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StressWege aus dem ungewollten Leistungsdruck

Hält Stress über lange Zeit an, nimmt die Belastbarkeit des Einzelnen ab, die totale Erschöpfung droht. Frühzeitige Gegenmaßnahmen sind von entscheidender Bedeutung.
erschienen: 01.10.2009

Goethes Werther schrieb seinem Freund Wilhelm:

"Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bliebt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden."

Obwohl schon über 200 Jahre alt, hat das Wort des deutschen Vorzeigedichters auch heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Besonders heute verbringen wir mehr Zeit mit Arbeiten als mit anderen Aktivitäten. In unserer hoch individualisierten Gesellschaft sind wir gezwungen, selbst unseren eigenen Platz zu finden. Wir werden nicht mehr wie früher in eine Rolle hineingeboren. Es herrscht ein hoher Erwartungsdruck aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen. Die stärkere geistige Leistung, die wir erbringen müssen, geht mit einer kaum greifbaren Datenflut einher. Nimmt die Belastung überhand, leiden wir unter Stress. Wird dieser zum Dauerzustand, nimmt unser Körper und unsere Seele Schaden. Dann leiden wir beispielsweise unter:

  • Schlaflosigkeit;
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen;
  • Migräne;
  • Muskel- und Gelenkerkrankungen;
  • Depressionen;
  • Erschöpfung;
  • Ängste;
  • Mangelnde Motivation oder
  • Aggression.

Endstation Burnout

Wer seine Grenzen nicht rechtzeitig erkennt, dem droht der Burnout. Das Burnout-Syndrom bezeichnet einen Zustand psychischer Erschöpfung, eine extreme Folge von Dauerstress. Warnsignale und Kurzzeiteffekte von Stress wurden ignoriert, die Belastung hat ein unerträgliches Ausmaß erreicht. Chronischer Stress am Arbeitsplatz ist die häufigste Ursache. Betroffene fühlen sich desillusioniert und antriebslos. In schweren Fällen sind diese Personen nicht mehr in der Lage, normal zu "funktionieren"; sie beginnen möglicherweise, ihre beruflichen Verpflichtungen zu vernachlässigen.

Die Reaktion auf Dauerstress verläuft in drei Phasen. In den ersten zwei wenden die Betroffenen bestimmte Strategien zur Stressbewältigung an, in der dritten und letzten Phase aber sind alle emotionalen und körperlichen Energiereserven aufgebraucht. Es kommt zu totaler Erschöpfung. Daher sind frühzeitige Maßnahmen von entscheidender Bedeutung.

Wege aus der (Stress)Krise

Maßnahmen wie, einmal die Woche früher ins Bett zu gehen und Arbeit gelegentlich zu delegieren, bleiben wirkungslos. Grundlegende Veränderungen sind nötig. Wege aus der Krise müssen aktiv gesucht werden. Am Beginn der Selbsthilfe muss eine gründliche Situationsanalyse stehen. Probleme müssen erkannt, akzeptiert und umgesetzt werden. Folgende Vorschläge können helfen die alltäglichen Belastungen in den Griff zu bekommen:

Situationsanalyse

Vielen hilft es schon, zu erkennen, inwieweit die Situation veränderbar ist. Sind Menschen unveränderlichen und nicht nachlassenden Belastungen ausgesetzt, können sie sich vor einem Ausbrennen möglicherweise nur schützen, in dem sie die belastende Situation verlassen und den Job wechseln. Stellen Sie sich Fragen wie:

  • Welche Umweltbedingungen belasten mich?
  • Vernachlässige ich meine Bedürfnisse?
  • Habe ich überzogene Ansprüche an mich selbst?
  • Wie kann ich mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis etwas ändern?

Ein Stress-Tagebuch führen

Führen Sie ein Stress-Tagebuch. Damit lässt es sich leichter über Bewältigungsstrategien nachdenken und die Selbsteinschätzung wird geschult.

Gesunde Lebensführung

Wichtig ist eine regelmäßige, gesunde Ernährung. Genießen Sie Alkohol und Kaffee nur in Maßen, meiden sie Nikotin ganz. Vor allem schlafen Sie ausreichend.

Sport und Entspannung

Treiben Sie Sport, aber verzichten Sie auf Ehrgeiz-Exzesse. Jede Form von Bewegung ist eine hervorragende Möglichkeit, Stress abzubauen. Das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt, die Muskulatur entkrampft und Verspannungen lösen sich. Sie werden außerdem abgelenkt und bekommen den Kopf frei. Alle Sport-Muffel sollten wenigstens täglich einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft zu machen.

Suchen sie sich Entspannung. Ob Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Tai Chi - diese Techniken helfen, besser mit Druck und Anspannung umzugehen.

Kontaktpflege

Zwischenmenschliche Beziehungen schützen vor schleichender Vereinsamung. Planen Sie feste Zeiten für Partner, Familie und Freunde ein. Bemühen Sie sich außerhalb des Berufs- und Freundeskreises in Hausgemeinschaft, Nachbarschaft, Vereine u.a. um positive Kontakte.

Ausstieg auf Zeit

Haben Sie erkannt, dass Veränderungen nötig sind, schieben Sie diese nicht vor sich her. Den hundertprozentig passenden Zeitpunkt gibt es selten. Eine Auszeit vom Job - sogenannte Sabbaticals - nehmen, um eine Situation zu analysieren und eventuell neue Prioritäten zu setzen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern hilft, neue Motivation und Energie zu tanken.

[jf; Svetlana Miassoedov; Bild: parazit - Fotolia.com]

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