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StudieBurnout in Unternehmen

Obwohl den Unternehmen bewusst ist, dass Burnout hohe Kosten verursacht, werden bis dato wenig bis keine Maßnahmen dagegen durchgeführt.
erschienen: 18.04.2011
Schlagwörter: Personalmanagement, Burnout
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Im Rahmen einer Feldstudie hat die Unternehmensberatung ManagementOASE – Schweifer & Partner 39 Manager aus 21 Unternehmen zum Thema "Burnout" befragt. Deren Erfahrungen wurden diskutiert und es ergaben sich einige interessante Einsichten - auch wenn die Studie nicht repräsentativ ist.

Gibt es Burnout in den Unternehmen?

Die Frage: „Gibt es in Ihrem Unternehmen das Problem Burnout“ haben 34 der insgesamt 39 Interviewten mit „Ja“, vier mit „Nein“ und eine Person mit „weiß nicht“ beantwortet. Vier von fünf Befragten haben sich mit dem Thema bereits näher befasst. Die meisten haben zwar eine klare Vorstellung davon, was Burnout ist. Allerdings spiegeln die unterschiedlichen Antworten in punkto Ursachen und Auswirkungen die schwere Fassbarkeit des Phänomens wieder.

Gefahrenzone „Führungskraft“

In einem Unternehmen gab es einen konkreten Fall von Burnout. In jedem siebten Unternehmen sind einzelne Mitarbeiter akut gefährdet. Bemerkenswert ist, dass besonders der Anteil der Führungskräfte an allen Burnout-Betroffenen und Gefährdeten in Unternehmen hoch ist. Im Durchschnitt ist in diesen Unternehmen jede zehnte Führungskraft von Burnout betroffen, ein Drittel ist gefährdet. Dass Burnout-bedingte Probleme – etwa in punkto Leistungs- und Führungsqualität – gerade bei dieser Multiplikator-Gruppe besonders negative Auswirkungen für Unternehmen haben, scheint weithin nicht bewusst zu sein, jedenfalls sahen die Befragten keinen akuten Anlass für Gegenmaßnahmen.

Erkennen und trotzdem nicht Handeln

Dem Management und den Führungskräften trauen die Befragten am ehesten zu, Burnout zu erkennen - und sie selbst trauen sich das ebenfalls in hohem Maße zu. Deutlich weniger Zutrauen haben sie in ihre Betriebsärzte, und auch der Betriebsrat dürfte nach Meinung der Studienteilnehmer eher weniger mitbekommen, wenn Burnout droht oder eingetreten ist.

Gleichzeitig reagieren aber gerade Manager der oberen und obersten Ebene tendenziell am wenigsten darauf. Sie sind vergleichsweise wenig offen für das Thema Burnout und initiieren daher eher selten von sich aus Gegenmaßen.

Burnout wird zwar häufig erkannt, aber es wird nicht darüber gesprochen. So eine wesentliche Erkenntnis aus den Gesprächen mit den Unternehmensvertretern. Zwei Drittel antworteten auf die Frage, ob Burnout Gesprächsthema sei, mit: "Nein" oder "Eher nicht". Nur knapp jeder Dritte sagt "ja".

Wahrscheinlich ist das ein Grund dafür, dass das größte Problem für HR-Manager und Personalentwickler darin liegt, dass sie zwar mit Burnout-Anliegen am meisten konfrontiert werden und ihnen die Brisanz des Problems weitestgehend klar ist, dass sie aber mit ihren Anliegen nach "oben" zu wenig oder gar nicht durchdringen. Es fehlt also an Verständnis und Kommunikation oder am offenen Umgang mit diesem Problem. Vielfach wollen die befragten Unternehmen die Brisanz des Problems mit allen Auswirkungen auch nicht wahrhaben. Handfeste Argumente, wie zum Beispiel konkrete Zahlen zu den Folgekosten, fehlen völlig.

Die Frage nach den Auswirkungen wurde dennoch recht klar beantwortet mit

  • Leistungsabfall und Leistungsverlust
  • sinkende Produktivität und Effizienz
  • Ausfälle, Fluktuation, Krankenstände
  • Demotivation, Unzufriedenheit, schlechtes Betriebsklima
  • Verlust der Freude und des Wohlfühlens am Arbeitsplatz

Vergleichsweise selten wurde der Aspekt "finanzieller Schaden" thematisiert. Wenn doch, lautete die Antwort: "keine Ahnung", "schwer zu quantifizieren", "nicht berechnet". Unisono mit "nein" wurde die Frage beantwortet: "Wurden die Kosten schon berechnet?"

Erstaunlich, dass trotzdem in den überwiegenden Fällen keine Maßnahmen durchgeführt werden. Nur in Ausnahmefällen gibt es Coaching, Gesundheitstage, Seminare zum Thema Burnout oder betriebliches Gesundheitsmanagement. Meistens wird nur im Akutfall "kurativ" reagiert, wobei es in der Regel keine Evaluierung der durchgeführten Maßnahmen gibt.

Zur Feldstudie

Die ManagementOASE – Schweifer & Partner hat von Dezember 2008 bis Dezember 2010 eine Feldstudie zum Thema „Burnout in Unternehmen – Umgang und Maßnahmen“ durchgeführt. Angefragt wurde bei 53 Unternehmen. Teilgenommen haben 21 Unternehmen (insgesamt 39 Personen). Interviewt wurden 18 Geschäftsführer und Vorstände sowie 21 Personalleiter oder Personalentwickler. Die befragten Unternehmen setzen sich zusammen aus einem Branchenmix von Versicherung, Handel, Produktion, Pharma, Telekommunikation bis Dienstleistung mit 70 bis 36.000 Mitarbeiter.

Quelle: Die ManagementOASE – Schweifer & Partner

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