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ÜberwachtRegeln vorgeben für die private Internetnutzung

Welche Rechte Arbeitgeber haben, privates Surfen in geordnete Bahnen zu lenken und in wie weit Mitarbeiter ihre Überwachung befürchten müssen, zeigt folgender Beitrag.
erschienen: 02.10.2009

Gefahrenzone Internet?

Viele sehen sich mit wachsenden Sicherheitsproblemen konfrontiert, besonders durch:

  • privates Surfen,
  • Herunterladen von Software und
  • web-basierendes e-mailen.

Der größte Teil der Schäden geht auf Bedienungsfehler und Vernachlässigung von vorhandenen Firmenvorschriften zurück. Selten spielen absichtliche Sabotagehandlungen des Mitarbeiters, zum Beispiel als Rache für eine Kündigung, eine Rolle.

Risikofaktoren

Gefahrenquelle Nummer eins ist und bleibt die E-Mail. Typische E-Mail-Anhänge in Form von Office-Dokumenten können Makros enthalten, die zum Teil immense Schäden hervorrufen. Durch ausführende Elemente wie JavaScript werden bei HTML-basierenden E-Mails Dokumente häufig ohne vorherige Bestätigung des Nutzers direkt angezeigt. Die Möglichkeit, vor dem Öffnen einen Virencheck durchzuführen, bietet sich somit nur selten.

Auch Peer-to-Peer Filesharing (P2P) bietet eine große Angriffsfläche, da die Dateiquellen nur selten bekannt sind. Es verwundert also kaum, dass schon jetzt ein Drittel der europäischen Unternehmen von Spionagesoftware systematisch unterminiert wird. Diese Software öffnet Hackern die Tür zum Unternehmen und ermöglicht es Außenstehenden, unbemerkt auf Firmendaten zuzugreifen und diese zu manipulieren.

Folgen für das Unternehmen

Je nach Ausmaß der Attacke können folgende Folgen auftauchen:

  • Geringfügige Beschädigungen einzelner Systemkomponente;
  • Imageverlust durch veränderte Webseiten (Defacement);
  • Ausfall von Servern und
  • Einbußen bezüglich Integritäts- und Vertrauensstandards.

Der damit verbundene finanzielle Schaden, der durch Arbeitsunterbrechungen oder dem kompletten Ausfall von E-Business-Systemen hervorgerufen wird, steigt. Grund hierfür ist die lange Wirkungs- und Lebensdauer der komplexen Angriffsformen.

Was also tun?

Prinzipiell gilt: Je mehr Informationen Mitarbeiter zum Thema Unternehmenssicherheit haben, desto eher achten sie auf mögliche Gefahrenquellen. Es hilft wenig, wenn es Richtlinien gibt, die aber nur wenige kennen. Die einfachste Möglichkeit, private Internetnutzung am Arbeitsplatz in geordnete Bahnen zu lenken, ist die vertragliche Vereinbarung. Werden schon im Arbeitsvertrag alle erforderlichen Eckdaten zum Thema private Internetnutzung festgehalten, kommt es nicht zu Mutmaßungen und Unstimmigkeiten.

Rechtliche Hintergründe

Der Arbeitgeber sollte sowohl das Persönlichkeitsrecht des Mitarbeiters als auch das Recht auf informelle Selbstbestimmung achten. Daher sind Überwachungskameras unzulässig.

Im Folgenden werden drei mögliche Fälle beschrieben.

Fall eins: Private Internetnutzung ist erlaubt

Ist das Recht auf private Nutzung des Internets am Arbeitsplatz vertraglich festgehalten, so ist der Arbeitgeber gegenüber seinem Beschäftigten Telekommunikationsanbieter beziehungsweise Teledienste-Anbieter. Er ist zur Einhaltung des Telekommunikationsgeheimnisses nach Paragraf 206 des Strafgesetzbuches verpflichtet und muss private E-Mails wie schriftliche Post behandeln. Eine weiterreichende Kontrolle, z.B. das Lesen von E-Mails, ist aber nicht gestattet. Auch bei der klaren Erlaubnis zum Surfen gilt die Verhältnismäßigkeit.

Fall zwei: Private Internetnutzung ist nicht erlaubt

Vollkontrolle ist auch in diesem Fall nicht gestattet, da sie einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Mitarbeiters darstellt. Stichproben und zeitnahe Auswertungen der Protokolldaten sind nach vorherigem Hinweis der Geschäftsleitung bezüglich der Folgen privater Internetnutzung zulänglich. Sie dürfen durchgeführt werden, wenn sie für die Gewährleistung firmeninterner Sicherheit nötig sind. Wird ein Mitarbeiter folglich bei der privaten Nutzung „ertappt“, kann es zur Abmahnung oder in schwerwiegenderen Fällen zur Kündigung kommen.

Fall drei: Es gibt keine klare Regelung zur Internetnutzung

Dieser Fall stellt eine Sonderform dar, da er quasi die Mischung aus Fall eins und zwei ist. Man setzt in der Praxis häufig voraus, dass privates Surfen im gleichen Umfang wie das Führen privater Telefongespräche gestattet ist. Und auch hierbei gilt, dass sich Arbeitgeber an gesetzliche Grenzen halten müssen. Festzuhalten bleibt aber, dass ein solcher Umgang mit der Internetnutzung immer auch Konfliktpotenzial in sich birgt. Was für den Arbeitnehmer subjektiv ein angemessener Umfang mit Privatangelegenheiten sein mag, kann für den Arbeitgeber das Höchstmaß bereits überschreiten. Am besten ist, Mitarbeiter und Vorgesetzte sprechen sich ab.

Is Big Brother really watching you?

Mitarbeiter müssen in Deutschland keine Verhältnisse à la George Orwells 1984 fürchten. Anders als z.B. in den USA, in der nach Schätzung bereits 80 Prozent der Computer konsequent überwacht werden, gelten in Deutschland Bestimmungen, die gerade dies ausschlie゚en. Im Allgemeinen gilt, dass beim Thema private Internetnutzung am Arbeitsplatz genauso wie in anderen Bereichen der Organisation klare Regelungen und der Einsatz von gesundem Menschenverstand entscheidend sind.

[jf; Svetlana Miassoedov; Bild: Andrzej Puchta - Fotolia.com]

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