UnternehmensführungAufgaben des strategischen Controllings

Strategisches Controlling ist das Unternehmens-Radar. Es unterstützt die Geschäftsleitung beim strategischen Management.
erschienen: 29.01.2015
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Große Unternehmen betreiben strategisches Controlling, um Geschäftsleitung, Vorstand, Aufsichtsrat und Management mit Informationen zu versorgen. Diese sind wichtig für langfristige Entscheidungen. Die Mitarbeiter im strategischen Controlling nehmen meist eine Stabsfunktion ein oder sind mit den Kollegen aus dem operativen Controlling dem allgemeinen Controlling zugeordnet. Sie berichten direkt an das Top-Management.

StichwortStrategisches Controlling

Strategisches Controlling unterstützt die strategische Führung des Unternehmens. Es liefert Informationen, die für die Strategieplanung, Strategieformulierung, die Kontrolle der dabei getroffenen Annahmen sowie die Kontrolle der Strategieumsetzung wichtig sind.

Welche Aufgaben hat das strategische Controlling?

Um die Geschäftsleitung mit Informationen zu versorgen, muss das strategische Controlling folgende Aufgaben erfüllen:

Fragestellungen mit der Geschäftsleitung klären

Das strategische Controlling klärt mit der Geschäftsleitung den Auftrag, welche Fragestellungen es untersuchen und analysieren soll und welche Informationen für die Strategieplanung wichtig sind. Dazu muss es Fragen stellen, Hintergründe ermitteln oder Motive der Geschäftsleitung als Auftraggeber erkennen.

Strategische Ziele ermitteln

Die Geschäftsleitung sollte dem strategischen Controlling vermitteln, welche Ziele besonders wichtig sind und im Rahmen der Unternehmensentwicklung betrachtet werden. Auch hier müssen die Bedeutung, die Relevanz und die Prioritäten der Ziele geklärt werden. Das strategische Controlling muss abfragen, woran der Erfolg bei der Zielerreichung erkannt wird und in welchen Zeiträumen die Ziele verfolgt werden.

Umfeldanalysen durchführen

Das strategische Controlling beobachtet gesellschaftliche, politische und technologische Entwicklungen. Es untersucht Märkte, Kunden und Lieferanten und führt Wettbewerbsvergleiche durch. Dabei hat es nicht nur die unmittelbaren Wettbewerber im Blick, sondern erkennt, wenn neue Konkurrenten auftauchen oder (innovative) Ersatzprodukte das eigene Leistungsangebot gefährden. 

Indikatoren, Kennzahlen und Messwerte finden

Das strategische Controlling muss Indikatoren, Kennzahlen und Messwerte finden oder definieren, aus denen sich die Antworten auf die Fragestellungen ableiten lassen. Einige Indikatoren müssen die die strategischen Ziele abbilden und überprüfbar machen. Andere Indikatoren müssen die Entwicklungen im Umfeld, auf den Märkten und im Wettbewerb sichtbar machen.

Prozesse definieren

Es wird geprüft und festgelegt, wie diese Indikatoren, Kennzahlen und Messwerte ermittelt und dokumentiert werden und wer dazu beitragen muss. Gleichzeitig werden dafür die technischen Systeme eingerichtet.

Soll-Werte für Ziele und Kennzahlen festhalten

Die Geschäftsleitung gibt die Soll- oder Plan-Werte für die strategischen Ziele vor. Sie drücken aus, was das Unternehmen und seine Mitarbeiter leisten sollen. Das strategische Controlling nutzt diese Soll-Vorgaben für die weiteren Analysen.

Schwellenwerte für Indikatoren, Kennzahlen und Messwerte festlegen

Ein Schwellenwert zeigt an, wenn Maßnahmen zur Strategieplanung notwendig werden. Wird er unterschritten oder überschritten, dann ist dies ein Signal zum Handeln. Beispiele sind:

  • Alarm auslösen

  • Genauere Analyse anstoßen

  • Gegenmaßnahmen ergreifen

  • Zielplanung überarbeiten

  • In Besprechungen thematisieren

Das strategische Controlling muss diese Indikatoren deshalb immer im Blick haben und an die Geschäftsleitung melden, wenn es Auffälligkeiten gibt.

Erfolgskennzahlen und Finanzkennzahlen ermitteln und bewerten

Wie erfolgreich ein Unternehmen in seinem Umfeld und seinem Markt agiert, das drückt sich letztlich in Finanzkennzahlen aus. Diese werden vom strategischen Controlling für die Vergangenheit ermittelt und für die Zukunft prognostiziert. Beispiele sind: Umsatz, Gewinn, Cashflows, Rendite, Cash Value Added, Economic Value Added oder Kapitalkosten. 

Abweichungsanalysen durchführen und berichten

Das strategische Controlling vergleicht regelmäßig die Ist- oder Mess-Werte mit den Soll-Vorgaben. Die Ergebnisse werden in Form von Berichten an die Geschäftsleitung und das Management vermittelt. In den Berichten wird sichtbar, inwiefern die strategischen Ziele erreicht werden und die Strategien umgesetzt werden. Sie machen auch sichtbar, ob die Annahmen, die der Strategieplanung zugrunde liegen, noch zutreffen.

Mit der Analyse sagt der strategische Controller: Wie die Zahlen zeigen, sind wir auf dem richtigen Weg. Oder: Wie die Zahlen zeigen, müssen wir dringend etwas tun.

Maßnahmen oder Handlungsfelder aufzeigen

In den Berichten an die Geschäftsleitung kann das strategische Controlling auch Anregungen für eine Anpassung der Unternehmens- oder Strategieplanung geben. Diese ergeben sich aus der Analyse der Indikatoren, Kennzahlen und Messwerte. Beispiele dafür sind Maßnahmen in den Bereichen:

  • Synergiepotenziale aufzeigen und Möglichkeiten, Kosten zu sparen

  • Chancen in neuen Märkten sichtbar machen

  • Neue Geschäftsfelder vorschlagen

  • Umsatz- und Gewinnpotenziale aufführen

  • Sichtbar machen, wohin Management-Ressourcen und Budgets fließen sollten

  • Alte Geschäftsbereiche abbauen oder aufgeben

  • Stellhebel für Preisanpassungen, Qualitätsverbesserungen oder mehr Flexibilität benennen

  • Neue Produkte planen

  • Andere Technologien einsetzen

Strategisches Controlling als Teil der Unternehmensplanung, Steuerung und Kontrolle

Ein Modell, das die Aufgaben des strategischen Controllings deutlich macht, ist der unternehmerische Regelkreis (siehe Abbildung). Aus den Strategien, Zielen und Soll-Vorgaben leitet das Management ab, welche Maßnahmen durchgeführt werden sollen und welche Entscheidungen getroffen werden. Diese werden in Vorgaben für das „operative Doing“ übersetzt und in den Prozessen, Aufgaben und täglichen Aktivitäten aller Mitarbeiter umgesetzt. Das ist die Steuerung des Unternehmens.

Regelkreis für das strategische Controlling. Quelle: business-wissen.de
Regelkreis für das strategische Controlling. Quelle: business-wissen.de

Was dann im Alltag tatsächlich passiert, das macht den sogenannten „Ongoing Process“ aus. Er ist stark von Störungen geprägt. Das sind ungeplante oder unplanbare Ereignisse, die Auswirkungen auf die Abläufe und Aufgabenerfüllung und damit auf die ermittelten Messwerte haben. Auch die unternehmensinternen und unternehmensexternen Rahmenbedingungen können sich verändern und den „Ongoing Process“ beeinflussen. Sie drücken sich in Chancen und Risiken oder Stärken und Schwächen des Unternehmens aus.

Der „Ongoing Process“ muss durch Indikatoren, Kennzahlen und Messwerte beschrieben und kontrolliert werden. Zwei Dinge sind entscheidend:

  • Werden die strategischen Ziele und Strategien der Geschäftsleitung im Alltag auch umgesetzt? Wie gut funktioniert also die Strategieimplementierung?

  • Stimmen die Annahmen noch, die den Zielen und Strategien zugrunde liegen? Sind die Prognosen haltbar?

Fazit

Das strategische Controlling ist das Radar eines Unternehmens, das aufzeigt, ob es auf Kurs ist. Es macht Chancen und Risiken sichtbar und liefert für die langfristige Planung und Steuerung die wichtigen Informationen. Es will Strategien in monetären Größen packen: Was kostet eine Idee oder Strategie? Wie viel Umsatz bringt sie dem Unternehmen? Letztlich drückt das strategische Controlling ein komplexes Umfeld und vielfältigste Entwicklungen in Zahlen und Diagrammen aus und macht sie für die Geschäftsleitung sichtbar.

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