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TalentmanagementEigene Talente herausfinden und im Job nutzen

Sind Sie kreativ oder doch eher ein Organisationstalent? Finden Sie es heraus und nutzen Sie Ihre persönlichen Fähigkeiten.
erschienen: 18.08.2010
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Talent als Kompetenzfaktor wird wichtiger

Jeder Mensch hat bekanntlich eine individuelle Talentstruktur, aus der individuelle Stärken hervorgehen. Komischerweise recherchieren die meisten Fachkräfte nicht ihr eigenes Talent. Sie knien sich in ein bestimmtes Know-how hinein und möchten darin Meister werden. Doch das klappt immer weniger. So kennt zum Beispiel ein junger Vertriebsmanager seine Produktwelt in und auswendig. Er setzt auf dieses Wissen und wird auch dafür von seinem Chef geschätzt.

Plötzlich ändern sich die Produktprioritäten in seinem Unternehmen. Es setzt nun mehr auf die Dienstleistungen um die Produkte herum als auf die Produkte selbst. Diese werden zunehmend zur Handelsware (ein typischer Prozess beispielsweise in der Investitionsgüterindustrie). Die alte Fachkompetenz nützt unserem Vertriebsingenieur nun nicht mehr so viel. Aber der Spezialist für die neuen Lösungen ist er auch noch lange nicht. Auf was soll er in seiner Karriere nun setzen?

Er müsste sich darauf besinnen, auf welche Fach-übergeordnete Kunst er setzen kann und sich dann auf bestimmte Funktionen in seinem Job konzentrieren. Eben Funktionen, die ihm liegen, die seinem Talent entsprechen. Zum Beispiel

  • Geschäftspartner persönlich gewinnen - Talent zur Beziehungsgestaltung
  • Zuverlässiger Ablauf der Projekte - Talent zur Organisation
  • Erschließung neuer Kundenkanäle - Talent zur Analyse
  • Ideen für zusätzliche Dienstleistungen - kreatives Talent

Mit talentgemäßen Aktivitäten kann er sich profilieren, ohne ein Wissensfreak für das Angebotsprogramm zu sein. Dieses Wissen kommt mit der Zeit, kann aber genauso auch wieder überflüssig werden. Fast jeder Job bietet ausreichend Möglichkeiten, Schwerpunkte nach dem persönlichen Talent zu setzen.

Doch wie tasten Sie sich selbst an Ihr Grundtalent heran? Mit der folgenden Übersicht können Sie sich mit Ihrem Haupttalent einordnen und ermessen, welche Funktionen in Ihrem Job Ihnen am ehesten liegen. Das klappt normalerweise ganz gut, ohne eine tiefer gehende Analyse überflüssig zu machen:

Erscheinungsformen der Talente - Typologie [Quelle: Dr. Horst G. Kaltenbach, nach C. G. Jung und Ned Herrmann]

Die obigen Beispiele lassen sich gut zuordnen. Am besten machen Sie sich ein Ranking von 1 bis 4, wo Sie sich am ehesten wohlfühlen:

  1. C: Geschäftspartner persönlich gewinnen - Talent zur Beziehungsgestaltung
  2. B: Zuverlässiger Ablauf der Projekte - Talent zur Organisation
  3. A: Erschließung neuer Kundenkanäle - Talent zur Marktanalyse
  4. D: Ideen für zusätzliche Dienstleistungen - kreatives Talent

Auf das Talent setzen ist "Job Enrichment"

In allen Berufen lassen sich Aufgaben oder Funktionen finden, die zum persönlichen Talent am besten passen und die der Sach-/Fachkompetenz übergeordnet sind. Das gilt auch für den "Boss", den Geschäftsführer.

Je nach Begabung lässt sich die Führung des Unternehmens schwerpunktmäßig gestalten. Der Chef mag beispielsweise führen, hauptsächlich durch

  • ein gutes Klima in seinem Führungsteam (C)
  • Durchsetzung präziser Abläufe in seiner Organisation (B)
  • Optimierung seines Produktportfolios (A)
  • Innovation bzw. Entwicklung neuer Angebote (D)

Für die Sophisten: Natürlich braucht es alle diese Disziplinen. Aber wenn bei einem Manager ein bestimmtes persönliches Talent deutlich ausgeprägt ist und er sein Denken und Verhalten darauf fokussiert, so wird er sich in seinem Job glücklich fühlen. Für Disziplinen, die ihm weniger liegen, gibt es Arbeitsteilung (Team) oder Delegation (unterstellte Fachkräfte).

Frage Lebenslauf

Die Aufwertung des persönlichen Talentes als Kompetenz- und Karrierefaktor macht nicht die Regeln einer guten beruflichen Entwicklung kaputt. Selbstverständlich sollten sich die Wechsel von Branchen und Firmen in Grenzen halten. Denn bei häufigem Wechsel stellt das geschilderte Phänomen der schellen Änderung und Differenzierung von Produkten und Diensten den Fach-/Sachkompetenzaufbau noch mehr infrage. Und die Fragen kommen dann auch bei Bewerbungen.

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