwe Schick

Uwe Schick ist Gründer und Geschäftsführer von SCHiCK! Communications, einer Agentur für vertriebsunterstützende Kommunikation. Davor arbeitete er sechs Jahre als Werbetexter, acht Jahre als Unternehmenskommunikator und fünf Jahre als PR-Manager. Am EC Europa Campus unterrichtet Schick Unternehmensführung und Agenturarbeit.

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