TeamarbeitDie vier Phasen der Teambildung

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Bevor Teams voll leistungsfähig sind, durchlaufen sie einen langen Prozess der Selbstfindung. Wer Teamarbeit einführen will, sollte diesen kennen.
erschienen: 12.06.2015
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Manche Unternehmen sprechen bereits von Teamarbeit, wenn zwei Mitarbeiter gemeinsam Briefe eintüten. Bei solchen Routinearbeiten von Teamarbeit zu sprechen ist Nonsens – selbst wenn sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei ab und an abstimmen müssen. Sie praktizieren dann immer noch keine Teamarbeit, sondern arbeiten schlicht zusammen.

Nicht jede Zusammenarbeit ist Teamarbeit

Echte Teamarbeit wird in der Regel in Unternehmen nur eingeführt und praktiziert, wenn es um schwierige und komplexe Aufgaben geht, die das Know-how mehrerer Experten unterschiedlicher Disziplinen erfordern. Teamarbeit ist zudem dann sinnvoll, wenn Lösungen für Probleme gefunden werden sollen, die mehrere Unternehmensbereiche betreffen. Dabei geht es zum einen darum, die Erfahrungen aller betroffenen Bereiche in die Problemlösung einfließen zu lassen. Zum anderen sollen sich alle mit der vereinbarten Lösung identifizieren.

Der Unterschied zwischen Team und Gruppe

Doch was unterscheidet ein Team von einer Gruppe? In einem Team inspirieren sich die Teammitglieder gegenseitig. Würden alle Beschäftigte über das gleiche Know-how und die gleiche Erfahrung verfügen sowie die gleiche Sichtweise auf das Problem haben, bräuchte es kein Team. Eine gegenseitige Befruchtung findet so nicht statt. Folglich kommt es zu keinen innovativen Problemlösungen.

Ein Team organisiert im Gegensatz zu einer Gruppe die interne Zusammenarbeit selbst: Wer übernimmt welche Aufgabe und wie wird beim Lösen des Problems vorgegangen? Hier liegt der zentrale Unterschied zwischen einem Team und einer Gruppe. Einer Gruppe werden die Regeln der Zusammenarbeit weitgehend vorgegeben. Auch ihre Leitung wird von den Vorgesetzten bestimmt. Ein Team hingegen wählt sein Teamleitung selbst, die zudem nicht Chefin oder  Chef des Teams ist. Die Funktion der Teamleitung beschränkt sich darauf, die Arbeit des Teams zu koordinieren und es nach außen zu vertreten. Im Idealfall ist die Teamleitung ein „Primus inter Pares“, das sich erst im Teamfindungsprozess herauskristallisiert.

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Eine Formel für das optimale Team gibt es nicht

Oft praktizieren Unternehmen ein anderes Verfahren. Sie benennen zunächst die Teamleitung, die dann ihr Team bilden soll. Dabei prüft die Teamleitung, mit wem sie gut zusammenarbeitet und wer gerade Zeit hat. Die zu erfüllende Aufgabe spielt dabei oft eine untergeordnete Rolle. Ursache hierfür: Es gibt wenig geeignete Hilfsmittel für das Zusammenstellen von Teams. Auch der Nutzen vieler Tests, mit Hilfe derer das ideale Team gefunden werden soll, ist oft gering. Die Formel, „man nehme einen Fachmann, einen Visionär, einen Organisator und einen Kommunikator und fertig ist das optimale Team“, führt nur in den wenigstens Fällen zum Ziel.

Im Firmenalltag wird jedoch oft genauso verfahren, weil die Entscheidung, Teamarbeit zu forcieren oder ein Projektteam zu bilden, oft über Nacht fällt. Entsprechend kurzfristig werden die Teams formiert. Vom ersten Tag an sind diese mit der Erwartung konfrontiert, mehr zu leisten, als wenn jeder Mitarbeiter als Einzelkämpfer agieren würde. Denn: Von der Teamarbeit erhofft sich die Unternehmensführung eine Steigerung der Produktivität. Doch jedes Team durchläuft zunächst einen längeren Prozess der Selbstfindung, bevor es voll leistungsfähig ist. Dieser gliedert sich in vier Phasen:

Orientierungsphase der Teambildung (Forming)

In der Forming-Phase beschnuppern sich die Teammitglieder gegenseitig. Sie versuchen zu ermitteln:

  • Was können die neuen Kollegen?
  • Welche Interessen verfolgen sie?
  • Ist mit ihnen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich?

In dieser Phase empfindet sich das Team noch nicht als Team.

Konfliktphase der Teambildung (Storming)

Die Storming-Phase ist von Auseinandersetzungen geprägt. Hier werden sozusagen die Rangkämpfe ausgefochten. Dabei geht es unter anderem darum:

  • Wer hat welche Aufgabe?
  • Wer spielt welche Rolle im Team?
  • Wie stark werden die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt?

In dieser Phase kochen oft unterschwellige Konflikte zwischen den Bereichen und Funktionsgruppen im Unternehmen hoch. Die Teammitglieder sind stärker mit Statuskämpfen als mit ihrer Aufgabe beschäftigt.

Organisationsphase der Teambildung (Norming)

In der Norming-Phase glätten sich die Wogen allmählich. Nun entwickeln die Teammitglieder Spielregeln für den Umgang miteinander. Außerdem vereinbaren sie erste Maximen, an die sich alle beim Lösen der Aufgabe halten. Erst wenn ein Team diesen Punkt erreicht hat, entfaltet es allmählich seine Vorzüge.

Integrationsphase der Teambildung (Performing)

Erst in dieser Phase erzielt das Team bessere Ergebnisse, als wenn seine Mitglieder alleine arbeiten würden.

In den ersten drei Phasen ist das Team weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Entsprechend mager fallen die Arbeitsergebnisse im Vergleich zur Einzelarbeit aus. Deshalb wird die Teamarbeit hier oft als zeitraubend und wenig effektiv erlebt – von den Teammitgliedern selbst und von ihrem Umfeld, das die lange Dauer für die Erledigung der Aufgaben bemängelt. Dies wirkt sich nicht nur kontraproduktiv auf die Stimmung im Team aus, sondern birgt auch die Gefahr, dass sich einzelne Teammitglieder aus der Teamarbeit verabschieden, bevor sie eigentlich begonnen hat.

Auch wenn es notwendig ist, dass sich die Teammitglieder für die gemeinsame Erledigung komplexer Aufgaben zusammenraufen, sollten Unternehmen nicht der Illusion erliegen, in einem Team müssten alle Freunde sein. Im Gegenteil: Eine zu große Kumpanei schmälert oft den Output, denn dadurch geraten Aufgabe und Arbeitsziel schnell aus dem Blick.

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Über den Autor
Stefan Bald

Stefan Bald ist Experte zu den Themen ChangeManagement, Projektmanagement, Personalentwicklung, Führungskräfteentwicklung, Teamentwicklung und Coaching.

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