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TraineeprogrammWas Trainees von Unternehmen erwarten - und umgekehrt

Zwei Studien zur Verbreitung und Ausrichtung von Traineeprogrammen in deutschen Unternehmen klären auf, was Trainees und Unternehmen voneinander erwarten.
erschienen: 26.01.2011

Das Vermitteln von Fachwissen berücksichtigen jedoch nur fünf Prozent der Unternehmen bei der Gestaltung ihres Traineeprogramms. Das ergaben zwei Studien der Franz Haniel & Cie. GmbH zur Verbreitung und Ausrichtung von Traineeprogrammen in deutschen Unternehmen und der Sicht der Absolventen. Prof. Dr. Jürgen Kluge, Vorstandvorsitzender von Haniel, sagt:

„Viele Firmen konzipieren ihre Traineeprogramme am Bedarf der Absolventen vorbei, weil sie häufig gar nicht wissen, auf was die Nachwuchstalente wirklich Wert legen. Die Folge: Unternehmen rekrutieren nicht die passenden Bewerber oder das Traineeship verläuft für beide Seiten nicht zufriedenstellend. Beides können sich Arbeitgeber angesichts des sich verschärfenden Kampfes um die besten Talente nicht mehr leisten.“

Traineeships als interne Talentschmiede

Traineeprogramme werden für die Rekrutierung und Entwicklung von Nachwuchstalenten immer wichtiger: Bereits 78 Prozent der deutschen Mittelständler und Konzerne bieten im Rahmen ihres quartären Ausbildungsangebots solche Programme für Wirtschaftswissenschaftler an, sechs Prozent planen, diese einzuführen. Die Traineeprogramme werden hauptsächlich in den Bereichen Finance/Controlling (43 Prozent) und Marketing (40 Prozent) angeboten. Knapp ein Drittel der Unternehmen überzeugen mit entsprechenden Programmen im Logistik-Bereich.

Soft Skills haben Priorität

Bei der Auswahl junger Talente für ein Traineeship spielen Soft Skills eine größere Rolle als fachliche Qualifikationen: Für mehr als die Hälfte der Unternehmen ist vor allem die Teamfähigkeit ein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal, das Trainees mitbringen sollten. Fast genauso bedeutend ist mit 49 Prozent die Eigeninitiative und Motivation der jungen Talente. 45 Prozent der Personaler nennen zudem die Lernbereitschaft als ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl eines Trainees. Die Praxiserfahrungen, die die jungen Talente beispielsweise im Zuge von Praktika gewonnen haben, sind dagegen nur für 39 Prozent der befragten Unternehmen wichtig. Auch fundierte Sprachkenntnisse mit 29 Prozent und Auslandserfahrungen mit 20 Prozent sind als fachliche Qualifikationen weniger bedeutend als die gewünschten Persönlichkeitsmerkmale.

Fast genauso wichtig wie bestimmte Soft Skills ist der akademische Abschluss: 45 Prozent bewerten einen Universitätsabschluss als unabdingbare Voraussetzung für die Besetzung einer Traineestelle. Für etwa ein Drittel der Befragten ist ein beliebiger Abschluss nicht ausreichend: Sie verlangen einen Master oder ein Diplom. Bei der Auswahl der Trainees nutzt mit 71 Prozent die Mehrheit der befragten Unternehmen ein internes Assessment Center mit Beurteilern aus den eigenen Reihen, 57 Prozent greifen alleine oder in Kombination auf das klassische Vorstellungsgespräch zurück. Nur drei Prozent fordern Arbeitsproben von Bewerbern ein.

Personalentwicklung ist ein Muss

Wichtigste Komponente eines optimalen Traineeprogramms ist eine gezielte Personalentwicklung: Für 39 Prozent der befragten Unternehmen ist sie ein Muss. So sind die Personalentwicklungsmaßnahmen in 56 Prozent der Unternehmen fester Bestandteil des Traineeprogramms und fest vorgegeben. 84 Prozent entwickeln ihre Trainees im Rahmen von unternehmensinternen Seminaren weiter. Auf Platz zwei der Komponenten eines optimalen Traineeprogramms folgt die inhaltliche Vielfalt des Programms (34 Prozent).

Für ein Drittel der Befragten ist zudem ein Auslandsaufenthalt ein entscheidendes Qualitätsmerkmal. Mehr als die Hälfte von ihnen schicken ihre Trainees ein Mal, 20 Prozent sogar zwei Mal ins Ausland. Zu den Trendregionen zählen die USA, Frankreich, Spanien, Skandinavien, Osteuropa, China, Südafrika und Brasilien. Die Dauer des Aufenthalts variiert zwischen drei und sechs Monaten. Für 27 Prozent der Befragten gehört ebenfalls die persönliche Betreuung zu einem optimalen Traineeprogramm. Die Vermittlung von Fachwissen dagegen spielt mit fünf Prozent eine untergeordnete Rolle.

Traineeships dienen der unternehmensinternen Ausbildung

Unternehmen verfolgen mit Traineeprogrammen hauptsächlich ein Ziel:
69 Prozent sehen darin die Möglichkeit der unternehmensinternen Ausbildung und Sicherstellung des Führungskräftenachwuchses. Prof. Dr. Jürgen Kluge sagt:

„Traineeprogramme sind eine interne Talentschmiede, von der sowohl die Teilnehmer als auch die Unternehmen profitieren.“

In der Regel starten die Traineeprogramme in den Herbstmonaten zum jeweiligen Wintersemester. In der bei der Mehrheit der befragten Unternehmen 12 beziehungsweise 18 Monate dauernden Ausbildung lernen die Trainees hauptsächlich drei bis vier unterschiedliche Bereiche des Unternehmens kennen. In gut der Hälfte der Unternehmen verweilt ein Trainee durchschnittlich drei bis vier Monate in einer Station, wobei 51 Prozent der Befragten die Stationen mit dem Trainee individuell abstimmen.

Einstiegsgehälter: Trainees verdienen mehr als 40.000 Euro

Im Durchschnitt verdient ein Trainee mehr als 42.600 Euro in seinem ersten Jahr. Im zweiten Jahr sind es dann schon zehn Prozent mehr. Elf Prozent der befragten Unternehmen bieten ihren Trainees neben dem Grundgehalt Zusatzleistungen an: Diese beziehen sich zu 67 Prozent auf Wohnungszuschüsse und zur Hälfte auf Verpflegungspauschalen. Ein Drittel bietet den Trainees leistungsbezogene Prämien. Während 64 Prozent der Unternehmen ihren Trainees einen auf die Dauer des Traineeships befristeten Arbeitsvertrag anbieten, kommen die Nachwuchstalente in gut einem Drittel der Unternehmen in den Genuss eines unbefristeten Arbeitsvertrags. Prof. Dr. Jürgen Kluge sagt: 

„Bei uns erhalten junge Talente bereits zu Beginn des Traineeships einen unbefristeten Vertrag. So legen wir den Grundstein für langfristige Karriereperspektiven bei Haniel. Nachwuchsführungskräfte werden somit nicht nur unternehmensspezifisch ausgebildet, sondern auch langfristig an das Unternehmen gebunden.“

Quelle: Kienbaum