TeilzeitarbeitRechtliche Grundlagen der Teilzeitbeschäftigung

Arbeitnehmer haben in Deutschland Anspruch auf Teilzeitarbeit. Die Voraussetzungen sind im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt.
erschienen: 13.12.2013

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) soll die Teilzeitarbeit fördern und Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten vermeiden. Seit 2001 ist in Deutschland damit geregelt, unter welchen Voraussetzungen Arbeitnehmer Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung haben.

StichwortTeilzeitarbeit nach TzBfG

In Teilzeit arbeiten nach § 2 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) diejenigen Arbeitnehmer, die regelmäßig weniger Wochenstunden (bei unregelmäßiger Arbeit weniger Arbeitsstunden im Jahr) arbeiten als vergleichbare Vollzeitbeschäftigte. Vergleichbar sind Arbeitnehmer eines Unternehmens mit derselben Art des Arbeitsverhältnisses und der gleichen oder ähnlichen Tätigkeit. Falls kein vergleichbarer Arbeitnehmer im Unternehmen arbeitet, gilt für die vergleichbare Vollzeitarbeit die Arbeitszeit, die aus dem anwendbaren Tarifvertrag hervorgeht beziehungsweise die im jeweiligen Wirtschaftszweig üblich ist.

Die Teilzeitquote in Deutschland lag 2012 bei rund 27 Prozent. Sie stieg seit 1998 kontinuierlich. Sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern sind meist Frauen teilzeitbeschäftigt. Studien zeigen aber: Männer in Vollzeit würden ihre bezahlte Arbeitszeit gerne reduzieren, während teilzeitbeschäftigte Frauen gerne länger arbeiten und entsprechend mehr verdienen wollen. 

Quelle: Eurostat; Basis: Anteil von Teilzeitbeschäftigten an allen Erwerbstätigen
Quelle: Eurostat; Basis: Anteil von Teilzeitbeschäftigten an allen Erwerbstätigen

Rechtsanspruch auf Teilzeit

In Deutschland haben Arbeitnehmer nach § 8 TzBfG einen gesetzlichen Anspruch auf (unbefristete) Teilzeitarbeit, wenn deren Arbeitsverhältnis mehr als sechs Monate besteht und deren Arbeitgeber regelmäßig mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt. In einem Antrag können sie ihren Wunsch nach Arbeitszeitreduzierung, deren Umfang und Verteilung darlegen. Ziel ist eine gemeinsame Vereinbarung, die dann vertraglich festgehalten wird. Spätestens einen Monat vor Beginn der gewünschten Teilzeitarbeit muss der Arbeitgeber über seine Entscheidung informieren. Der Arbeitgeber kann den Antrag aus betrieblichen Gründen ablehnen (§ 8 TzBfG).

Ein Rückkehranspruch auf eine Vollzeitstelle oder ein Anspruch auf Verlängerung der Arbeitszeit ist gesetzlich nicht verankert. Der Arbeitgeber muss einen Arbeitsplatz als Teilzeitarbeitsplatz ausschreiben, wenn sich dieser hierfür eignet (§ 7 TzBfG) und Mitarbeiter bevorzugen, die ihre Arbeitszeit verlängern oder zur Vollzeitarbeit zurückkehren wollen. Er muss sie auch über entsprechende freie Arbeitsplätze informieren.

Rechtsgrundlage in Österreich und der Schweiz

In Österreich ist die Teilzeitarbeit in § 19d des Arbeitszeitgesetz (AZG) geregelt. In der Schweiz sind die rechtlichen Grundlagen für Vollzeitarbeitsverhältnisse für Mitarbeiter in Teilzeit anwendbar.

Arbeitszeitmodelle für Teilzeitarbeit

Fixe und flexible Arbeitszeitmodelle

Bei Teilzeitarbeit sind fixe und flexible Arbeitszeitmodelle möglich. Fixe Arbeitszeiten bedeuten, dass die Wochentage sowie Arbeitsbeginn und Arbeitsende festgeschrieben sind. Bei flexiblen Arbeitszeitmodellen können die Arbeitsstunden täglich, wöchentlich oder monatlich variieren, zum Beispiel aufgrund der Auftragslage, saisonbedingter Einflüsse oder persönlicher Interessen.

Arbeit auf Abruf

Teilzeitkräfte können ihre Arbeit auch dem Arbeitsanfall entsprechend erbringen (Arbeit auf Abruf), wenn das sowie eine wöchentliche und täglichen Arbeitszeit vertraglich vereinbart ist (§ 12 TzBfG). Dabei muss der Arbeitgeber eine Abruffrist von vier vollen Kalendertagen wahren, andernfalls kann der Arbeitnehmer seine Leistung ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen verweigern.

Jobsharing

Nach § 13 TzBfG können sich mehrere Arbeitnehmer die Arbeitszeit an einem Arbeitsplatz teilen und ihre Arbeitszeit aufeinander abstimmen (Jobsharing). Dann muss der Arbeitgeber mit jedem Jobsharer einen Arbeitsvertrag abschließen und darf ihm nicht nicht kündigen, wenn der andere Jobsharer das Unternehmen verlässt. Ausnahme: Der frei gewordene Arbeitsplatz kann nicht besetzt werden oder die Arbeitsplatzteilung wird aus betrieblichen Gründen aufgegeben.

Gleichbehandlung und Überstundenregelung

Teilzeitbeschäftigte dürfen nach § 4 TzBfG nicht schlechter behandelt werden als vergleichbare Vollzeitbeschäftigte. Das gilt unter anderem beim Arbeitsentgelt und bei der Aus- und Weiterbildung. Dem Arbeitnehmer ist der entsprechende Anteil zu zahlen und teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter müssen an entsprechenden Weiterbildungsangeboten teilnehmen können.

Wenn der Arbeitgeber Überstunden für Teilzeitbeschäftigte anordnet, muss eine Überstundenregelung vertraglich fixiert sein. Der Arbeitnehmer kann sonst Überstunden und Mehrarbeit verweigern (§ 14 ArbZG sieht hier eine Ausnahmeregelung vor). Diese müssen entsprechend vergütet oder mit Freizeit auszugleichen werden – selbst wenn sie nicht angeordnet, sondern gebilligt oder geduldet wurden. Überstundenzuschläge dürfen dabei unter bestimmten Bedingungen verwehrt werden.

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Über die Autorin
Anette Rößler

Anette Rößler ist Content Managerin bei business-wissen.de. Die Dipl.-Sozialwissenschaftlerin schreibt neue Management-Handbuch-Kapitel, verantwortet Medienkooperationen, Leseraktionen und den Online-Shop.

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